Heute ist der 8.05.2026, und wir werfen einen Blick auf das bunte, facettenreiche Südneukölln. Ein Ort, der oft im Schatten des pulsierenden Nordneukölln steht, aber dennoch eine ganz eigene, ruhige Anziehungskraft besitzt. Hier, wo die U7 die Grenzen zwischen Stadt und Vorort verwischt, entdecken wir die LGBTIQ-Community in Britz und Umgebung. Die Redakteurin Paula Balov von der SIEGESSÄULE hat sich auf die Suche nach den queeren Schätzen in diesem Stadtteil gemacht.
Der Gutshof Britz mag menschenleer sein, doch das Museum Neukölln hält mit seiner aktuellen Ausstellung „Zeichen. Sprachen. Stadtraum. Graffiti und Street Art in Neukölln“ die Fahne der queeren Sichtbarkeit hoch. Museumsleiter Dr. Matthias Henkel führt durch die beeindruckenden Werke, die nicht nur von queerfeministischen und nicht binären Künstlern stammen, sondern auch die oft übersehenen FLINTA-Crews der Graffitiszene beleuchten. Ein erfrischender Kontrast zu der männlich dominierten Szene, die hier lange Zeit das Bild prägte.
Aktivitäten und Treffpunkte für die Queer-Community
Südneukölln mag auf den ersten Blick eine geringere queere Sichtbarkeit aufweisen als sein nördlicher Bruder, doch es gibt zahlreiche Anlaufstellen und Events. Parks in Britz sind beliebte Ziele für LGBTIQ-Gruppen wie QueerWandern, die hier die Natur und Gemeinschaft genießen. Im Schlosspark Britz organisiert RuT eine Doppelkopfrunde – eine gesellige Runde, die auch für Cruising bekannt ist. Und für die, die den Nervenkitzel suchen, bietet das LSD Center am Britzer Damm ein Bi-/Heten-/Gaypornokino an.
Die Blue Velvet am Sangerhauser Weg ist eine Partylocation, die für ihr regelmäßiges queer Line-up bekannt ist und die das Nachtleben in Südneukölln aufpeppt. Aber auch das Silverfuture, eine queere Bar, die seit 2007 besteht, zieht viele LGBTIQ-Personen an. Hier gibt es nicht nur günstige Drinks, sondern auch regelmäßige Dragshows und Poetry-Abende. Monty Ray, ein Dragking, bringt mit seinen Auftritten die Menschen zum Lachen und Nachdenken. Bei seinen Performances, wie beispielsweise zu Mikas „Grace Kelly“, wird die Identität der LGBTQ-Gemeinde gefeiert.
Herausforderungen und Sichtbarkeit
Trotz all dieser positiven Aspekte ist das Leben für queere Menschen in Neukölln nicht immer einfach. Carl Chung, Antisemitismus- und Queerbeauftragter von Neukölln, berichtet von den Schwierigkeiten, mit denen junge LGBTIQ-Personen konfrontiert sind, die sich outen möchten. 2022 gab es in Berlin 239 LGBTQ-feindliche Vorfälle, und 22 davon fanden in Neukölln statt – eine alarmierende Zahl, die uns zum Nachdenken bringt. Sabine Holzmann, Mitbetreiberin des Silverfuture, äußert Bedenken über die Eröffnung neuer queerer Bars in Neukölln aufgrund der negativen Berichterstattung über den Bezirk. Auch wenn die Bar ein Zufluchtsort ist, bleibt Diskriminierung nicht aus. Ein Schild in der Bar fordert dazu auf, respektloses Verhalten zu melden – ein Zeichen, dass die Community für ihre Sicherheit kämpft.
Dennoch gibt es Hoffnung! Die Senatsverwaltung plant ein Förderprogramm „Queeres Leben in den Bezirken“, das queere Strukturen in Randlagen stärken soll. Das Museum Neukölln hat zwar keine dezidiert queere Ausstellung in Planung, wird aber weiterhin queere Themen behandeln. So bleibt die Perspektive auf Südneukölln lebendig und vielversprechend.
Inmitten dieser Herausforderungen zeigt sich die Queer-Community in Neukölln stark und resilient. Sie findet Wege, sich auszudrücken, zu feiern und sichtbar zu sein – sei es im Museum, im Park oder in einer Bar. Südneukölln, mit all seinen Facetten, ist ein Ort, an dem man die Bestimmung und Vielfalt der LGBTIQ*-Kultur erleben kann. Hier lebt die Hoffnung, dass sich die Sichtbarkeit und Akzeptanz weiter erhöhen werden – ein Stück nach dem anderen.