Heute ist der 1.05.2026 und die besorgniserregenden Entwicklungen in der Sicherheitslage für Jüdinnen und Juden in Deutschland sind nicht zu übersehen. In Pankow, Berlin, wurde am Sonntag ein Graffiti entdeckt, das zum Mord an Juden aufrief, ein Vorfall, der die wachsende Unsicherheit in der Community verdeutlicht. Diese Begebenheit korreliert mit einer Reihe von antisemitischen Vorfällen, die in den letzten Monaten und Jahren zugenommen haben. Am Montagmorgen um 3:30 Uhr entdeckte eine Polizeistreife in Cottbus ein Hakenkreuz an der Synagoge, das mit einer Größe von 1,50 x 1 Meter überklebt und im Laufe des Tages entfernt wurde. Nur drei Tage zuvor waren bereits antisemitische Schriftzüge an derselben Synagoge gefunden worden.
Die Situation hat sich seit den Massakern der Hamas am 7. Oktober 2023 in Israel weiter verschärft. Laut dem dritten Lagebericht des Zentralrats der Juden, der auf einer Umfrage unter 102 jüdischen Gemeinden und Landesverbänden basiert, hat die Sicherheitslage tiefgreifende Auswirkungen auf den Alltag und die psychische Stabilität der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland. Dieser Bericht zeigt, dass 68 Prozent der Jüdinnen und Juden ein starkes Gefühl der Unsicherheit empfinden, während 62 Prozent von einer Verschlechterung der Sicherheitslage im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg berichten.
Antisemitismus als neue Normalität
Josef Schuster, Präsident des Zentralrats, bezeichnete die aktuelle Situation als „neue Normalität“. Antisemitismus scheint mittlerweile als Teil des öffentlichen Raums normalisiert zu werden. So berichteten 46 Gemeinden von antisemitischen Vorfällen, was knapp der Hälfte der über 100 jüdischen Gemeinden im Zentralrat entspricht. Die ansteigende Zahl dieser Vorfälle ist alarmierend: 2023 waren 32 Gemeinden betroffen, während es 2024 bereits 43 und 2026 46 Gemeinden waren. 64 Prozent der Vorfälle umfassten antisemitische Beleidigungen oder hetzerisches Verhalten, und 62 Prozent der Vorfälle waren Anfeindungen oder Hasskommentare in sozialen Medien.
Die Wahrnehmung der Unterstützung durch die Zivilgesellschaft ist ebenfalls alarmierend gesunken. Während 62 Prozent der Gemeinden nach dem 7. Oktober noch Solidarität erfuhren, waren es in einer Umfrage für 2024 nur noch 39 Prozent. Über 90 Prozent der Mitarbeitenden in jüdischen Gemeinden sind durch die Situation belastet und viele Führungskräfte passen ihren Alltag an, indem sie keine erkennbaren jüdischen Symbole tragen und wachsamer werden.
Psychosoziale Unterstützung und die Rolle der Sicherheitsbehörden
Die Nachfrage nach psychosozialer Unterstützung stieg in 63 Prozent der Gemeinden. Dennoch zeigen 91 Prozent der Gemeinden Zufriedenheit mit der Zusammenarbeit mit Sicherheitsbehörden. Trotz der vielen Herausforderungen konnten 95 Prozent der Gemeinden im Jahr 2026 ihr religiöses und soziales Leben fortsetzen, auch wenn es punktuelle Einschränkungen gab. 73 Prozent der Gemeinden waren 2023 in der Lage, ihr Leben in gewohnter Weise fortzuführen.
Die Berichte über Drohanrufe oder antisemitische Zuschriften sowie Sachbeschädigungen oder Schmierereien sind erschreckend. Ein 24-Jähriger wurde in einer Erfurter Straßenbahn wegen seiner Davidstern-Kette angegriffen, und bereits im Dezember 2025 drohte ein Mann vor der Hanauer Synagoge mit Anschlägen. Diese Geschehnisse machen deutlich, dass die Herausforderungen für die jüdische Community in Deutschland größer denn je sind.
Fazit und Ausblick
Die Entwicklungen der vergangenen Monate und Jahre zeigen, dass Antisemitismus in Deutschland ein ernstes Problem darstellt, das nicht ignoriert werden kann. Die jüdischen Gemeinden stehen vor der Herausforderung, ihre Identität und Kultur in einem Umfeld zu wahren, das von Unsicherheit und Bedrohung geprägt ist. Es bleibt zu hoffen, dass durch verstärkte Solidarität und Unterstützung aus der Zivilgesellschaft sowie durch die engagierte Arbeit der Sicherheitsbehörden die Situation für Jüdinnen und Juden in Deutschland verbessert werden kann.