In einer bemerkenswerten Initiative haben deutsche Städte, insbesondere der Berliner Bezirk Pankow, ihre Solidarität mit der Ukraine bekundet, indem sie ein Krankenhaus in der Westukraine unterstützen. Im Fokus dieser Hilfe steht der Aufbau einer modernen Prothesenwerkstatt am Städtischen Krankenhaus Nr. 2 in Riwne. Diese Werkstatt wird nicht nur Prothesen anpassen und herstellen, sondern auch die Nachsorge übernehmen, was für die über 30.000 Menschen in der Ukraine, die auf Prothesen angewiesen sind, von entscheidender Bedeutung ist. Die beiden Techniker aus Riwne, die intensiv ausgebildet werden, sollen dafür sorgen, dass die Versorgung vor Ort dauerhaft und unabhängig gestaltet werden kann.
Die Finanzierung des Projekts erfolgt durch die Servicestelle Kommunen in der Einen Welt sowie private Spenden. Regelmäßige Hilfskonvois sichern die notwendige medizinische Technik, wobei der fünfte große Transport aus Deutschland im Spätsommer letzten Jahres eintraf. Dieser Transport beinhaltete nicht nur Krankenhausbetten und Beatmungsgeräte, sondern auch 22 Generatoren, die für die Sicherstellung der Energieversorgung unerlässlich sind. Bürgermeister Viktor Shakyrzian hebt die strategische Bedeutung dieser Generatorenlieferung hervor, zumal Riwne sich als zentraler Verteilpunkt für über 20.000 Binnenflüchtlinge etabliert hat.
Herausforderungen im Gesundheitssystem
Das Gesundheitssystem in Riwne steht, wie viele andere in der Ukraine, vor enormen Herausforderungen. Die Unterstützung aus Deutschland, die seit Kriegsbeginn mehrere Dutzend Millionen Euro an medizinischen Gütern umfasst, ist daher von immenser Wichtigkeit. Neben der kommunalen Hilfe gibt es auch private Initiativen, wie etwa das RECOVERY-Projekt, das sich auf die neurologische Rehabilitation konzentriert.
Zusätzlich werden Telemedizin-Projekte des Robert Koch-Instituts und der Berliner Charité ins Leben gerufen, die den Austausch zwischen Ärzten in Riwne und deutschen Spezialisten in Echtzeit ermöglichen. Die Partnerschaft ist langfristig angelegt, mit weiteren Projekten, die bis 2026 geplant sind, darunter Erholungscamps für traumatisierte Kinder und der Ausbau der Prothesen-Kapazitäten.
Der Blick nach Kyiv
Während in Riwne die Prothesenwerkstatt aufgebaut wird, entsteht in Kyiv das erste kommunale Prothesenzentrum. Dieses Projekt wird über zweieinhalb Jahre hinweg vorbereitet, geplant und umgesetzt. Raumzeichnungen sind bereits erstellt, und notwendige Maschinen sowie Materialien wurden geliefert. Eine 12-monatige Prothetik-Kompaktausbildung für sechs Mitarbeitende aus Kyiv fand kürzlich in Berlin statt. Bislang konnten bereits 53 schwerverletzte Soldaten rehabilitiert werden, was zeigt, wie dringend lebensnotwendige Unterstützung vor Ort geleistet werden muss.
Mit Unterstützung der Regine Sixt Kinderhilfe Stiftung wird 2024 eine neurochirurgische Abteilung im Kyiver Kinderkrankenhaus Nr. 1 eingerichtet. Zudem hospitierten ukrainische Chirurgen und Ärzte im BG Unfallkrankenhaus Berlin und im Bundeswehrkrankenhaus Berlin, um sich über die Rehabilitierung von Schwerstverletzten auszutauschen. Dieser Austausch ist essenziell, um die medizinische Versorgung in der Ukraine zu verbessern.
Langfristige Perspektiven
Das Global Health Protection Programme (GHPP), das im August 2022 ins Leben gerufen wurde, zielt darauf ab, die Gesundheitsversorgung unter Kriegsbedingungen in der Ukraine zu fördern. Telemedizinische Unterstützung und die Entwicklung web-basierter Lehrinhalte in Intensivmedizin und Infektiologie sind zentrale Aktivitäten dieses Programms. Über 50.000 Abrufe von Podcasts in ukrainischer Sprache über Lazarettarbeit und Infektionskontrolle zeugen von der großen Nachfrage nach Informationen und Unterstützung.
Insgesamt ist die Unterstützung aus Deutschland ein Lichtblick inmitten der schwierigen Situation in der Ukraine. Die Erkenntnisse und Erfahrungen aus diesen Projekten werden auch auf der Fachmesse REHACARE 2026 in Düsseldorf präsentiert, was die internationale Zusammenarbeit und den Wissensaustausch weiter vorantreibt.