Im Herzen von Berlin-Mitte, umgeben von der grünen Oase des Großen Tiergartens, wird ein bedeutendes Mahnmal für die im Nationalsozialismus verfolgten und ermordeten Zeugen Jehovas errichtet. Der Deutsche Bundestag beschloss im Juni 2023, diesem Teil der Geschichte mit einer Gedenkstätte Rechnung zu tragen. Am Donnerstag, kurz vor dem offiziellen Festakt, wurde die eindrucksvolle Bronzestele, entworfen von dem Berliner Künstler Matthias Leeck, aufgestellt. Leeck, selbst Zeuge Jehovas, hat mit seiner Kunst ein starkes und berührendes Zeichen gesetzt.
Die Stele ragt knapp 5 Meter in den Himmel und wiegt stolze 12,4 Tonnen. Ihre rötliche Farbe entsteht durch eine spezielle Bronzelegierung, die mit der Zeit eine Patina entwickeln wird. Oben und unten misst sie etwa 1 Meter im Durchmesser. Das Ganze wurde in einer Spezial-Metallbau-Firma aus dem Sauerland gefertigt. Ein kleiner, aber feiner Hinweis zur Herstellung: die Stele wird in Einzelteilen transportiert und vor Ort montiert, was die gesamte Konstruktion noch faszinierender macht.
Gedenkort und Zeremonie
Die offizielle Übergabe an die Öffentlichkeit steht für den 24. Juni 2026 auf dem Programm. An diesem Tag werden hochrangige Gäste wie Bundestagspräsidentin Julia Klöckner und Staatsminister für Kultur und Medien, Wolfram Weimer, erwartet. Die Feier wird in Form eines einstündigen Festaktes gestaltet. Eine informative Tafel soll den Besuchern mehr über die tragische Geschichte der Zeugen Jehovas vermitteln, die seit 1933 in Deutschland und ab 1938 in ganz Europa systematisch verfolgt wurden. In dieser Zeit weigerten sie sich, dem Hitlergruß zu folgen und lehnten die Mitgliedschaft in staatlichen Organisationen sowie den Kriegsdienst ab.
Die historische Bedeutung des Standorts ist nicht zu übersehen. Am 22. August 1936 fand dort eine Verhaftungsaktion der Gestapo statt, bei der führende Zeugen Jehovas inhaftiert wurden. Mehr als 14.000 Mitglieder dieser Glaubensgemeinschaft wurden in Deutschland festgenommen, darunter 4.200 in Konzentrationslagern, wo sie mit einem lila Winkel stigmatisiert wurden. Traurigerweise verloren mindestens 1.750 Zeugen Jehovas ihr Leben in dieser dunklen Zeit der Geschichte.
Eine bleibende Erinnerung
Die Umsetzung des Mahnmals erfolgt durch die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, und die Finanzierung kommt vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Diese Initiative ist nicht nur ein Zeichen des Gedenkens, sondern auch ein Appell an zukünftige Generationen, sich gegen Intoleranz und Verfolgung zu positionieren. Die Gedenkstätte wird nicht nur als Mahnmal fungieren, sondern auch den Raum für Reflexion und Bildung bieten.
Es wird spannend zu beobachten, wie der Baufortschritt voranschreitet. Die Arbeiten am Mahnmal sollen im April 2026 beginnen, und der Standort in der Nähe des Goldfischteichs wird den Besuchern einen ruhigen Ort zum Innehalten und Nachdenken bieten. Die verschiedenen Anpflanzungen und die Zuwegung sind Teil des Gesamtkonzepts, das gemäß den Vorgaben des Landesdenkmalamtes gestaltet wird. Ein Ort, der sowohl Erinnerungen weckt als auch zur Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte anregt – das ist das Ziel dieser Gedenkstätte.
