Im Heimathafen Neukölln wird es am 11. und 12. November um 19 Uhr spannend: Das Theaterstück „Leben Gropiusstadt. Gebrauchsanweisung“ nimmt uns mit auf eine Reise durch die Geschichten und Anekdoten eines Viertels, das oft zu Unrecht in einem negativen Licht dasteht. Einlass ist bereits um 18.45 Uhr, und die Karten kosten 20 Euro, ermäßigt 14,50 Euro. Regie führt der talentierte Arthur Romanowski, der selbst in der Gropiusstadt aufwuchs und die vielen Facetten seiner Heimat hautnah erlebt hat. Jacob Bussmann wird in der Rolle des Architekten Walter Gropius zu sehen sein – eine Figur, die nicht nur für das Bauwerk, sondern auch für die Seele des Viertels steht.

Die Gropiusstadt, gegründet am 7. November 1962, hat eine bewegte Geschichte. An diesem Tag wurde nicht nur der erste Bauabschnitt feierlich begonnen, sondern auch eine Zeitkapsel mit Zeitzeugnissen und Erinnerungsstücken in den Grundstein eingelassen. Ein Diebstahl, der bis heute ein Rätsel bleibt, überschattete die Zeremonie: Bereits in der Nacht wurde die Kassette gestohlen, und seither gibt es nur Spekulationen über ihre mögliche Wiederentdeckung. Der damalige Regierende Bürgermeister Willy Brandt und Walter Gropius himself waren anwesend – der Startschuss für eine neue Ära in Neukölln, die mit 14.500 geplanten Wohnungen einherging.

Ein Leben voller Geschichten

Romanowski hat über Monate hinweg Bewohnerinnen und Bewohner der Gropiusstadt interviewt, um ein authentisches Bild zu zeichnen. Dabei zeigt sich, dass die Gropiusstadt mehr ist als nur ein Ort von sozialen Problemen – sie ist ein Ort des Zusammenlebens, der Natur und der Kultur. Während die Hochhäuser die Skyline prägen, gibt es auch grüne Oasen wie das Vogelwäldchen, wo man beim Spaziergang den Autolärm hinter sich lässt. Es ist kaum zu fassen, dass dieser ruhige Fleck früher Teil eines kaiserlichen Jagdgebiets war. Romanowski selbst beschreibt die Gropiusstadt als Heimat, in der er mit zwei Geschwistern aufwuchs und seine Liebe zur Kunst und Kultur entdeckte.

Seine Eltern flohen 1986 aus Polen, und die Gropiusstadt wurde für die Familie zur neuen Heimat – nicht nur wegen der günstigen Mieten. Romanowski erinnert sich daran, wie seine Mutter, die in Polen als Bibliothekarin arbeitete, ihn immer wieder ermutigte, seine künstlerischen Talente zu erforschen. Diese Wurzeln sind die Basis für seine Leidenschaft für das Theater, die ihn bis nach Gießen und zu seinem Studium der Angewandten Theaterwissenschaft führte.

Von der Bühne in die Vergangenheit

Die Inspiration für das Stück stammt von Georges Perecs Roman „Das Leben Gebrauchsanweisung“, der das Leben in einem Pariser Wohnhaus beschreibt. Romanowski überträgt dieses Prinzip auf die Gropiusstadt und zeigt uns, dass hinter der Fassade der Hochhäuser viel mehr steckt als man denkt. Auf der Bühne wird eine Wohnung im 16. Stock des Ideal-Hochhauses zum Schauplatz, in der sogar ein Ritter als Requisite auftaucht – ein skurriles Detail, das die Geschichten lebendig macht.

Ein weiteres Highlight ist die Filmszene, in der Walter Gropius, gespielt von Bussmann, auf einem Pferd durch die Siedlung reitet. Diese Szene wurde auf einem Pferdehof nahe dem Mauerweg gedreht und lässt uns die Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart spüren. Auch der Rodelberg, der aus dem Bauschutt vom Potsdamer Platz entstand, wird Teil des Stücks. Romanowski erinnert sich, wie er dort den Nebel beobachtete und statt eines Panoramas nur zwei grasende Ochsen sah – ein Bild, das die Ruhe des Viertels unterstreicht.

Die Gropiusstadt ist ein Ort voller Geschichten, die von der Lebensrealität ihrer Bewohner erzählen. Oft wird das Viertel durch Erzählungen von Armut und Drogen geprägt, wie die von Christiane F. und dem Roman „Sonne und Beton“. Romanowski ist sich bewusst, dass diese Geschichten nur einen kleinen Teil des Lebens hier zeigen. Es gibt viel mehr zu entdecken – eine bunte Mischung aus Kultur, Natur und menschlichen Schicksalen, die das Theaterstück mit Leben füllt und uns einlädt, die Gropiusstadt neu zu entdecken. Und wer weiß? Vielleicht gelingt es uns, beim Besuch im Heimathafen einen Blick hinter die Kulissen dieser faszinierenden Siedlung zu werfen.