Kampf um Kunst: Pankows Atelierhaus in der Krise
In Berlin, genauer gesagt in Pankow, gibt es derzeit einen heftigen Streit um das Atelierhaus Prenzlauer Promenade. Das Gebäude, ein sechsgeschossiger Plattenbau, der in den späten 1970er Jahren als Akademie der Wissenschaften der DDR errichtet wurde, sollte eigentlich an eine neu gegründete Genossenschaft übergeben werden. Diese würde es den Künstlern ermöglichen, bezahlbare Mietmöglichkeiten zu finden. Doch es wird nicht leichter. Die landeseigene Immobiliengesellschaft Berlinovo und die Genossenschaft können sich einfach nicht auf einen Kaufpreis einigen. Das Gutachten zeigt einen Abstand von rund drei Millionen Euro auf – und das ist ein ordentlicher Betrag, würde ich sagen.
Das Kulturressort hat nun auch noch die Fördermittel für die dringend benötigte Sanierung des Hauses gestrichen. Um das Ganze noch komplizierter zu machen, gibt es Konflikte zwischen dem aktuellen Generalmieter, der GSE, und den Künstlern der Genossenschaft. Die Situation ist angespannt. Am Freitag protestierten zahlreiche Künstler auf dem Gelände, und sie hatten prominente Unterstützung, darunter Steffen Krach, der Spitzenkandidat der SPD. Es ist schon ein bisschen surreal, wie sich die Dinge entwickelt haben.
Die Situation der Künstler
Momentan arbeiten etwa 50 Künstler*innen im Atelierhaus, und das seit 2001, als die Räume auf Betreiben des Bezirks Pankow und der Kunsthochschule Weißensee an diese kreativen Köpfe vermietet wurden. In den letzten Jahren hat sich die Lage allerdings verschlechtert, und die GSE hat den aktiven Genossen die Mietverträge zum Jahresende gekündigt. Laut GSE ist das Mietverhältnis als zerrüttet zu betrachten. Das führt dazu, dass die Genossenschaftler Ende des Jahres aus dem Projekt ausgeschlossen werden könnten, da ihre exklusiven Rechte auslaufen.
Die Kaltmiete von drei Euro pro Quadratmeter klingt zwar verlockend, aber die hohen Nebenkosten von fast elf Euro warm drücken auf die Stimmung. Über zwei Euro pro Quadratmeter werden für „Bewirtschaftung“ verlangt, was laut einem Rechtsgutachten als rechtswidrig eingestuft wird. Die Künstler stehen also unter Druck, und der Verein „Atelierhaus Prenzlauer Promenade e.V.“, den sie 2015 zur Vertretung ihrer Interessen gründeten, kämpft unermüdlich für den Erhalt des Hauses als Kunst- und Kulturstandort.
Die politische Unterstützung
Politische Unterstützung für die Genossenschaftsidee ist vorhanden, was zumindest etwas Hoffnung gibt. Koalitionspolitiker sind der Meinung, dass eine Lösung für diese verfahrene Situation möglich sein könnte. Tatsächlich fließen jährlich rund 600 Millionen Euro aus dem Kulturhaushalt des Senats in die Berliner Kulturlandschaft. Allerdings profitieren davon nur etwa 70 dauerhaft institutionell geförderte Kultureinrichtungen. Der Rest, also rund 5 Prozent, wird für Einzel- und Projektförderungen genutzt.
Die Kulturverwaltung hat zwar strenge Kriterien, an denen sich Förderentscheidungen orientieren – Transparenz, Verfahrensgerechtigkeit und Gleichbehandlung stehen an oberster Stelle – doch die langfristige Unterstützung der Künstler und ihrer Arbeitsräume bleibt ein drängendes Anliegen. Nach der Sanierung des Atelierhauses sollen im Rahmen des Arbeitsraumprogramms des Berliner Senats sogar etwa 350 weitere Arbeitsräume für verschiedene Kunstsparten entstehen. Ein Lichtblick in dieser angespannten Situation!
Der Verein setzt sich auch nach der Sanierung für den langfristigen Erhalt von bezahlbaren Arbeitsräumen ein und veranstaltet regelmäßig Ausstellungen und Kulturveranstaltungen. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Dinge entwickeln. Doch eines ist klar: Die Künstler in der Prenzlauer Promenade geben nicht auf und kämpfen um ihren Platz im Berliner Kunstleben.
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