Heute ist der 2.05.2026 und wir blicken auf eine beeindruckende Sportlerin, die mit ihrer Stimme für eine differenzierte Betrachtung der DDR-Sportgeschichte eintritt. Ulrike Nasse-Meyfarth, die am Montag ihren 70. Geburtstag feiert, ist nicht nur eine ehemalige Hochspringerin, sondern auch eine leidenschaftliche Verfechterin der Anerkennung ostdeutscher Olympiasieger und erfolgreicher Athleten.
In einem aufschlussreichen Interview mit der „Welt am Sonntag“ äußert Nasse-Meyfarth ihre scharfe Kritik am Umgang mit der DDR-Sportgeschichte. Sie bemängelt den mangelnden Respekt, den ostdeutsche Athleten von ihren westdeutschen Kollegen erfahren. „Oft wird nur über Themen wie institutionelles Doping und Stasi-Mitgliedschaften gesprochen, während die Leistungen der Sportler in den Hintergrund gedrängt werden“, betont sie.
Kritik an einseitiger Darstellung
Nasse-Meyfarth fordert eine differenzierte Betrachtung der Dopingpraktiken, die auch die westdeutschen Sportler einschließen sollte. „Das Individualdoping der Westdeutschen vor dem Mauerfall wird oft ignoriert“, erklärt sie und kritisiert somit die Ignoranz und Arroganz der westdeutschen Sportszene. Dies sei, so Nasse-Meyfarth, ein Grund für die abnehmenden sportlichen Erfolge in Deutschland.
Die ehemalige Olympiamedaillengewinnerin, die Goldmedaillen im Hochsprung bei den Olympischen Spielen 1972 in München und 1984 in Los Angeles gewann, hat ein reges Interesse an den Lebensverläufen von DDR-Sportlern. Gemeinsam mit ihrem Mann sucht sie den Austausch mit ehemaligen Athleten, was oft auf Verwunderung stößt. Sie besucht regelmäßig Sportlerbälle und berichtet von gemeinsamen Abenden mit den ehemaligen DDR-Sprinterinnen Renate Stecher und Marlies Göhr.
Ein Aufruf zur Veränderung
Ein zentrales Anliegen von Nasse-Meyfarth ist die Forderung, das Talentsichtungs-, Auswahl- und Fördersystem der DDR zu übernehmen. Nach ihrer Ansicht hätte dies dazu beitragen können, die Probleme im deutschen Sport, die seit der Wiedervereinigung bestehen, zu verringern. „Wir müssen die Errungenschaften der DDR-Sportgeschichte anerkennen und respektieren“, schließt sie. Ihr Engagement zeigt, dass die Vergangenheit nicht in Vergessenheit geraten sollte, sondern als wertvolle Lektion für die Zukunft dienen kann.
Nasse-Meyfarths kritische Stimme ist ein wichtiger Beitrag zur Diskussion über die DDR-Sportler und deren Leistungen, die oft im Schatten der politischen Vergangenheit stehen. Sie fordert die Gesellschaft auf, sich einer differenzierten Betrachtung zu öffnen und den Respekt vor den Leistungen der Athleten zu zeigen. In einer Zeit, in der sportliche Erfolge und deren Hintergründe immer mehr in den Fokus rücken, wird es spannend sein zu beobachten, wie sich die Debatte rund um die DDR-Sportgeschichte weiterentwickeln wird.