Schockierende Bilder und hitzige Debatten: Der Aschura-Marsch in Berlin unter der Lupe
Am vergangenen Wochenende war Berlin wieder einmal Schauplatz eines aufsehenerregenden Events – der „Aschura-Marsch“ einer schiitischen Gruppierung. Rund 600 Menschen tummelten sich in Mitte, in der sengenden Hitze von fast 40 Grad Celsius, um ihre Solidarität mit unterdrückten Menschen weltweit zu zeigen. Ein bedeutender Anlass, der im schiitischen Islam dem Gedenken an den Märtyrertod von Imam Hussein gewidmet ist, aber diesmal mit einem schockierenden Twist.
Die Teilnehmer waren fast alle schwarz gekleidet, viele Frauen trugen tiefe Verschleierungen, und unter den Erwachsenen waren auch Kinder, die eine verstörende Rolle in der Demonstration spielten. Ein Theaterstück, das die historische Verschleppung von Frauen und Kindern darstellen sollte, sorgte für Aufregung. Dabei waren mindestens drei Kinder durch ein Seil miteinander verbunden – ein Bild, das bei den Zuschauern für Entsetzen sorgte. Die Polizei wurde schnell aktiv und intervenierte nach einem Gespräch mit der Versammlungsleiterin, um diese Darstellung zu beenden.
Uneinigkeit über die Bewertung
Die verschiedenen Medien und Kommentatoren bewerteten die Demonstration von ganz unterschiedlichen Blickwinkeln. Iman Sefati von der Bild-Zeitung sprach von einer „politischen Machtdemonstration regimetreuer Anhänger des iranischen Regimes“. Die israelische Botschaft warf den Teilnehmern vor, die Ideologie des dschihadistischen Hasses zu propagieren. In einem weiteren Bericht des Tagesspiegels wurde fälschlicherweise von IS-Flaggen gesprochen, was später korrigiert werden musste. Das „Jüdische Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus“ (JFDA) nannte den Aufmarsch eine „islamistische Demonstration“ und berichtete von Huldigungen an Ali Khamenei und Hassan Nasrallah, beides umstrittene Figuren im Kontext des islamistischen Extremismus.
Innensenatorin Iris Spranger (SPD) äußerte Bedenken hinsichtlich der Gefährdung des Kindeswohls. Sie sprach von der Instrumentalisierung von Kindern auf der Versammlung und betonte, dass die Vorführung bei extremer Hitze nicht mit freier Meinungsäußerung vereinbar sei. Auch die AfD forderte ein Verbot solcher radikalen Aufmärsche. Volker Beck, Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, ging noch weiter und schlug vor, Wege zu finden, um Anhänger des iranischen Regimes auszuweisen. Stephan Weh, der Landeschef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), zeigte sich schockiert über die Situation und forderte ein Umdenken im politischen Raum.
Ein erschreckendes Bild
Die Bilder, die während der Demonstration entstanden, sind schwer zu vergessen. Erwachsene schwenkten Fahnen des Irans und des Libanon, während die Kinder, die für das Theaterstück instrumentalisiert wurden, in der Hitze ausharrten. Die Polizei stellte fest, dass keine strafrechtlich relevanten Taten begangen wurden und die Versammlung insgesamt friedlich verlief, was die Situation umso paradox wirken ließ. Doch die Sorge um die Kinder blieb im Raum stehen.
Benjamin Jendro, Sprecher der GdP Berlin, sprach von Terrorverherrlichung und forderte politische Konsequenzen. Das Geschehen wirft auch Fragen über den Umgang mit der Versammlungsfreiheit und den Schutz von Minderjährigen auf. In einer Stadt, die für ihre Toleranz und Vielfalt bekannt ist, wird die Handhabung solcher Ereignisse wohl noch lange für Diskussionen sorgen.
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