Heute, am 25. Mai 2026, sind die letzten Klänge des 33. Wave-Gotik-Treffens (WGT) in Leipzig zu hören. Die Luft ist erfüllt von einer Mischung aus Neugier und Nostalgie, während die Besucher durch die schattigen Gassen des Südfriedhofs schlendern, einem der größten Parkfriedhöfe Deutschlands. Hier leitet Anja Kretschmer-Rodenbröker einen Rundgang mit dem vielversprechenden Namen „Friedhofsgeflüster“. Es ist faszinierend, wie die Atmosphäre des Ortes mit dem lebhaften Treiben des Festivals harmoniert. Überall sieht man Menschen in aufwendigen Outfits – vom viktorianischen Picknick, das am Freitag eröffnet wurde, bis zu den aufregenden Konzerten, die die Herzen der Gothic-Community höherschlagen lassen.
Am Freitagabend erlebten die Festivalbesucher ein Highlight mit den Auftritten von Kim Wilde und den legendären Einstürzenden Neubauten auf der Agra-Bühne. Die Bühnen sind von einer besonderen Energie durchzogen. Am Samstag und Sonntag folgten zahlreiche Veranstaltungen, die das Festival zu einem wahren Erlebnis machten. Der Gothic Run, Leichenwagenkorso, und Lesungen zu Depeche Mode – da kann man schon mal die Zeit vergessen. Und dann die Konzerte von Front Line Assembly, Grausame Töchter und Lacrimosa, die den Abend zum Beben brachten! Ein echter Ohrenschmaus für alle, die sich in der dunklen Ästhetik zu Hause fühlen.
Ein buntes Treiben
Trends, die beim WGT sichtbar werden, sind ebenso spannend wie die Musik selbst. Immer mehr Besucher bringen eine Farbvielfalt in die oftmals düstere Szenerie. Kopfschmuck und Flügel sind zu beliebten Accessoires avanciert – ein echter Hingucker, der die Individualität der Teilnehmer unterstreicht. Das Viktorianische Picknick hat sich als wahrer Magnet für viele herausgestellt. Hier trifft man sich, um in geselliger Runde und prachtvollen Outfits zu schmausen und zu plaudern. Man könnte fast meinen, der Ort sei aus einem anderen Jahrhundert entsprungen.
Doch auch die intellektuelle Seite kommt nicht zu kurz. Der Philosophische Salon im Budde-Haus thematisiert die Faszination für das Dunkle und zieht damit eine ganz andere Klientel an. Diese Mischung aus Kunst, Musik und Gedankenaustausch verleiht dem WGT eine einzigartige Note, die man so schnell nicht vergisst.
Ein Abschied mit Stil
Am Montag, dem letzten Tag des WGT, stehen Mark Benecke und Oswald Henke auf dem Programm, während die Klänge von Pankow und Sandow durch die Luft schwirren. Ein krönender Abschluss für ein Festival, das nicht nur die dunklen Herzen, sondern auch die kreativen Geister zusammenbringt. Im Passage Kino wird das Drama „Dancer In The Dark“ (1999) gezeigt – ein Film, der perfekt zur Stimmung des Festivals passt.
Wenn man durch die Stände der WGT-Szenemesse schlendert, kann man sich nicht dem Charme der angebotenen Kunst und Accessoires entziehen. Hier gibt es so viel zu entdecken, dass man am liebsten gleich alles kaufen möchte! Die Märkte sind ein wahres Paradies für die Gothic-Szene und bieten alles, was das Herz begehrt.
Das WGT ist mehr als nur ein Festival. Es ist ein Rückzugsort für all jene, die das Besondere im Alltäglichen suchen, die Gemeinschaft und den Austausch schätzen und sich in der Dunkelheit wohlfühlen. Auch wenn der letzte Tag anbricht, wird die Erinnerung an diese beeindruckenden Tage in den Herzen der Besucher weiterleben. Und so zieht Leipzig nach diesem Festival ein wenig mehr in unseren Bann – eine Stadt der Kontraste, die in der Dunkelheit strahlt.
