Heute ist der 26.05.2026 und der Mirbachplatz in Pankow wird wieder zum Schauplatz eines großen Wandels. Die ehemalige Bethanienkirche, die im Jahr 1902 im neogotischen Stil von Kaiser Wilhelm II. eingeweiht wurde, erfährt einen faszinierenden Umbau. Hier, wo einst der Klang der Glocken die Nachbarschaft erfüllte, entsteht nun ein neues Wohnprojekt. Ein bisschen melancholisch ist es schon, die Kirche, die nach den verheerenden Kriegsschäden als Turmruine zurückblieb, wird ihre Bestimmung als Ort der Anbetung verlieren. Aber der Wandel bringt auch frischen Wind und neues Leben in die Gegend.
Der Umbau wird von Architekt Bernd Bötzel geleitet, dessen Vision seit 2001 Form annimmt. Die Arbeiten haben bereits im Frühjahr 2022 begonnen, als die Sicherung des Kirchturms im Vordergrund stand. Mittlerweile sind die Baugerüste sichtbar, und die große Baugrube vor der Kirche verrät, dass hier etwas Großes entsteht. Insgesamt sind 17 Wohnungen geplant – 3 im Turm und 14 im Neubau. Die Höhe des Turms beträgt rund 65 Meter, wobei von diesen nur 21 Meter für die Wohnnutzung genutzt werden können. Das ist nicht nur eine technische Herausforderung, sondern auch eine kreative, denn der Neubau folgt der Grundfläche und Dimension des früheren Kirchenschiffs, ist aber gestalterisch abweichend.
Fortschritte und Herausforderungen
Die Bauarbeiten in Weißensee zeigen bereits sichtbare Fortschritte. Trotz steigender Baukosten ist Bötzel optimistisch, dass das Projekt wie geplant bis Ende 2026 abgeschlossen werden kann. An den oberen Turmabschnitten wird derzeit äußerlich gearbeitet, während beschädigte Steine dokumentiert und originalgetreu wiederverwendet werden. Das ist wichtig, denn der Denkmalschutz macht die Sanierung des Gebäudes komplex, aber auch besonders wertvoll. An diesem historischen Ort wird nicht einfach abgerissen und neu gebaut – hier wird Geschichte bewahrt und mit modernen Elementen kombiniert.
Das Projekt bringt auch gastronomische und kulturelle Angebote mit sich, was für die Nachbarschaft sicher eine Bereicherung darstellt. Eine neue Tiefgarage wird ebenfalls Teil des Vorhabens sein, was in der Innenstadt von Berlin immer ein heißes Thema ist. Und die drei historischen Glocken? Die bleiben erhalten, auch wenn der Turm akustisch entkoppelt wird, um die Wohnnutzung zu ermöglichen – das Geläut soll also nicht mehr die Nachtruhe stören. Die Entscheidung des Bezirks Pankow, von einem Vorkaufsrecht keinen Gebrauch zu machen, zeigt das Vertrauen in die Vision von Bötzel und die positive Entwicklung der Gegend.
Ein neuer Blick auf alte Mauern
Es ist ein bisschen wie ein Puzzle, das hier Stück für Stück zusammengesetzt wird. Die Bethanienkirche war früher ein Teil der städtebaulichen Entwicklung Neu-Weißensees. Mit dem Umbau verschwindet der öffentliche Kirchenraum und macht Platz für privaten Wohnraum in historischer Bausubstanz. Das ist etwas, das man nicht oft sieht – alte Mauern, die mit neuem Leben gefüllt werden. Das mag für einige eine traurige Entwicklung sein, für andere ist es eine Chance, Geschichte neu zu interpretieren und zu beleben.
So wird der Mirbachplatz bald nicht nur ein Ort des Wohnens, sondern auch ein Raum, der Geschichte atmet und gleichzeitig in die Zukunft blickt. Wer weiß, vielleicht wird das neue Wohnprojekt ja zu einem echten Kiezmagneten, der Menschen anzieht und zum Austausch einlädt. Gerade in einer Stadt wie Berlin, wo Veränderung und Tradition oft Hand in Hand gehen, sind Projekte wie dieses ein wichtiger Teil des urbanen Lebens.
