Neuanfang im Schatten der Vergangenheit: Das SchwuZ wird zum SCHWUZ
Die Luft ist geladen mit Vorfreude, als der älteste Queer-Club Deutschlands, das SchwuZ, seine Wiedergeburt plant. Die Umbenennung in SCHWUZ soll nicht nur die Identität bewahren, sondern auch neue Perspektiven eröffnen. Am 16. Mai findet im Metropol die große Kick-off-Party statt – ausverkauft, versteht sich! Die Leute wollen feiern, und das ist kein Wunder, wenn man bedenkt, dass der Club nach 46 Jahren in Neukölln am 1. November 2025 schließen wird. Ein bitterer Abschied, der jedoch mit einem neuen Konzept und einem neuen Standort vielleicht doch ein wenig versüßt werden kann.
Die Insolvenz, die im Sommer 2022 angemeldet wurde, ließ viele Herzen brechen. Eine kurzfristige Rettung war damals nicht möglich, und das SchwuZ musste sich der Realität stellen. Der Verein, der die kulturellen Veranstaltungen organisiert, bleibt zwar bestehen, doch die SchwuZ Kulturveranstaltungs GmbH ist in Liquidation. Dennoch, die Mitgliederzahl des Vereins ist auf über 100 gestiegen – die Community zeigt sich solidarisch und kämpferisch.
Ein neuer Anfang
Die Verantwortlichen sind in Gesprächen, um einen neuen Standort zu finden. Bevorzugt wird ein Ort innerhalb des innerstädtischen S-Bahn-Rings, wo das veränderte Ausgehverhalten der Menschen berücksichtigt werden kann. Kleiner soll es werden, doch die Energie und der Spirit bleiben! Ein neues Logo ist bereits entworfen, um den frischen Wind zu symbolisieren, der durch die Hallen wehen wird. Die Vorfreude auf die kommenden Partys an wechselnden Orten ist spürbar, und man fragt sich, wie die neue Ära des SCHWUZ wohl aussehen wird.
Gisela Sommer, eine Dekorateurin und langjährige Mitarbeiterin des Clubs, ist bereits in den Vorbereitungen für die letzte Party. Sie blickt zurück auf die Geschichte des SchwuZ, das 1977 gegründet wurde und ein wichtiger Treffpunkt für die Schwulenbewegung in Deutschland war. Ein Ort, der nicht nur das queere Varieté gefeiert hat, sondern auch eine zentrale Rolle in der Aids-Aufklärung gespielt hat. Das macht die bevorstehende Schließung umso schmerzhafter. Dragqueens, die das Herzstück des Clubs bilden, werden die letzte Nacht mit ihrem Glanz und Glamour bereichern.
Ein Verlust für die Kultur
Es ist nicht nur ein Club, der schließt. Es ist ein Teil der Berliner Kulturgeschichte, der verloren geht. Protestaktionen gegen den Paragrafen 175, der Homosexualität kriminalisierte, fanden hier statt. Und in den letzten Jahren stieg die Besucherzahl nicht mehr – kein Wunder, die Pandemie hat viele Clubs hart getroffen. Die Gedanken über interne Konflikte und Herausforderungen, die zur Schließung beigetragen haben, schwirren im Raum. Ein Ermittlungsverfahren gegen eine bekannte Dragqueen hat zusätzliche Schatten geworfen. Doch der Kampfgeist der Community bleibt ungebrochen. Sie sind bereit, das neue Kapitel aufzuschlagen, auch wenn es ein Stück weit mit Trauer verbunden ist.
In Neukölln, wo die Wurzeln des SchwuZ tief verankert sind, wird der Abschied zwar schwerfallen, aber es gibt Hoffnung auf einen Neuanfang. Ein neues Zuhause für das SCHWUZ könnte in Sicht sein. Die Geschichte ist noch lange nicht zu Ende erzählt. Das Licht geht aus, aber die Erinnerung bleibt.
