Heute ist der 28.04.2026 und in Berlin ist die Frühlingserwachen spürbar – nicht nur in den Parks und Gärten, sondern auch an den Bahnhöfen. Ein umfassender Frühjahrsputz an 50 Berliner Bahnhöfen hat begonnen, bei dem unter anderem Schrottfahrräder aus dem Verkehr gezogen werden. Am Bahnhof Gesundbrunnen wurden bereits rund 150 Fahrräder als herrenlos markiert. Doch was genau macht ein Rad herrenlos? Kriterien hierfür sind beispielsweise eine verrostete Kette, platte Reifen, defekte Bremsen oder eine lange Standzeit.
Die InfraVelo, die für die Instandhaltung der Bahnhöfe verantwortlich ist, gibt den Besitzern der markierten Fahrräder eine Frist von zwei Wochen, um ihre Räder abzuholen. Nach Ablauf dieser Frist werden die nicht abgeholten Fahrräder an die Agens Sozialbetriebe übergeben. Dort werden sie auf mögliche Diebstahlmeldungen geprüft – erfreulicherweise wurden in der Vergangenheit nur selten gestohlene Räder aufgefunden. Die Frühjahrsputz-Aktion umfasst jedoch nicht nur die Fahrräder; auch Bahnsteige, Treppen und Mobiliar werden gereinigt und Graffiti entfernt.
Fahrradpflege und soziale Verantwortung
Die bundesweite Reinigungsaktion erstreckt sich bis Ende Mai und betrifft rund 1400 Bahnhöfe. Am Bahnhof Gesundbrunnen selbst wird täglich eine Trockenreinigung durchgeführt, während die nassen Reinigungen dreimal pro Woche stattfinden. Um die Sauberkeit zu gewährleisten, führt InfraVelo jährlich rund 1000 Kontrollgänge an 78 Stationen mit insgesamt 9000 Stellplätzen durch. In Friedrichshain-Kreuzberg werden unter anderem Schrotträder am Ostbahnhof und Ostkreuz entfernt. Die Banderolen, die an die vermeintlichen Fahrrad-Leichen angebracht werden, haben eine Frist von zwei Wochen. Nach dieser Frist erfolgt die Entfernung und die Spende an die Agens Sozialbetriebe, die Menschen mit Behinderungen sowie Langzeitarbeitslose beschäftigen.
Von den 385 markierten Rädern wurden bereits 103 entfernt, und nur in zwei Fällen war eines als gestohlen gemeldet. Interessanterweise hat die Anzahl der entfernten Schrotträder in den letzten drei Jahren abgenommen, was möglicherweise auf ein wachsendes Bewusstsein der Radfahrer für die Pflege ihrer Zweiräder hindeutet.
Fahrradparkmöglichkeiten im Fokus
Doch nicht nur die Reinigung und das Entfernen von Schrottfahrrädern stehen auf der Agenda. Die Deutsche Bahn und das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) haben 2021 eine Bike+Ride-Offensive gestartet, die darauf abzielt, sichere Fahrradparkmöglichkeiten an Bahnhöfen in Deutschland zu schaffen. Dazu gehört die Installation von Tausenden neuen Radparksystemen, einschließlich Fahrradparkhäusern und zugangsgesicherten Fahrradboxen.
Diese Boxen sind besonders für E-Bike-Nutzer geeignet und bieten Platz für ein Fahrrad sowie für Regenbekleidung, Helm und Gepäcktaschen. Viele der Boxen verfügen über Steckdosen zum Laden von E-Bikes und Pedelecs. Die Buchung erfolgt online über verschiedene Anbieter, und die Mietoptionen reichen von kurzfristigen (1 Tag bis 1 Woche) bis zu langfristigen (1 Monat bis 1 Jahr).
Beispiele und Preise
Ein Blick auf die Fahrradboxen an verschiedenen Bahnhöfen zeigt die Vielfalt der Angebote:
- Bad Oeynhausen: 10 Boxen mit Ladevorrichtung; Preise: 2 € (1 Tag), 4 € (2 Tage), 6 € (3 Tage), 10 € (1 Woche), 20 € (1 Monat)
- Berlin (Hauptbahnhof): 24 Boxen, 12 mit Ladevorrichtung; Preise: 8 € (1 Tag), 15 € (3 Tage), 25 € (1 Woche), 50 € (1 Monat), 195 € (1 Jahr)
- Frankfurt am Main: 12 Boxen mit Ladevorrichtung; Preise: Ab 2 € (1 Tag), 5 € (1 Woche), 15 € (1 Monat), 100 € (1 Jahr)
Die Initiative zur Schaffung sicherer Abstellmöglichkeiten zeigt, dass Berlin nicht nur auf Sauberkeit, sondern auch auf die Sicherheit seiner Radfahrer setzt. In einer Stadt, die immer mehr Fahrradfahrer anzieht, ist dies ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung – für eine saubere und sichere Mobilität im urbanen Raum.