Helden des Sprengelkiez: Raffael Zinser und die Bürgerinitiative gegen den Müllkampf in Berlin
In Berlin, wo der Charme der Großstadt oft von einem unliebsamen Begleiter – dem Müll – überschattet wird, gibt es Menschen, die sich nicht einfach mit der Situation abfinden. Raffael Zinser, ein 44-jähriger Finanzberater, hat es sich zur Aufgabe gemacht, im Sprengelkiez selbst aktiv zu werden. Angetrieben von einem tiefen Unmut über den zunehmenden Abfall in seinem Viertel, hat er sich der Bürgerinitiative „AG Sauberer Sprengelkiez“ angeschlossen. Mit Greifzangen, Handschuhen und einer gehörigen Portion Idealismus macht er sich an zwei Wochenenden im Monat mit einer Gruppe von zehn bis 15 Ehrenamtlichen auf die Suche nach dem Unrat. Es ist ein Bild, das zum Nachdenken anregt: Ein zerschlissener Stuhl an einem Einkaufswagen, ein umgekippter Bar-Kühlschrank, vollgeregnete Kleidung – das sind nur einige der Dinge, die sie bei ihren Rundgängen finden.
Die Ehrenamtlichen sind unermüdlich. Bei einem kürzlichen Vormittagseinsatz haben sie sage und schreibe 100 Kilogramm Müll eingesammelt. Ein Passant bedankte sich sogar für ihren Einsatz – ein kleiner Lichtblick inmitten des Drecks. Dennoch bleibt der Müll ein hartnäckiger Gegner. Eine gesammelte Menge wird oft nur der Anfang sein; einmal abgeladen, wächst ein Sperrmüllhaufen schnell weiter. Zinser hat es selbst erlebt: Ein Bettkasten, der innerhalb eines Tages zum Berg aus Matratzen und anderen Möbelteilen anwuchs. Abfall bleibt ein drängendes Problem, und die Berliner Stadtreinigung (BSR) ist oft überfordert. Trotz der Möglichkeit, Sperrmüll über eine App zu melden, entstehen häufig neue Haufen – eine frustrierende Realität.
Gespräche über Lösungen
Im Zuge des Wahlkampfes zum Abgeordnetenhaus wurde das Thema Müllentsorgung intensiv diskutiert. Die Linke sieht darin eine „Klassenfrage“ und fordert eine kostenlose Abholung von Sperrmüll, während die CDU höhere Bußgelder ins Spiel bringt. Beispielsweise kann das Fallenlassen einer Zigarette mit satten 250 Euro geahndet werden. Das Bezirksamt Berlin-Mitte räumt ein, dass die Aufklärungsquote bei Müllverstößen sehr gering ist. Zinser, der die Verantwortung nicht nur bei den Bürgern, sondern auch bei Laden- und Cafébetreibern sowie teilweise bei der BSR sieht, hat einen weiteren Vorschlag in der Hinterhand: Bürgergeldempfänger sollten verpflichtet werden, täglich einige Stunden Müll zu sammeln. Ein Ansatz, der für Gesprächsstoff sorgt.
Die BSR selbst hat ihre Abläufe zur Müllbeseitigung vereinfacht. Seit Mai 2023 ist sie für die Entsorgung illegaler Ablagerungen in ganz Berlin zuständig, nicht mehr nur für bestimmte Bezirke. Diese Umstellung bringt einige Vorteile mit sich, wie etwa schnellere Beseitigung von Bauschutt und anderen Abfällen. Doch das große Ganze wird erst ab 2024 wirklich vergleichbar sein; die vielen Änderungen der letzten Jahre machen es schwer, belastbare Daten zu liefern. Das Land Berlin trägt die Kosten der Entsorgung über die Stadtabrechnung, was auf der einen Seite die Zuständigkeiten vereinfacht, auf der anderen Seite jedoch die Transparenz einschränkt.
Inmitten dieser Herausforderungen bleibt Zinser und sein Team eine Quelle der Hoffnung. Sie sind die leisen Helden des Sprengelkiez, die mit ihrem Engagement nicht nur den Müll reduzieren wollen, sondern auch das Bewusstsein für Sauberkeit und Verantwortung in der Gemeinschaft schärfen. Die „AG Sauberer Sprengelkiez“ plant, ihre Sammelaktionen in zwei Wochen fortzusetzen – ein kleiner Schritt in die richtige Richtung, der vielleicht andere inspiriert, ebenfalls aktiv zu werden.
