Heute ist der 1.05.2026 und in Reinickendorf zeigt sich einmal mehr, dass das Bildungssystem in Brandenburg vor gewaltigen Herausforderungen steht. Der Lehrermangel spitzt sich zu, und Bildungsminister Gordon Hoffmann hat bereits Maßnahmen ergriffen, um dieser Krise entgegenzuwirken. Ein bemerkenswerter Ansatz ist die Prüfung von Fernunterricht als mögliche Lösung. Dies geschieht im Rahmen eines Modellprojekts, an dem die Oberstufenzentren in Prignitz und Cottbus beteiligt sind. Hier wird in zwei Klassen parallel unterrichtet, wobei lediglich in einer Klasse ein Lehrer anwesend ist.
Für einen reibungslosen Ablauf sind essentielle Voraussetzungen notwendig: Kameras, Bildschirme, stabiles Internet und synchronisierte Unterrichtszeiten müssen gewährleistet sein. Dennoch bleibt die Realität nicht ohne Herausforderungen. Der Schülernahverkehr kann den Unterrichtsbeginn erheblich beeinflussen, was die Umsetzung der Pläne erschwert. Um dem akuten Lehrermangel zu begegnen, setzt Brandenburg zunehmend auf Seiteneinsteiger, eine Maßnahme, die in der Vergangenheit bereits an Bedeutung gewonnen hat.
Die Realität hinter den Zahlen
Brandenburg steht vor dem größten Lehrerdefizit bisher. Es ist hinlänglich bekannt, dass Hoffmann nicht garantieren kann, dass die Stundentafel im kommenden Schuljahr wie gewohnt abgesichert werden kann. Im Haushalt für 2025 ist die Zahl der Lehrerstellen um 345 Vollzeitstellen gesunken, was alarmierend ist. Dennoch plant die neue SPD/CDU-Koalition, 250 zusätzliche Stellen zu schaffen, um dem drohenden Lehrermangel entgegenzuwirken. Der Arbeitsmarkt für Lehrer ist stark leergefegt, und mit jedem Jahr wird die Situation prekärer.
Im bundesweiten Kontext zeigt sich, dass der Anstieg der Zahl der Quer- und Seiteneinsteiger im Lehrerberuf nicht aufzuhalten ist. Im Schuljahr 2023/24 unterrichtet bereits jede zehnte Lehrkraft an allgemeinbildenden Schulen ohne anerkannte Lehramtsprüfung. Auch an beruflichen Schulen liegt der Anteil mit 16,6 % höher. Diese Entwicklung ist alarmierend und wirft Fragen zur Qualität der Ausbildung und zur langfristigen Stabilität des Bildungssystems auf.
Prognosen und Ausblick
Die Kultusministerkonferenz prognostiziert, dass im Schuljahr 2025/2026 rund 35.000 Lehrkräfte fehlen werden. Bis zum Jahr 2030/31 könnte diese Zahl auf 68.000 und bis 2035/36 sogar auf 76.000 ansteigen. In Nordrhein-Westfalen waren im Dezember 2025 bereits rund 8.800 Stellen unbesetzt. Diese offiziellen Zahlen spiegeln jedoch nicht die gesamte Realität wider, da Schulen versuchen, die Lücken mit Quereinsteigenden und Mehrarbeit zu schließen.
Ein weiterer besorgniserregender Aspekt ist die Teilzeitquote unter Lehrkräften, die 43,1 % erreicht hat. Gleichzeitig haben über 36 % der Lehrkräfte das 50. Lebensjahr überschritten, was die Dringlichkeit erhöht, neue, qualifizierte Lehrkräfte zu gewinnen. Die Belastungen, unter denen die Lehrkräfte leiden, sind enorm: Über ein Drittel fühlt sich emotional erschöpft, und viele verlassen den Schuldienst aufgrund von Arbeitsbelastung und fehlender Autonomie.
Um dem Lehrermangel entgegenzuwirken, setzen die Bundesländer Maßnahmen wie die Einstellung von Quereinsteigern, die Schaffung zusätzlicher Studienplätze und regionale Kooperationen um. Die Herausforderung, die qualitativ hochwertige Bildung für alle Schülerinnen und Schüler zu gewährleisten, bleibt jedoch bestehen. Der Mangel ist besonders stark in den MINT-Fächern, in der Sonderpädagogik und an Grundschulen in städtischen Gebieten. Es bleibt zu hoffen, dass die ergriffenen Maßnahmen bald Früchte tragen und das Bildungssystem nicht weiter unter Druck gerät.