Am vergangenen Samstag fand in der Mendelssohn-Remise in der Jägerstraße 51, Berlin-Mitte, eine besondere Soirée zu Ehren von Clara Schumann statt, organisiert von Dorothee Nolte und Annalisa Derossi. Die Veranstaltung war nicht nur ein musikalisches Ereignis, sondern auch eine Hommage an eine bedeutende Persönlichkeit der Musikgeschichte, die die Traditionen ihrer Zeitgenossen Felix und Fanny Mendelssohn, Schubert und Chopin weiterführte.
Die Mendelssohn-Remise, die bis zur Enteignung im Dritten Reich 1938 der Familie Mendelssohn-Bartholdy gehörte und 1998 restituiert wurde, bietet einen geschichtsträchtigen Rahmen für solche Veranstaltungen. Heute ist die Remise im Besitz des Immobilienfonds Union Investment, während die Mendelssohn-Gesellschaft als Trägerin fungiert. In unmittelbarer Nähe, in der Jägerstraße 54, befand sich der erste Salon von Rahel Levin-Varnhagen, einem Ort, an dem sich bedeutende Köpfe der damaligen Zeit versammelten.
Ein musikalisches Erbe
Unter dem Motto „Zu Gast bei Rahels Schwestern“ stand das Konzert, das sowohl eine Lesung von Dorothee Nolte als auch musikalische Darbietungen von Annalisa Derossi umfasste. Auf dem Programm standen Werke von Czerny, Schumann, Brahms und Clara Schumann selbst. Besonders berührend war die Darbietung des Liedes „Seit ich ihn gesehen“ aus „Frauenliebe und Leben“, die von Nolte vorgetragen wurde. Im Saal der Remise steht eine Büste von Clara Schumann, die als einzige Frauenfigur im Skulpturenensemble hervorsticht, während vor dem Eingang seit 2015 die Büsten von Felix und Fanny Mendelssohn die Besucher empfangen.
Es ist bemerkenswert, dass Clara Wieck-Schumann, geboren 1819, nicht nur als talentierte Pianistin und Komponistin bekannt war, sondern auch als wichtige Übermittlerin des Mendelssohn’schen Geistes an Johannes Brahms. Ihr Leben war von persönlichen Tragödien geprägt, unter anderem der frühe Tod ihrer Schwester Fanny, den sie als schweren Schlag empfand. Nichtsdestoweniger war ihr Haus ein Treffpunkt für bedeutende Komponisten wie Wagner und Liszt, die die Berliner Salonkultur mit prägten.
Ein Blick in die Zukunft
Die Mendelssohn-Gesellschaft, die seit zwanzig Jahren einen offenen Salon mit freiem Eintritt veranstaltet, wird auch in Zukunft eine wichtige Rolle im kulturellen Leben Berlins spielen. Unterstützt von etwa vierzig Ehrenamtlichen, schafft sie ein Forum für den Austausch über Musik und Kunst. Die Miete für die Remise wurde Ende 2024 um ein Drittel erhöht, was die Notwendigkeit unterstreicht, diese kulturellen Angebote weiterhin zu fördern.
In einem anderen Kontext wird die Mendelssohn-Gesellschaft demnächst die Veranstaltung „MORGENSTUNDEN #13“ ausrichten, die sich mit Mendelssohn-Lektionen für Dessau und Berlin beschäftigt. Tabea Zimmermann, eine renommierte Bratschistin und Professorin an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt/Main, wird als Gesprächspartnerin auftreten. Diese Veranstaltung steht im Zeichen der Vorbereitung auf den 300. Geburtstag von Moses Mendelssohn im Jahr 2029 und wird von verschiedenen Gesellschaften und Institutionen unterstützt.
In einer Zeit, in der kulturelle Veranstaltungen oft mit Herausforderungen konfrontiert sind, bleibt die Mendelssohn-Remise ein Ort der Inspiration und des Austauschs. Ihr Erbe und die lebendige Salonkultur, die hier fortgeführt wird, sind ein wertvoller Bestandteil des Berliner Lebens.