Heute ist der 22. Mai 2026 und das Berliner Stadtmuseum im Ephraim-Palais öffnet seine Türen für eine ganz besondere Ausstellung, die die Geschichten von Migranten und deren Wohnverhältnissen in Deutschland beleuchtet. „Tapetenwechsel – Migration und Mobiliar ab 1960“ ist nicht einfach nur ein Titel, sondern ein eindringlicher Blick auf die Herausforderungen und Lebensrealitäten, die viele Menschen – wie Filippo Bologna, der mit 14 Jahren aus Sizilien nach Solingen kam – durchlebt haben. Man kann sich kaum vorstellen, wie er jahrelang auf zwei zusammen geschobenen Holzstühlen schlief. Ein Bild, das einen tiefen Eindruck hinterlässt!
Die Ausstellung, die bis zum 3. Januar 2027 zu sehen ist und von Dienstag bis Sonntag zwischen 10 und 18 Uhr geöffnet hat, nimmt uns mit auf eine Reise durch die Jahrzehnte. Kuratorin Burcu Dogramaci führt uns durch zehn Kapitel, die das Ankommen, Eingewöhnen, Niederlassen, Beheimaten und Heimkehren thematisieren. In einer Zeit, in der viele deutsche Städte noch von Kriegszerstörungen geprägt waren, lebten Migranten oft in Baracken oder ehemaligen Zwangsarbeiterlagern. Es wird deutlich, dass das Wohnen der „Gastarbeiter“ in den 50er Jahren mehr als nur ein Problem war – es war eine Herausforderung, die oft von Diskriminierung und Rassismus begleitet wurde.
Migration und Mobiliar
Die Sonderausstellung ist nicht nur eine Anhäufung von Erinnerungsstücken, sondern ein lebendiges Archiv, das die Lebensrealitäten der Migranten widerspiegelt. Wandteppiche, die das Wohnen prägten, und Fotografien, die den Wohlstand der Migrantenfamilien im Laufe der Zeit zeigen, sind Teil dieser Erzählung. Maria Ricchiuti, eine Migrantin aus Sizilien, erzählt von den „guten Möbeln“, die sie für ihr Haus in der Heimat plante. Ein schöner Traum, der jedoch oft weit entfernt blieb. Und auch die politischen Aspekte des Wohnens kommen nicht zu kurz: Zuzugssperren in Berlin ab 1975 sowie die Hausbesetzungen der 70er und 80er Jahre werden thematisiert. Die Wohnung als Provisorium und Politikum – das ist der Kern dieser Ausstellung.
Ein besonders prägendes Beispiel ist der Skinhead-Angriff auf die Familie Genç in Solingen im Jahr 1993. Hier wird die dunkle Seite der gesellschaftlichen Realität sichtbar, die Migranten oft erleiden mussten. Es geht nicht nur um das Wohnen, sondern auch um das Leben – und das hat viele Facetten, die hier beleuchtet werden. Die emotionale Tiefe dieser Geschichten ist ergreifend und lädt zum Nachdenken ein.
Ein Blick auf die Zahlen
Doch nicht nur die Ausstellung selbst ist von Bedeutung. Auch eine interaktive Karte, die vom Statistischen Bundesamt, der Bundesagentur für Arbeit und dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge angeboten wird, gibt uns einen Überblick über die regionale Verteilung der ausländischen Bevölkerung und Schutzsuchenden in Deutschland. Fünf Themenblöcke – vom Ausländeranteil über Integrationskurse bis hin zu den Herausforderungen am Arbeitsmarkt – bieten wertvolle Einblicke. Die Möglichkeit, Daten zu exportieren und in Webseiten einzubetten, macht die Informationen nicht nur zugänglich, sondern auch nachvollziehbar.
Die Ausstellung im Stadtmuseum und die begleitenden Daten sind mehr als nur Statistiken oder historische Rückblicke. Sie sind Zeugnisse einer lebendigen, dynamischen Gesellschaft, die sich ständig wandelt und neue Geschichten schreibt. Migration ist nicht nur ein Thema der Vergangenheit, sondern auch der Gegenwart und Zukunft.