Der große Bunker: Ein stummer Zeitzeuge zwischen Abriss und Erinnerung
In Berlin-Mitte, nördlich der Voßstraße, steht ein Relikt aus der dunkelsten Zeit der deutschen Geschichte, das droht, bald Geschichte zu sein – der Große Bunker der Neuen Reichskanzlei. Ein Bebauungsplan von 2006 sieht seinen Abriss vor. Der Stadthistoriker Dietmar Arnold, vom Verein Berliner Unterwelten, äußert sich besorgt über diesen Schritt und bezeichnet ihn als „geschichtslos“. Schließlich ist der Bunker, der 1938 unter der Leitung von Hitlers Architekt Albert Speer erbaut wurde, zu etwa 50% erhalten und erstreckt sich über mehr als 1200 Quadratmeter. Auf den ersten Blick ist der große Klotz ein eher unscheinbares Bauwerk, das heute über einem Parkplatz thront, doch seine Geschichte ist alles andere als banal.
Die Anlage verfügt über 53 Räume und misst 106 Meter in der Länge und 28 Meter in der Breite. Ursprünglich als Luftschutzraum für die Öffentlichkeit freigegeben, diente der Bunker ab 1940 sogar als „Mutter-Kind-Bunker“. Wenn man sich vorstellt, dass hier während des Krieges Familien Schutz suchten, wird die Kluft zwischen Vergangenheit und Gegenwart greifbar. Nicht weit entfernt, etwa 100 Meter nördlich, befand sich der Führerbunker – ein geheimer Luftschutzraum, in dem Hitler am 30. April 1945 starb. Dessen Geschichte ist ebenso düster, wie die des Großen Bunkers.
Ein Stück Berliner Geschichte
Die Geschichte des Großen Bunkers ist untrennbar mit den Ereignissen des Zweiten Weltkriegs verbunden. Nach dem Krieg wurden die Bunker zunächst von Besuchern aus den Siegermächten besichtigt. In den 1970er-Jahren jedoch, als die Stasi Suchen in den Bunkeranlagen durchführte – aus Angst vor Fluchtwegen – wurde die Wahrnehmung des Bunkers wieder düsterer. Ende der 1980er-Jahre kam es zu ersten Abrissarbeiten, doch der Hauptbunker blieb erstaunlicherweise intakt.
Interessanterweise ist der Bunker nicht das einzige Bauwerk dieser Art in Berlin. Ein weiterer Hochbunker, der zwischen 1943 und 1945 durch sowjetische Zwangsarbeiter errichtet wurde, erzählt eine ähnliche Geschichte. Er sollte ursprünglich als Zivilschutzraum für das Fernmeldeamt in der Winterfeldtstraße dienen. Der Bau wurde von der Philipp Holzmann AG überwacht und war zum Zeitpunkt des Kriegsendes nur im Rohbau fertiggestellt. Auch hier gab es nach dem Krieg lange Zeit Leerstand, und ein vergeblicher Sprengversuch im Jahr 1948 hinterließ seine Spuren.
Die Erinnerung wahren
Im Rahmen der Umgestaltung nach dem Zweiten Weltkrieg kam es 1986-89 zum Ausbau des Hochbunkers zu einem Zivilschutzraum für knapp 5.000 Personen, trotz der Proteste der Bevölkerung. Es zeigt sich, dass die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit in Berlin alles andere als einfach ist. Heute wird der Bunker als historisches Zeugnis für die NS-Zeit, den Zweiten Weltkrieg und die Nachkriegszeit betrachtet. Ein Teil der Gestaltung als „Ort der Erinnerung“ wurde bereits 2002 durch das Quartiersmanagement Schöneberg Nord und Schüler der Sophie-Scholl-Oberschule initiiert.
Und so schaukelt sich der Konflikt um den Großen Bunker weiter, während die Stadt sich fragt: Was tun mit diesen stummen Zeugen der Geschichte? Der Parkplatz, der heute über dem Areal liegt, könnte bald der Vergangenheit angehören, während die Stimmen der Historiker und der Bürger lauter werden. Die Frage bleibt, ob wir die Geschichte, so schmerzhaft sie auch sein mag, wirklich hinter uns lassen können.
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