In Berlin, wo die Herausforderungen für Frauen und Alleinerziehende im Finanzbereich täglich spürbar sind, hat das Projekt „Finanzbildung für alle Lebenslagen“ von Bildung4Finance in Zusammenarbeit mit Kerstin Drobick, der Gleichstellungsbeauftragten des Bezirksamts Mitte, einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung unternommen. Ziel des Projekts ist es, diesen Gruppen den Zugang zu Finanzbildung zu erleichtern. Die Abschlussveranstaltung fand am Dienstag im Rathaus Tiergarten statt und richtete sich an Fachkräfte, Multiplikatoren sowie interessierte Bürger.

Eine Umfrage unter den Teilnehmerinnen offenbarte, dass viele Frauen Angst vor Finanzen haben. Diese Unsicherheit wird durch die häufige Doppelbelastung von Job und Care-Arbeit verstärkt, die es den Frauen erschwert, sich mit Geldthemen auseinanderzusetzen. Carolin Gaffron, die Gründerin von Bildung4Finance, betont, dass es zwei Hauptvariablen gibt, um die finanzielle Situation zu verbessern: Einnahmen erhöhen oder Ausgaben senken. Insbesondere Mütter, die oftmals in Teilzeit arbeiten oder gar nicht, sind von finanzieller Abhängigkeit betroffen und sehen sich der drohenden Armut gegenüber, wie Kerstin Drobick hervorhebt.

Die Dringlichkeit von Finanzbildung

Die Notwendigkeit für Finanzbildung wird durch geplante Sozialreformen und Kürzungen beim Unterhaltsvorschuss noch verstärkt. Gaffron warnt, dass Altersarmut vor allem Frauen betrifft. Eine rechtzeitige Finanzbildung sei der beste Schutz dagegen. Ein einfaches Beispiel verdeutlicht dies: Der Verzicht auf einen Coffee to go für 3,50 Euro zweimal pro Woche kann über 20 Jahre bei einer Verzinsung von 3% etwa 9.000 Euro ausmachen. Kristina Danailova von Ergo Pro hebt hervor, dass finanzielle Vorsorge nicht viel Geld erfordert; bereits 50 Euro monatlich können langfristig zu einem soliden Kapitalaufbau führen.

Im Schnitt beziehen Frauen eine monatliche Rente von etwa 900 Euro brutto, während Männer etwa 1.300 Euro erhalten. Diese Diskrepanz zeigt sich auch in den Prognosen für 2024, wo die meisten Frauen maximal 1.200 Euro Rente erwarten, während Männer mit bis zu 1.800 Euro rechnen können. Danailova identifiziert die Unerfahrenheit in finanziellen Angelegenheiten als einen der Gründe für Altersarmut bei Frauen. Jana Treffler, eine Mutter und Journalistin, berichtet von ihrem eigenen Mangel an Wissen über Finanzen und dem Chaos, das sie dadurch erlebte. Nach der Teilnahme an einem Online-Seminar bei Bildung4Finance plant sie, weitere Seminare zu besuchen, um ihre finanzielle Unabhängigkeit zu erlangen.

Die Situation in Berlin Mitte

In Berlin leben die meisten Alleinerziehenden Deutschlands, im Bezirk Mitte sind es 10.104, von denen 28% armutsgefährdet sind. Die positiven Effekte von Bildungsangeboten sind nicht zu unterschätzen: Frauen, die an solchen Programmen teilnahmen, fühlten sich danach sicherer und finanziell unabhängiger. Dies zeigt, wie entscheidend es ist, Frauen und Alleinerziehende in ihrer finanziellen Bildung zu unterstützen.

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Ein weiterer Aspekt ist die finanzielle Unabhängigkeit. Nachhaltige Geldanlagen, die Renditechancen mit sozialer und ökologischer Verantwortung verbinden, bieten eine interessante Möglichkeit, das eigene Kapital sinnvoll zu vermehren. Bevor man Geld anlegt, sollte man sich jedoch einige grundlegende Fragen stellen: Wie viel Risiko bin ich bereit einzugehen? Wie lange möchte ich mein Geld anlegen? Und welche finanziellen Ziele verfolge ich? Sicherheitsorientierte Anleger:innen können klassische Produkte wie Tagesgeld oder Festgeld in Betracht ziehen, während höhere Risiken durch Investitionen in Aktien, Fonds oder ETFs eingegangen werden können.

Finanzielle Bildung als Schlüssel zu Unabhängigkeit

Die Altersvorsorge ist für Frauen besonders wichtig, da ihre Erwerbsbiografien und Gehaltsunterschiede eine frühzeitige Planung notwendig machen. Hierbei spielen die drei Säulen der Altersvorsorge – gesetzliche Rentenversicherung, betriebliche Altersvorsorge und private Vorsorge – eine entscheidende Rolle. Ein früher Beginn der privaten Vorsorge ist ratsam, um vom Zinseszinseffekt zu profitieren. Bei der Auswahl von Vorsorgeprodukten sollten Kosten, Renditechancen und Flexibilität beachtet werden.

Die finanzielle Bildung ist nicht nur für die individuelle Sicherheit von großer Bedeutung, sondern auch für die gesamte Gesellschaft. Laut Tabea Bucher-Koenen vom Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zeigen Umfragen, dass Frauen im Vergleich zu Männern in Europa geringere finanzielle Kenntnisse haben. Die Europäische Zentralbank (EZB) arbeitet aktiv daran, diese Wissenslücke zu schließen, indem sie Podcasts, Videos und Apps ins Leben ruft, um Frauen für Finanzthemen zu sensibilisieren. Ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, der die Notwendigkeit von Projekten wie „Finanzbildung für alle Lebenslagen“ unterstreicht.