Die Sonne blitzt durch die Wolken und gibt einem die Hoffnung auf einen warmen Mai-Tag, doch dann – der Himmel öffnet seine Schleusen. So war es am vergangenen Mittwoch, als die erste Mitschwimm-Demonstration gegen das seit 101 Jahren bestehende Badeverbot in der Spree am Schinkelplatz in Berlin-Mitte stattfinden sollte. Dutzende von Menschen in bunter Badebekleidung standen bereit, um sich für ein Stück Freiheit im Wasser einzusetzen. Schade nur, dass das Wetter nicht mitspielen wollte. Während die Redner noch ihre leidenschaftlichen Worte gegen das Verbot aussprachen, mussten die Schwimmer die Veranstaltung vorzeitig abbrechen. Die mitgebrachten Schwimmbretter und Schwimmringe blieben an Land – ein trauriger Anblick für alle, die sich auf diese schwimmende Protestaktion gefreut hatten.

Der Verein Flussbad Berlin, der zu dieser Demonstration aufgerufen hat, kämpft seit Jahren für die Aufhebung des Badeverbots, das im Jahr 1925 aufgrund von Verschmutzung und Gesundheitsgefahren verhängt wurde. Tim Edler, ein engagiertes Mitglied des Vereins, fordert eine schrittweise Umwandlung des Verbots in Erlaubnisse, unterstützt von einem Monitoringsystem zur Wasserqualität. „Die Wasserqualität ist in über 80 Prozent der Zeit während der Saison ausreichend gut für sicheres Baden“, argumentiert er. Und genau das ist das zentrale Ziel: eine Pilotbadestelle im Spreekanal zu schaffen, um den Berlinern das Schwimmen im Herzen der Stadt wieder zu ermöglichen.

Ein unerschütterlicher Protest

Die erste Demo war nur der Auftakt einer Reihe von Veranstaltungen. Fünf Mitschwimm-Demonstrationen sind bis zur Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am 20. September geplant, jede am 20. eines Monats. Das Motto lautet: „101 Jahre Badeverbot abwählen!“. Steffen Krach, der SPD-Spitzenkandidat, war ebenfalls vor Ort und kündigte an, beim nächsten Termin im Juni in Badehose teilnehmen zu wollen. Das zeigt, wie ernst das Anliegen der Initiatoren genommen wird. Dennoch bleibt die Umweltverwaltung skeptisch. Sie hebt hervor, dass Baden im Spreekanal weiterhin untersagt ist und keine Ausnahmegenehmigung für Schwimmdemonstrationen besteht. Wer sich trotzdem ins Wasser wagt, handelt rechtswidrig und auf eigenes Risiko. Das sind klare Worte, die die Realität für die Schwimmfreunde in Berlin prägen.

Die Bedenken sind nicht unbegründet. Bei Überläufen der Mischwasserkanalisation kann die Spree verschmutzt werden, und die Wasserqualität kann sich nach Gewitterregen kurzfristig verschlechtern. Doch das lässt den Flussbad Berlin nicht aufgeben. Der Verein arbeitet eng mit den Berliner Wasserbetrieben zusammen, um automatisierte Warnmeldungen bei Überläufen zu erhalten, und bietet sogar eine App an, die Informationen zur Wasserqualität bereitstellt. Am „Fluss Bad Garten“ zeigt eine Fahne die aktuelle Wasserqualität an: Grün für gut, Rot für Warnung vor dem Baden. Da bleibt nur zu hoffen, dass die Senatsverwaltung bald auf die Forderungen reagiert, denn die Zeit drängt und die nächste Demo steht bereits vor der Tür.

Ein Stück Lebensqualität zurückgewinnen

Der Wunsch nach einem kühlen Sprung ins Wasser, mitten in der Stadt, ist für viele Berliner nicht nur ein Sommertraum, sondern ein Stück Lebensqualität, das seit über einem Jahrhundert verwehrt bleibt. Die Lebensumstände in der Spree haben sich seit den 1920ern gewandelt; die Wasserqualität verbessert sich stetig, und der Verein Flussbad Berlin sieht die Zeit für eine Veränderung gekommen. Jeder Tropfen Hoffnung, jede Stimme in der Menge zählt, um das Badeverbot aufzuheben und den Berlinern eine Schwimmstelle im Herzen ihrer Stadt zu ermöglichen. Die nächste Mitschwimm-Demo könnte der entscheidende Schritt auf diesem Weg sein. Doch erst einmal bleibt nur die Erinnerung an einen verregneten Mittwoch, an dem der Sprung ins kühle Nass ein anderer blieb als erhofft.

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