Kampfszenen im Abwasser: Leben ohne Kanalanschluss in Karow
Im Berliner Ortsteil Karow, wo Kerstin Roop-Jander seit 1998 lebt, ist das Leben ohne Kanalanschluss eine ganz besondere Herausforderung. Die Situation ist nicht nur für sie, sondern für rund 2000 weitere Menschen im Bezirk Pankow ähnlich. Statt einfach den Wasserhahn aufzudrehen und entspannt das Abwasser in die Kanalisation zu schicken, sammeln sie alles in einer Grube unter ihrem Haus. Einmal im Monat kommt ein Entsorgungsunternehmen vorbei, um die Fäkalien abzuholen – ein Routine, die nun teurer wird. Aktuell zahlt Roop-Jander 100 Euro pro Monat, doch die Kosten sollen bald auf 150 Euro steigen. Und das ist noch nicht alles: durch die Schließung einer nahegelegenen Einleitstelle müssen die Fäkalien jetzt nach Schönerlinde in Brandenburg transportiert werden, was die jährlichen Kosten auf 2100 Euro anhebt.
Von den 7500 Sammelgruben, die es in Berlin gibt, befinden sich viele unter Einfamilienhäusern in Pankow, Marzahn-Hellersdorf und Treptow-Köpenick. Die Gruben haben ein Volumen von fünf bis 20 Kubikmetern – je nach Größe der Haushalte. Für Roop-Jander bedeutet das, dass sie immer ein Auge auf die Füllhöhe ihrer Grube haben muss, denn wenn sie überläuft, kann das zu einer unangenehmen Situation führen. Die provisorische Einleitstelle in Karow, die 2019 eröffnet wurde, musste aufgrund technischer und umweltfachlicher Probleme schnell wieder schließen. Ein Ärgernis für die Anwohner!
Die Pläne für die Zukunft
Doch nicht alles ist verloren. Bis 2031 sollen bis zu 900 Einfamilienhäuser im Norden Berlins an das öffentliche Abwassernetz angeschlossen werden. Ein Abpumpwerk in Buchholz und die dazugehörige Infrastruktur für die Kanalisation in Karow sind bereits in Planung. Das klingt vielversprechend, könnte aber noch Jahre dauern, bis alle betroffenen Haushalte tatsächlich profitieren können. Der CDU-Abgeordnete Johannes Kraft hat angekündigt, ein Treffen mit Anwohnern und Firmen zu organisieren, um Lösungen zu finden. Die Hoffnung stirbt zuletzt!
Transportunternehmen wie MagBo stehen jedoch vor großen Herausforderungen. Die neuen Bedingungen machen es ihnen schwer, den Betrieb aufrechtzuerhalten. Das Abtransportieren von Fäkalien über weite Strecken ist nicht nur zeitaufwendig, sondern auch teuer. Die Bedenken der Unternehmen sind nachvollziehbar. Schließlich handelt es sich nicht nur um die Entsorgung – es geht um die Zukunft der Abwasserwirtschaft in der Region.
Ein Blick auf die Abwasserentsorgung in Deutschland
In diesem Kontext lohnt sich ein Blick auf die aktuelle Situation der Abwasserentsorgung in Deutschland. Laut einer Broschüre des BDEW, die regelmäßig Strukturdaten zur Abwasserentsorgung erhebt, sind die Informationen für Abwasserentsorger und die Öffentlichkeit zugänglich und gut aufbereitet. Die Daten bieten Einblicke in den Anschlussgrad der Bevölkerung an Abwasserbehandlungsanlagen und dokumentieren die Entwicklung der Jahresabwassermengen. Diese Informationen sind nicht nur für die lokale Politik von Bedeutung, sondern auch für Entscheidungen auf nationaler Ebene.
Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Investitionen in der öffentlichen Abwasserbeseitigung kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Schließlich sind die Daten, Grafiken und verständlichen Texte in der Broschüre nicht nur für Fachleute, sondern auch für interessierte Bürger aufbereitet. Sie könnten durchaus als Basis für politische Entscheidungen in Berlin und Brüssel dienen.
Hier in Pankow wird deutlich, dass die Herausforderungen der Abwasserentsorgung nicht nur technische Probleme sind, sondern auch Fragen der sozialen Gerechtigkeit betreffen. Die Menschen, die in Altsiedlungen leben, haben oft das Nachsehen und müssen sich mit unzureichenden Infrastrukturen arrangieren. Wenn die Politik nicht schnell handelt, könnte die Lage für viele Haushalte in den kommenden Jahren noch komplizierter werden.
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