Heute ist der 28.05.2026, und die Straßen, Bahnhöfe und U-Bahnen Berlins sind wieder einmal Schauplatz einer kontroversen Auseinandersetzung. Das Online-Portal „Nius“, unter der Leitung von Julian Reichelt, sorgt mit seiner Werbung für ordentlich Gesprächsstoff. Gegründet im Jahr 2022, hat sich das Portal einen Slogan zugelegt, der aufhorchen lässt: „Morgens um 6 schon wissen, was einem abends um 8 verschwiegen wird.“ Man könnte fast meinen, es handle sich um eine Art Propagandawerk, das sich dem Pressekodex entziehen will – und genau das wirft die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union in ver.di dem Portal vor.
In einem offenen Brief an die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) wird „Nius“ nicht nur vorgeworfen, Spaltung zu vermarkten, sondern auch gezielte Hetze gegen Minderheiten zu betreiben. Ein schwerer Vorwurf, der die BVG dazu bringt, sich von der Werbung zu distanzieren. Die Verkehrsbetriebe betonen, dass die Werbeflächen nicht die Haltung des Unternehmens widerspiegeln und dass sie vertraglich gebunden sind, diese Flächen zu vermarkten. Eine heikle Situation, die in der Hauptstadt für einige Diskussionen sorgt.
Wer kann für die Inhalte verantwortlich gemacht werden?
Die Werbung für „Nius“ ist nicht nur in den U-Bahnen, sondern auch am zentralen Berliner Hauptbahnhof präsent. Die Deutsche Bahn hat die Vermarktungsrechte an die Ströer DERG Media GmbH vergeben, die sich jedoch von den Inhalten der Werbung distanziert. Ströer erklärt, sie könnten keine Werbung ablehnen, solange sie nicht gegen Gesetze oder freiwillige Selbstbeschränkungen verstoße. Eine rechtliche Grauzone, die für einige Schlagzeilen sorgt.
Das Portal steht in der Kritik, weil es immer wieder mit Desinformation und menschenfeindlichen Inhalten in Verbindung gebracht wird. Finanziert wird „Nius“ hauptsächlich von Unternehmer Frank Gotthardt, der offenbar bereit ist, in ein Konzept zu investieren, das immer wieder in der Schusslinie steht. Laut dem Branchendienst „Meedia“ sind die Klickzahlen von „Nius“ im April 2026 auf einen Tiefpunkt gesunken: etwa 3,5 Millionen Visits, ein Rückgang von über 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Das klingt nicht gerade nach einem florierenden Geschäft.
Ein Blick in die Zukunft
Die Firma hinter „Nius“, die Vius SE und Co. KGaA, schreibt weiterhin rote Zahlen. Ein Umstand, der Fragen aufwirft: Kann ein Portal, das sich so stark auf provokante Inhalte stützt, langfristig überleben? Die rechtlichen Auseinandersetzungen rund um die abgelehnten Motive der „Nius“-Kampagne sind ein weiteres Indiz dafür, dass hier nicht alles rund läuft. Der öffentliche Druck wächst und mit ihm die Unsicherheit über die Zukunft des Portals.
Die Diskussion über die Rolle der Medien in der Gesellschaft ist aktueller denn je. Während einige die Möglichkeit der freien Meinungsäußerung verteidigen, sehen andere die Gefahren, die von Plattformen wie „Nius“ ausgehen. Es bleibt abzuwarten, wie sich diese Debatte entwickeln wird und welche Konsequenzen sie für die Medienlandschaft in Deutschland haben könnte.
