Warten auf den Hermannplatz: Sanierung des U-Bahnhofs verzögert sich erneut
Der U-Bahnhof Hermannplatz in Berlin-Neukölln ist ein Ort, der seit August 2020 in einem Zustand der Ungewissheit verharrt. Der zentrale Zugang zu den Gleisen der U8, der hier schon lange gesperrt ist, sorgt für eine ständige Herausforderung für die Pendler. Der Weg zu den Zügen führt momentan nur über einen anderen, stark frequentierten Eingang. Besonders zur Hauptverkehrszeit, rund um 18 Uhr, drängen sich die Menschen wie in einer sardinenartigen Enge und versuchen, ihren Platz im vollen Waggon zu ergattern. An dem geschlossenen Ausgang, wo einst die Treppe aus Granit prangte, ist nur noch ein Blumenladen und ein BVG-Ticketshop zu finden – und ein Schild, das verkündet: „Kein Ausgang“. Ein bisschen traurig, wenn man bedenkt, dass dieser Bahnhof mehr als 100 Jahre alt ist und unter Denkmalschutz steht.
Die Wiedereröffnung, die ursprünglich für Ende September 2026 angesetzt war, verzögert sich erneut. Die BVG, die Berliner Verkehrsbetriebe, nennt als Grund die Schwierigkeiten bei der Beschaffung eines speziellen Granits. Ein Granit, der dem historischen Original möglichst nahekommen soll. Der Denkmalschutz verlangt viel von den Bauarbeitern, und die BVG räumt ein, dass die Lieferprobleme inzwischen behoben sind. Dennoch ist der Bau auf der „Zielgeraden“, und die Treppenstufen sind bereits im Einbau. Die Seitenwände sind fertig, und das schmiedeeiserne Eingangstor mit dem beleuchteten blauen U-Bahn-Schild – das Grenanderportal – steht ebenfalls wieder. Es ist ein Lichtblick, aber dennoch bleibt ein bitterer Nachgeschmack bei den Anwohnern, die seit mehr als sechs Jahren auf diesen Zugang warten.
Komplexität der Sanierung
Die Sanierung des Hermannplatz-Bahnhofs ist alles andere als ein einfaches Unterfangen. Er gehört zu den komplexesten U-Bahnhöfen Berlins, mit mehreren U-Bahnlinien, zwei Ebenen, zahlreichen Ausgängen und sogar unterirdischen Zugängen zu Kaufhäusern. Die BVG plant, die Wiedereröffnung im Dezember 2026 durchzuführen, wobei der 4. Dezember als konkreter Termin auf den Hinweistafeln steht. Doch die Bauarbeiten sind nicht nur eine Frage des Zeitplans. Manchmal können Arbeiten an alten Bauwerken unvorhersehbare Probleme aufdecken, und die BVG führt an, dass bestimmte Arbeiten nur in den nächtlichen Betriebspausen durchgeführt werden können.
Mit dem Denkmalschutz kommt eine weitere Dimension der Komplexität ins Spiel. In Berlin stehen 108 von insgesamt 175 U-Bahnhöfen unter Denkmalschutz. Das bedeutet, dass jeder Eingriff in die Bausubstanz eine Genehmigung benötigt. Der Denkmalschutz bewahrt nicht nur die Geschichte, sondern verlängert auch die Bauzeit. Denn jeder Schritt muss mit der Denkmalschutzbehörde abgestimmt werden, und das kostet Zeit. Ein Beispiel für diese besonderen Herausforderungen ist der U-Bahnhof Schloßstraße, der während laufender Bauarbeiten unter Denkmalschutz gestellt wurde.
Ein Lichtblick am Ende des Tunnels
Im November sollen noch Geländer, Beleuchtung und kleinere Malerarbeiten abgeschlossen werden. Nach der Fertigstellung wird die hölzerne Einhausung entfernt, und die Bauzäune verschwinden – hoffentlich für immer. Die BVG zeigt sich optimistisch, dass der Termin im Dezember eingehalten wird. Wenn alles gut läuft, können die Fahrgäste die U8 am Hermannplatz wieder über zwei Eingänge erreichen. Das wäre ein großer Gewinn für alle, die in Neukölln leben oder arbeiten und auf die U-Bahn angewiesen sind. Die Geduld der Berliner wird auf eine harte Probe gestellt, aber vielleicht gibt es bald einen Grund zum Feiern, wenn die lange erwartete Wiedereröffnung endlich Wirklichkeit wird.
Für die Anwohner ist es ein endloses Warten auf den Alltag, der durch diese Bauarbeiten stark beeinträchtigt wird. Man fragt sich, ob es nicht schneller gegangen wäre, wenn man die Komplexität der Sanierung von Anfang an richtig eingeschätzt hätte. Aber eines ist klar: Die BVG hat sich das Ziel gesetzt, das architektonische Erbe Berlins zu bewahren und dabei gleichzeitig modernen Anforderungen gerecht zu werden. Ein Balanceakt, der nicht einfach ist – aber hoffentlich bald ein gutes Ende findet.
