Kunst im Kanzleramt: Merkels Porträt und das Spiel von Macht und Emotionen
Ein neues Kapitel in der deutschen Kunstgeschichte wird aufgeschlagen – und das mitten in Berlin, wo die Spuren der Vergangenheit und der Gegenwart sich auf besondere Weise kreuzen. Angela Merkel, die ehemalige Kanzlerin, hat sich für die Porträtgalerie im Kanzleramt malen lassen. Der 28-jährige, deutsch-französische Künstler Jérémie Queyras, der sich vor drei Jahren handschriftlich bei Merkel bewarb, hat es geschafft, ein Bild zu schaffen, das nicht nur die Politik, sondern auch die Menschen und deren Emotionen einfängt. Ein kleiner Triumph für einen Künstler, der sich selbst nicht als bekannt sieht und von einer Frau aus Braunschweig dazu gedrängt wurde, sich für den Auftrag zu bewerben. Komisch, oder?
Die Enthüllung des Porträts fand im Berliner Bode-Museum statt, im Beisein von Merkel und zahlreichen Weggefährten wie Peter Altmaier und Annette Schavan. Ein Ort mit Bedeutung, denn das Bode-Museum hat nicht nur eine beeindruckende Sammlung an Kunstwerken, sondern auch persönliche Erinnerungen für Merkel, die dort als Kind oft zu Besuch war. Und so wird das Porträt drei Monate lang auf der Berliner Museumsinsel präsentiert, bevor es im Oktober als Leihgabe ins Kanzleramt übergeht. Dort wird es neben dem Kunstwerk von Jörg Immendorff, das Gerhard Schröder darstellt, seinen Platz finden.
Kunst und Macht – Ein spannendes Zusammenspiel
Queyras hat Merkel in einem blauen Blazer festgehalten, der Stärke und Autorität ausstrahlt. Das Bild zeigt sie stehend, in einer leichten Überlebensgröße bis zu den Knien. In ihrer linken Hand, die nicht in der typischen Raute-Form gehalten ist, liegt eine Aktenmappe, während die rechte Hand auf einer Sessellehne ruht. Ein silberner Würfel liegt neben ihr, und eine Bernsteinkette ziert ihren Hals. Das Licht im Porträt hebt die „Spuren der Macht“ in ihrem Gesicht hervor, ein subtiler Hinweis auf die Herausforderungen und Entscheidungen, die sie während ihrer Amtszeit getroffen hat. „Es ist komisch, Geschichte zu werden“, äußerte Merkel, die sich nach ihrem Ausscheiden aus dem Amt eine Auszeit nahm und an ihren Memoiren arbeitete.
Die Entscheidung für Queyras beschreibt Merkel als „kleines Abenteuer“. Ein Abenteuer, das sie erst im letzten Jahr wagte, nachdem sie 2022 mehrere Bewerbungen von Künstlern erhalten hatte. Queyras hatte einen positiven Eindruck hinterlassen, und das erste Gespräch fand im April 2025 statt, was schließlich zu dem offiziellen „Staatsporträt“ führte. In einer Zeit, in der die Porträtgalerie im Kanzleramt seit fast 20 Jahren unverändert geblieben war, bringt dieses neue Kunstwerk frischen Wind und eine persönliche Note in die politische Szenerie.
Ein Blick in die Zukunft
Olaf Scholz hat sich bisher noch nicht für einen Künstler für sein eigenes Porträt entschieden, was die Frage aufwirft, wie die Hängung der Porträts im Kanzleramt aussehen wird – schließlich gibt es dort nicht unendlich viel Platz. Die Idee, das Porträt von Merkel im Bode-Museum zu präsentieren, geht auf Helmut Kohl zurück. Und so schließt sich der Kreis: Ein Ort voller Geschichte, an dem das Bild einer der bedeutendsten politischen Figuren Deutschlands für kurze Zeit leuchtet, bevor es seinen Platz in der Galerie einnimmt.
Ein Kunstwerk, das nicht nur die Kanzlerin darstellt, sondern auch das Zeitgeschehen und das menschliche Miteinander in den Fokus rückt. Es bleibt spannend zu beobachten, wie die nächsten Künstler und Werke in diese traditionsreiche Galerie integriert werden und welche Geschichten sie erzählen werden.
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