In Neukölln, wo die Straßen oft von einem besonderen Puls leben, hat die Polizei kürzlich einen bemerkenswerten Einsatz durchgeführt. Es war nicht einfach eine Routinekontrolle; vielmehr handelte es sich um eine Zivilstreife, die einen schwarzen Porsche in der Flughafenstraße stoppte. Dieses Fahrzeug war der Polizei bereits bekannt, und der Inhalt des Wagens sorgte für Aufregung. Ein Insasse gab an, eine scharfe Schusswaffe bei sich zu tragen. Der Beifahrer, ganz offensichtlich nicht ohne Grund in dieser Szene, hatte eine Pistole ohne Kennzeichen im Hosenbund versteckt.
Die Beamten ließen sich nicht lange bitten, nahmen den Mann fest und sicherten die Waffe. Bei der Festnahme stellte sich heraus, dass es sich um eine „polizeibekannte Szeneperson“ handelte. Jetzt ermitteln die Behörden, um herauszufinden, ob die Waffe möglicherweise schon bei früheren Schusswaffendelikten zum Einsatz kam. Die steigende Gewalt mit Schusswaffen in Berlin ist ein ernstzunehmendes Thema, das seit über einem Jahr immer wieder die Schlagzeilen dominiert. Immer öfter werden Fahrzeuge, Lokale oder Wohnhäuser zum Ziel solcher Gewalttaten.
Die Sondereinheit „Ferrum“ im Einsatz
Um diesem besorgniserregenden Trend entgegenzuwirken, hat das Landeskriminalamt die Sondereinheit „Ferrum“ ins Leben gerufen. Sie arbeitet Hand in Hand mit einer speziellen Ermittlungsgruppe der Staatsanwaltschaft, bekannt als „Telum“. Rund 570 Dienstkräfte aus verschiedenen Bereichen haben sich zusammengeschlossen, um die kriminellen Strukturen zu bekämpfen, die hinter den Schusswaffendelikten stecken. Dazu gehören Ermittler der BAO Ferrum, Spezialkräfte der Bundespolizei sowie Beweissicherungs- und Festnahmeeinheiten. Die Zusammenarbeit erstreckt sich sogar über die Grenzen Berlins hinaus, mit Unterstützung aus den Bundesländern Brandenburg und Sachsen-Anhalt.
Kürzlich wurden in diesem Zusammenhang neun Männer im Alter von 23 bis 63 Jahren festgenommen. Bei Durchsuchungen an 28 Wohn- und Aufenthaltsanschriften in Berlin kamen nicht nur Betäubungsmittel und Bargeld, sondern auch Schusswaffen und Fahrzeugteile zum Vorschein. Es scheint, als ob hier eine Vielzahl von Straftaten unter einem Dach vereint ist, die das Bild der organisierten Kriminalität in der Stadt prägen. Polizeipräsidentin Dr. Barbara Slowik Meisel äußerte sich zufrieden mit den Fortschritten im Kampf gegen die Schusswaffenkriminalität, und auch Ingrid Jaeger, die Leiterin der Staatsanwaltschaft Berlin, sprach von einem erfolgreichen Schlag gegen die organisierten Strukturen.
Waffenkriminalität in Deutschland
Die Situation in Berlin ist Teil eines größeren Problems, das auch auf bundesweiter Ebene besorgniserregend ist. Laut dem Bundeslagebild zur Waffenkriminalität, veröffentlicht im Juli 2025, bedroht diese Art von Kriminalität die innere Sicherheit Deutschlands und der EU. Die Wahrscheinlichkeit gewalttätiger Auseinandersetzungen hat in den letzten Jahren zugenommen. So gab es allein im Jahr 2024 über 9.400 Fälle von Schussabgaben, ein besorgniserregender Anstieg im Vergleich zu den Vorjahren. Besonders betroffen sind Städte wie Berlin, Saarland und Hamburg.
Dabei ist der illegale Waffenhandel oft Begleitdelikt anderer Straftaten, vor allem im Zusammenhang mit Rauschgiftdelikten. Die Schusswaffen stammen häufig aus Diebstählen oder illegalen Umbauten. Ein neuer Trend zeigt sich zudem in der Verwendung von 3D-Druck-Technologie, die für die Herstellung illegaler Waffen genutzt wird. Der Kampf gegen diese Art von Kriminalität bleibt eine Herausforderung, die nicht nur die Polizei, sondern die gesamte Gesellschaft betrifft.
