Am Freitagabend, pünktlich zum Einsetzen der Dämmerung, trat die Berliner Polizei-Sondereinheit „Ferrum“ in Aktion – und zwar in den pulsierenden Stadtteilen Kreuzberg und Neukölln. Der Einsatz, der bis in die frühen Morgenstunden andauerte, begann um 20 Uhr an der Urbanstraße und endete erst um 2 Uhr. Fast 200 Personen wurden kontrolliert, und das Ergebnis war mehr als nur bemerkenswert: Fünf Festnahmen, darunter ein 35-Jähriger, der mit einer scharfen Waffe im Auto erwischt wurde, ohne die erforderliche waffenrechtliche Erlaubnis. Die Ermittlungen wegen illegalen Waffenbesitzes wurden sofort eingeleitet, und der Mann blieb bis zum Mittag des Folgetages in Polizeigewahrsam.
Die intensive Kontrolle erstreckte sich auf sieben Lokale an der Urban-, Sander-, Gneissenau-, Weise-, Maresch- und Braunschweiger Straße sowie am Britzer Damm. Hierbei führte die Polizei Verkehrsüberprüfungen durch und stellte fest, dass 52 Ordnungswidrigkeits- und 16 Strafverfahren eingeleitet werden mussten. Besonders ins Auge fiel der Verstoß gegen das Pflichtversicherungsgesetz, was auf nicht ausreichend versicherte Fahrzeuge hinweist. Zudem wurde im Rahmen der Gewinnabschöpfung ein Porsche sichergestellt, und acht Kilogramm illegaler Wasserpfeifentabak wurden sichergestellt – kleine, aber bedeutende Erfolge im Kampf gegen die Kriminalität.
Ein umfassender Kampf gegen die organisierte Kriminalität
Die Großrazzia war Teil einer umfassenderen Strategie der Berliner Polizei, die sich intensiv mit der Bekämpfung organisierter Kriminalität beschäftigt. Bereits seit November 2025 ist die Sondereinheit „Ferrum“ aktiv, gegründet vom Landeskriminalamt (LKA) in Reaktion auf den alarmierenden Anstieg von Waffengewalt in Berlin. Im Jahr 2025 gab es bereits 1.119 Fälle von Schusswaffengebrauch – ein besorgniserregender Anstieg von 68% im Vergleich zum Vorjahr. Die Polizei und Staatsanwaltschaften haben die Dringlichkeit erkannt und eine spezielle Ermittlungsgruppe mit dem Namen „Telum“ ins Leben gerufen, um gezielt gegen diese Bedrohung vorzugehen.
Hunderte von Polizisten, darunter mehrere Spezialeinsatzkommandos (SEK), durchkämmten Wohnungen in verschiedenen Stadtteilen, wobei rund 20 Objekte durchsucht wurden. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) betont, dass dieser Einsatz intensiv vorbereitet wurde, denn die Gewaltkriminalität und die damit verbundenen Schießereien haben in der letzten Zeit dramatisch zugenommen. Die Polizei fordert außerdem mehr Möglichkeiten zum Abhören von Handys und zur Nutzung moderner Software zur Auswertung von Daten, um noch effektiver gegen die Kriminalität vorgehen zu können.
Der Schatten der organisierten Kriminalität
Ein Blick auf die Zahlen zeigt, wie ernst die Lage ist: Im Jahr 2024 stellte die Berliner Polizei einen Schaden von 6,9 Millionen Euro durch organisierte Kriminalität fest, resultierend aus 55 großen Ermittlungsverfahren mit 371 bekannten Verdächtigen. Die Dunkelziffer ist vermutlich noch viel höher, denn viele Verbrechen werden nicht entdeckt. Besonders bemerkenswert sind die 20 Ermittlungskomplexe, die sich mit Rauschgifthandel und -schmuggel befassen. Aber das ist nur die Spitze des Eisbergs: Auto-Diebstähle, Einbrüche und Schleuserkriminalität sind weitere problematische Bereiche.
Berlin steht im nationalen Vergleich nicht gut da – die Stadt belegt den fünften Platz in Deutschland bei den Verfahren zur organisierten Kriminalität. Ein Großteil der Verdächtigen hat ausländische Wurzeln, und die kriminellen Strukturen sind international vernetzt. Diese Diversität zeigt sich auch im Rauschgifthandel, der von verschiedenen kriminellen Gruppen bestimmt wird, und die Hauptdrogen Cannabis, Kokain und Amphetamin sind. Es wird geschätzt, dass ein großer Teil des Handels mittlerweile ins Internet verlagert wurde – soziale Medien und Messengerdienste sind die neuen Marktplätze für Drogen und illegale Waren.
Egal, wie man es dreht und wendet, die Herausforderungen sind gewaltig. Die Polizei hat viel Arbeit vor sich, und die Bürger in Berlin sind mehr denn je gefordert, wachsam zu sein. Ob das Ergebnis der Razzia tatsächlich einen nachhaltigen Effekt auf die Kriminalitätslage haben wird, bleibt abzuwarten. Aber die Bereitschaft, gegen die dunklen Machenschaften vorzugehen, ist ein Schritt in die richtige Richtung. In einer Stadt, die nie stillsteht, ist es wichtig, dass auch die Polizei nicht schläft.
