Kapitänin der Wellen: Simone Mann und der Wandel in der Berliner Schifffahrt
Inmitten der Berliner Wasserstraßen gibt es eine bemerkenswerte Frau, die die Wellen nicht nur bezwingt, sondern sie auch mit einem unerschütterlichen Willen prägt: Simone Mann, Kapitänin auf ihrem eigenen Boot, der „Helgard“. Was für viele wie ein Traum klingt, ist für Simone eine Realität, die sie 1999 als Kellnerin auf der „Viktoria“ begann. Damals wusste sie noch nicht, dass sie sich bald in die Schifffahrt verlieben würde. Heute, als eine der wenigen weiblichen Schiffsführerinnen in Deutschland, steht sie für den Wandel in einer Branche, die nach wie vor stark von Männern dominiert wird.
In Deutschland sind nur etwa 7 % der Schiffsführer weiblich, und in Berlin sind es sogar nur 5 %. Diese Zahlen sind nicht nur Statistiken, sie sind ein Spiegelbild der Herausforderungen, mit denen Frauen in der Schifffahrt konfrontiert sind. Simone hat eine beeindruckende Karriere hingelegt: Decksmann, Matrosin, Motorenwart und schließlich Schiffsführerin mit Patent. 2005 gründete sie mit ihrem Mann Hendrik die Reederei Eddyline und ließ 2007 die „Helgard“ bauen, auf der sie nun Sightseeing-Touren durch Berlin-Mitte anbietet. Der Preis für eine solche Tour beträgt 20 Euro (16 Euro ermäßigt) – ein echtes Schnäppchen für die beeindruckende Aussicht auf die Hauptstadt vom Wasser aus.
Ein Leben voller Herausforderungen
Doch das Leben als Kapitänin ist nicht ohne seine Hürden. Nach dem tragischen Verlust ihres Mannes an Krebs im Jahr 2014, nur ein Jahr nach ihrer Hochzeit, musste Simone das Unternehmen allein führen. Sie kämpfte nicht nur um den Fortbestand der Reederei, sondern auch darum, sich in einer männerdominierten Branche zu behaupten. „Das ist nicht immer ganz leicht“, sagt sie und spricht damit für viele Frauen in ähnlichen Berufen. Der Personalmangel und die geringere Kundenzahl nach einem Anlegestellenwechsel stellen zusätzliche Herausforderungen dar.
Simone ist jedoch nicht allein. Immer mehr Frauen wagen den Schritt in die Schifffahrt. Zum Beispiel Selina Schwarz, die sich als nautische Offiziersassistentin bei Hapag Lloyd ausbilden lässt. Sie ist Teil einer Gruppe von 14 Azubis, von denen fünf Frauen sind. Vor einem Jahr betrug der Frauenanteil in der deutschen Schifffahrt 7,1 Prozent. Das ist ein kleiner, aber fortschreitender Wandel. Frauen arbeiten mittlerweile nicht nur als Kapitäninnen, sondern auch als technische Offizierinnen oder Schiffsmechanikerinnen. Die Ausbildung erfordert viel Engagement und eine gute Vorbereitung auf die Herausforderungen an Bord, wie Feuer oder Seenot, was die Azubis in speziellen Trainingscamps lernen.
Ein Wandel in der Schifffahrt
Der Verband Deutscher Reeder (VDR) hebt die Rolle von Frauen in der Schifffahrt hervor und setzt sich für deren Förderung ein. „An Ocean of Opportunities for Women“ – so lautet das Motto des diesjährigen Internationalen Tags der Frauen in der Seeschifffahrt, ausgerufen von der Weltschifffahrtsorganisation (IMO). Gaby Bornheim, Präsidentin des VDR, betont die Notwendigkeit, über die Möglichkeiten in der Schifffahrt aufzuklären und Vorurteile abzubauen. Dazu gehört auch eine Null-Toleranz-Politik gegen Diskriminierung und Fehlverhalten an Bord und an Land.
Die Schifffahrt bietet spannende Karrieremöglichkeiten für alle Geschlechter und ist bereit, sich den Herausforderungen einer sich verändernden Gesellschaft zu stellen. Die Reedereien investieren in Mentoring-Programme und Netzwerke, um Frauen in dieser Branche zu unterstützen. Flexible Karrierewege zwischen Bord und Land sollen die Schifffahrt attraktiver machen. Simone selbst ermutigt junge Menschen, ihren eigenen Weg zu gehen, besonders Frauen, den Schritt zur Schiffsführerin zu wagen.
Am 23. Juli wird sie mit der „Viktoria“ am CSD auf der Spree teilnehmen, ein Zeichen ihrer Verbundenheit mit der Gemeinschaft und ihrer Entschlossenheit, die Schifffahrt weiblicher zu gestalten. In einer Welt, in der der Wind der Veränderung weht, ist Simone Mann ein Leuchtturm der Hoffnung und Inspiration. Ihre Geschichte zeigt, dass der Kurs zwar herausfordernd sein kann, aber auch voller Möglichkeiten steckt.
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