Heute ist der 30.05.2026 und wir befinden uns im Herzen von Berlin, genauer gesagt in Mitte. Hier entfaltet sich ein kreatives Universum, das nicht nur durch seine historischen Wurzeln, sondern auch durch moderne Kunstwerke begeistert. Ein ganz besonderer Künstler, der hier seine Spuren hinterlässt, ist Alexander von Reiswitz. Dieser Fotograf hat es auf bemerkenswerte Weise geschafft, Menschen aus aller Welt in einem neuen Licht zu zeigen – als Teil einer Familie. Klingt verrückt? Ist es auch, aber auf eine sehr schöne Art und Weise!
Im Jahr 2005 wagte von Reiswitz den Sprung nach Tokyo, wo er eine Gruppe Menschen zusammenstellte, die wie eine Familie posierten. Diese Einladung kam von der japanischen Botschaft und dem Kulturbüro Charlottenburg – was für eine Ehre! Während seines Aufenthalts dort präsentierte er die beeindruckende Fotoserie „Zoogestalten“, in der er großformatige Schwarz-Weiß-Porträts von Tieren aus dem Zoo Berlin zeigte. Tiere, die in menschlichen Posen abgebildet sind und dabei eine Aura von Würde und Melancholie ausstrahlen. Wer hätte gedacht, dass ein Flusspferd namens Bulette so viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen könnte? Zusammen mit seinem Partner Knautschke zeugte Bulette 20 Flusspferde – eine echte Tierfamilie!
Familienporträts ohne Blutverwandtschaft
Das Projekt „Catching Strangers – The Family Constellation Project“ ist eine weitere Facette von Reiswitz‘ Schaffen. Hierbei fotografierte er Menschen in über 20 Ländern. Das Besondere daran? Die Teilnehmer sind wildfremde Passanten, die sich für ein Familienporträt zusammenfinden. Der Begriff „Familie“ wird durch die Betrachtung dieser Bilder neu definiert. Rund 200 dieser einzigartigen Familienporträts entstanden über 15 Jahre hinweg in Städten wie New York, Berlin, Tokyo, Casablanca, Bukarest und Tromsø. Das ist nicht nur Kunst, das ist eine Botschaft über Zusammengehörigkeit und Menschlichkeit!
Die Bilder wurden sogar am Goethe-Institut in Casablanca gezeigt und etwa 100 davon finden sich im Bildband „Catching Strangers“ wieder. Bei der Buchpremiere, die am 6. Juni in der Volksbühne stattfindet, gibt es etwas ganz Besonderes: Zehn Autoren lesen Geschichten oder Gedichte, die den Porträts ein gemeinsames Schicksal verleihen. Was für eine kreative Symbiose!
Eine Hommage an die Menschheit
Von Reiswitz selbst vergleicht seine Arbeit mit der von August Sander, erkennt jedoch die Unterschiede in der Darstellung der Menschen an. In „Zoogestalten“, das aktuell bei LUMAS Kudamm in Berlin zu sehen ist, spiegelt sich seine Kunstfertigkeit wider. Die Porträts sind nicht nur Fotografien; sie sind Fenster in eine andere Welt, die Emotionen transportieren und Geschichten erzählen. Man fragt sich unweigerlich, was die abgebildeten Menschen zusammenbringt. Nur ein gemeinsames Bild oder vielleicht mehr?
Wer mehr über seine Arbeit erfahren möchte, findet auf Hatje Cantz interessante Informationen und Einblicke in die kreative Welt von Alexander von Reiswitz.
Die Verbindung zwischen Mensch und Tier, zwischen Fremden und Vertrauten zieht sich wie ein roter Faden durch sein Schaffen. In einer Zeit, in der Individualität oft über alles gestellt wird, zeigt von Reiswitz, dass Zugehörigkeit auch ohne Blutsbande existieren kann. Ein faszinierendes Konzept, das zum Nachdenken anregt und uns daran erinnert, dass wir alle Teil einer großen, bunten Familie sind – egal wie unterschiedlich wir auch sein mögen.
