Heute ist der 20.05.2026, und während in Pankow die Luft nach frischen Blüten duftet, gibt es etwas ganz Besonderes zu feiern: den Welttag der Bienen. An diesem Tag wird nicht nur auf die Bedeutung der fleißigen Bestäuber hingewiesen, sondern auch auf die erstaunlichen Wildbienen, die in unserer Stadt ein unerwartetes Zuhause gefunden haben. Wer hätte gedacht, dass ein Einkaufszentrum wie das Neumann-Forum ein solcher Hotspot für Wildbienen sein kann? Stephan Härtel, ein Biologe und Bienenexperte, hat es entdeckt, als er vor dem Einkaufszentrum auf seine Brille wartete. Um ihn herum summte es fröhlich – Wildbienen flogen umher und suchten nach Nistplätzen.
Die Terrakotta-Platten des Gebäudes sind ein wahres Paradies für diese kleinen Geschöpfe. Hohl und durchlöchert bieten sie die perfekten Rückzugsorte. Wildbienen sind nicht nur wichtig für die Bestäubung von Pflanzen, sie sind auch entscheidend für unsere Ernährungssicherheit. Immerhin bestäuben Insekten 80 % der Pflanzen, darunter viele unserer Lieblingsnahrungsmittel. Doch die Lage ist ernst: Seit 1990 sind in Europa bis zu drei Viertel aller Fluginsekten verschwunden. Härtel, der beim Naturschutzbund (Nabu) arbeitet, engagiert sich leidenschaftlich für den Schutz dieser bedrohten Arten.
Wildbienen in Berlin
Berlin, mit seinen über 600 Wildbienenarten, ist ein wahres Eldorado für diese kleinen Solitärbestäuber. Die meisten Wildbienen sind Einzelgänger und legen ihre Brut meist im Boden ab. Doch das ist nicht alles. Collette Wasielewski und ihr Mann Tom Cox haben sich zum Ziel gesetzt, eine Volkszählung der Wildbienen zum heutigen Welttag der Bienen durchzuführen. Mit der App MyBeeHome können Nutzer Fotos von Nisthilfen hochladen, um die Artenvielfalt zu dokumentieren. Mithilfe Künstlicher Intelligenz werden die Bienenarten anhand der Niströhrenverschlüsse identifiziert. Ende April 2023 hatten sich bereits 6000 Nutzer vernetzt, und bis zum heutigen Tag wird mit 8000 Nutzern gerechnet.
Aber es geht um mehr als nur die Zählung. Das Ziel ist klar: wildbienenfreundliche Regionen zu identifizieren und gezielte Schutzmaßnahmen zu planen. In Berlin wurden seit 2018 über 46.000 Quadratmeter mit mehr als 80 Wildblumenwiesen und anderen Wildbienenflächen angelegt. Das Engagement ist hoch, und die Zusammenarbeit mit der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt hat Früchte getragen.
Die Rolle der Wildbienen
Wildbienen sind nicht nur hübsch anzusehen – sie sind wahre Helden in der Landwirtschaft. Oft sind sie sogar effizienter als die bekannten Honigbienen. In Deutschland sind jedoch über die Hälfte der Wildbienenarten gefährdet oder bereits ausgestorben. Intensive Landwirtschaft, Bebauung und Lichtverschmutzung sind die Hauptursachen für ihren Rückgang. Die Folgen sind dramatisch: Ein Rückgang der Wildbienen hat weitreichende Konsequenzen für unsere Ökosysteme und die Landwirtschaft. Schätzungen zufolge könnten die Ertragsverluste bei Äpfeln und Kirschen bis zu 65 % betragen, bei Kürbissen sogar bis zu 95 %.
Umso wichtiger ist es, aktiv zu werden. Verbraucher können Lebensräume für Wildbienen schaffen, indem sie nektarreiche Pflanzen anbauen und auf Pflanzenschutzmittel verzichten. Die Förderung von Blühstreifen, Erhalt von Frühblühern und die Bereitstellung natürlicher Nistplätze sind einfache Maßnahmen, die jeder von uns ergreifen kann.
Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Der weltweite wirtschaftliche Wert der Bestäubung wird auf etwa 1 Billion US-Dollar geschätzt. Das Engagement für den Schutz der Wildbienen ist also nicht nur eine Herzensangelegenheit, sondern auch eine Notwendigkeit, um unsere Nahrungsmittelversorgung zu sichern. In Berlin, einer Stadt, die oft als urban und hektisch wahrgenommen wird, zeigt sich, dass selbst in den unauffälligsten Ecken Leben und Hoffnung blühen können.