Thomas Pigor und Benedikt Eichhorn – das ist mehr als nur ein Duo, das seit über 30 Jahren die Bühnen Berlins rockt. Diese beiden Herren sind echte Institutionen im musikalischen Kabarett. Sie haben sich nicht nur in den Herzen ihrer Fans festgesetzt, sondern auch in den Gassen der Stadt, wo sie regelmäßig im Restaurant und Biergarten Weltwirtschaft zusammentreffen. Geografisch liegt dieser Ort perfekt zwischen Schöneberg, wo Pigor wohnt, und Prenzlauer Berg, dem Zuhause von Eichhorn. Man könnte sagen, das ist ihre kreative Schnittstelle, wo sie sich auch mal über vergessene Fahrradschlüssel austauschen – Pigor hat das Schloss für die Räder von Eichhorn in der Hand, falls der mal wieder seinen Schlüssel vergessen hat.

Die beiden haben mit „Pigor singt, Eichhorn muss begleiten. Vol. 1“ im Jahr 1995 ihr Debüt gegeben. Ein Format, bei dem Pigor die Melodien und Texte liefert, während Eichhorn am Klavier für den musikalischen Rahmen sorgt. Das ist eine Kombination, die nicht nur funktioniert, sondern auch einen besonderen Platz in der Berliner Kabarettszene hat. Und wenn wir schon von dieser Szene sprechen, dürfen wir nicht die Bedeutung von Holger Klotzbach vergessen, der die Bar jeder Vernunft mitbegründet hat und dessen Lebenswerk für Pigor und Eichhorn von großer Bedeutung ist. Mit einem Wehmutsschimmer im Herzen erinnern sie sich an Klotzbach, der im Januar verstarb und dessen Einfluss auf ihr Schaffen nicht zu leugnen ist.

Ein Stück Berliner Lebensgefühl

Die beiden Künstler sind nicht nur Kabarettisten, sondern auch Chronisten ihrer Stadt. Pigor beschreibt West-Berlin als ein „Biotop“ mit kreativen Freiräumen und ohne Sperrstunde. Das hat ihm auch den Weg geebnet, 1985 nach West-Berlin zu kommen, um von der freien Gruppenförderung für Theatergruppen zu profitieren. Eichhorn hingegen zog erst 1996 nach Prenzlauer Berg und hat die Gentrifizierung des Stadtteils hautnah miterlebt. Das Duo ist bekannt für das Zusammenführen klassischer Chansons mit modernen Elementen und hat mit ihren Liedern wie „Rente gehn“ und „Berlin Airport“ ein ganz eigenes Genre geschaffen.

Die Liebe zur Stadt und ihren architektonischen Facetten steckt in Eichhorns Adern. Er hat eine Leidenschaft für die Berliner Architektur, kritisiert jedoch oft die Ideenlosigkeit neuer Bauwerke. Vielleicht ist das auch der Grund, warum er sich in den letzten Jahren immer wieder mit der Startup-Szene auseinandersetzt – eine kritische Sicht auf die kulturelle Bedeutung Berlins ist ihm wichtig. Mit einem Augenzwinkern und einer Prise Ironie sprechen sie über die neue Generation in der Stadt, die oft wenig mit der Tradition verbindet, die das Kabarett ausmacht.

Ein Abend voller Lieder und Geschichten

Der nächste Auftritt des Duos, „Pigor & Eichhorn – Volumen X“, findet am 28. Mai 2026 in der Bar jeder Vernunft statt. Die Vorfreude ist bereits jetzt greifbar, denn ihre Auftritte sind ein wahres Fest für die Sinne. Aber damit nicht genug: Am 1. August 2025 wird das Duo auch im Großen Sendesaal für Freude sorgen, mit einem Ticketpreis von 28 Euro, wobei Ermäßigungen für Mitglieder des Ö1 Clubs winken. Wer nicht live dabei sein kann, hat die Chance, die Veranstaltung ab 20:00 Uhr im Radio zu hören – eine einmalige Gelegenheit, das Berliner Kabarett bequem von zu Hause aus zu genießen.

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Thomas Pigor hat nicht nur auf der Bühne viel zu bieten; er hat auch ein Buch mit dem Titel „La Groete – sag nicht Kleinkunst!“ veröffentlicht. Darin geht es um einen Chansonnier, der einen Pakt mit dem Teufel eingeht. Ein spannendes Abenteuer, das in der Nach-Wende-Zeit Berlins spielt und mit einer ordentlichen Portion Wortwitz gespickt ist. Benedikt Eichhorn, in dieser Geschichte als Literaturkritiker unterwegs, versucht immer wieder, Pigor kritisch zu hinterfragen – ein feines Spiel zwischen den beiden, das auch auf der Bühne seinen Platz findet.

Die Wurzeln des Kabaretts

Ein Blick in die Geschichte des Kabaretts zeigt, wie tief diese Kunstform in der europäischen Kultur verwurzelt ist. Bereits in den 1880er Jahren erlebte Paris mit dem „Le Chat Noir“ eine Blütezeit, die bald auch nach Berlin schwappt. Die Kleinkunstbühne Überbrettl, gegründet von Ernst von Wolzogen, war ein Ort, an dem Künstler ihrer Kreativität freien Lauf lassen konnten. Politische Ereignisse wurden persifliert und das Publikum zum Nachdenken angeregt. Diese Tradition hat sich bis heute gehalten und wird von Künstlern wie Pigor und Eichhorn lebendig gehalten.

Durch die Höhen und Tiefen der Geschichte, von Verfolgung während des Kaiserreichs bis zur Förderung nach dem Zweiten Weltkrieg, hat sich das Kabarett immer wieder neu erfunden. Heute steht es als ein bedeutender Teil der deutschen Kulturszene da – und in dieser bunten Landschaft sind Pigor und Eichhorn ein strahlendes Beispiel für die Vitalität und den Witz, die das Kabarett ausmachen. Sie blicken mit einem kritischen, aber liebevollen Auge auf ihre Heimatstadt und lassen uns die kleinen und großen Absurditäten des Lebens in Berlin auf eine ganz besondere Weise erleben.