Heute ist der 14.05.2026 und ich sitze hier in Mitte, um über ein Thema zu sprechen, das viele von uns in Berlin betrifft – die maroden Zustände unserer Universitäten. Wenn man an die Humboldt-Universität denkt, kommen einem sofort Bilder von lebhaften Studierenden und engagierten Professoren in den Sinn. Ein Ort, der für Wissen und Bildung steht. Doch wie sieht die Realität aus, besonders an der Technischen Universität Berlin (TU)?

Bénédicte Savoy, Professorin für Kunstgeschichte, hat seit den 1990er Jahren eine beeindruckende Reise an den Berliner Hochschulen hinter sich. Als Erasmus-Studentin kam sie an die Humboldt-Universität und lebt seit über 30 Jahren in der Stadt. Ihre Beobachtungen über die TU sind alarmierend: Die Schließung des Hauptgebäudes aufgrund von Brandschutzmängeln und anderen gravierenden Problemen ist nur die Spitze des Eisbergs. „Verschlissenes Linoleum, defekte Jalousien, Heizungsprobleme, geschlossene Cafeterien und defekte Aufzüge“ – das sind alles Anzeichen eines baulichen Verfalls, der nicht nur die Infrastruktur, sondern auch das Bild der Bildung in Deutschland erheblich schädigt.

Ein Missverhältnis zwischen Exzellenz und Verfall

Es ist irritierend, dass deutsche Universitäten, die international für ihre wissenschaftliche Exzellenz bekannt sind, gleichzeitig in solch einem erbärmlichen Zustand verharren. Man fragt sich, wie es sein kann, dass renommierte Einrichtungen junge Talente anziehen, während die Infrastruktur oft mehr an ein verwahrlostes Gebäude als an einen Ort des Lernens erinnert. Savoy spricht von einem Verfall, der nicht nur die physischen Räume betrifft, sondern auch das Vertrauen in unsere Bildungssysteme und deren gesellschaftlichen Wert. Wenn man in einem solchen Umfeld lernen soll, ist das kaum inspirierend.

Ein Aspekt, der in der Diskussion oft untergeht, ist die Bedeutung des Erasmus+ Programms. Es bietet Studierenden nicht nur die Möglichkeit, internationale Erfahrungen zu sammeln, sondern auch finanzielle Unterstützung. Für das Hochschuljahr 2025/26 beträgt das monatliche Stipendium für Teilnehmer aus Ländergruppe 1, zu der auch Deutschland gehört, 600 Euro. Das klingt erst einmal gut, aber es bleibt die Frage: Wie soll man in einem Land studieren, in dem die Universitäten selbst in den Seilen hängen? Und das, obwohl diese Programme darauf abzielen, den Austausch und die Mobilität von Studierenden zu fördern.

Die gesellschaftliche Verantwortung

Die Pflege der materiellen und baulichen Grundlagen ist entscheidend für die Erhaltung von Bildung und Wissenschaft, betont Savoy. Wenn öffentliche Institutionen verfallen, schadet das nicht nur den Gebäuden selbst, sondern auch unserem Verständnis von Bildung und dem Wert öffentlicher Einrichtungen in einer demokratischen Gesellschaft. In Zeiten, in denen die Krise an US-Universitäten immer wieder diskutiert wird, könnte es für deutsche Hochschulen auch eine Chance darstellen, sich neu zu positionieren. Aber dazu braucht es eine umfassende Strategie, die über das bloße Anwerben von Studierenden hinausgeht.

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Es bleibt zu hoffen, dass die Verantwortlichen endlich die Dringlichkeit erkennen und nicht nur über die Schließung von Gebäuden nachdenken, sondern auch darüber, wie sie die Bedingungen für zukünftige Generationen von Studierenden verbessern können. Denn Bildung ist nicht nur ein Gut, das es zu fördern gilt – sie ist ein Grundpfeiler unserer Gesellschaft.