Das Atalanta-Komponistinnen-Festival steht vor der Tür und wird von vielen mit Spannung erwartet. Vom 23. bis 25. Oktober 2026 verwandelt sich die Villa Elisabeth und die St.-Elisabeth-Kirche an der Invalidenstraße 3 in Berlin-Mitte in einen Ort, der ganz im Zeichen der Komponistinnen steht. In einer Zeit, in der eine Studie aus 2021 aufdeckte, dass weniger als zwei Prozent der Werke in den Programmen von 120 deutschen Profi-Orchestern von Frauen stammen, setzt dieses Festival ein wichtiges, ja notwendiges Zeichen.

Das Festival ist nach Atalanta benannt, einer faszinierenden Figur aus der griechischen Mythologie, die als schnellste Läuferin bekannt war. Doch auch sie wurde durch goldene Äpfel ausgebremst – eine Metapher für die Hürden, die Frauen in der Musikgeschichte oft überwinden mussten. Und genau hier setzt die künstlerische Leiterin Fidan Aghayeva-Edler an. Sie hat nicht nur 24 Stunden lang ausschließlich Werke von Komponistinnen gespielt, sondern bringt auch ein Programm auf die Beine, das von der byzantinischen Komponistin Kassia bis hin zu zeitgenössischen Stimmen reicht.

Highlights des Programms

Das Festival bietet ein buntes Programm, das für jeden Musikgeschmack etwas bereithält. Am Sonntag, dem 25. Oktober, stehen gleich zwei Abendkonzerte auf dem Plan. Das erste, „Fermi Paradox“, wird um 19 Uhr in der St.-Elisabeth-Kirche aufgeführt. Hier wird die in Wales lebende Komponistin Jobina Tinnemans ihr Werk präsentieren, das sich mit der Frage beschäftigt, warum wir trotz der unzähligen Sterne im Universum keinen Kontakt mit Außerirdischen haben. Ein spannendes Thema, das mit einer einzigartigen Verbindung von Harfe und virtueller Technologie zum Leben erweckt wird. Figuren wie Mutter Natur und die Weltenschildkröte werden auf eine musikalische Reise durch Raum und Zeit entführt.

Und dann, ab 20.30 Uhr, folgt das zweite Konzert, „Asteria – echo // fragment // licht“, in der Villa Elisabeth. Hier präsentiert das Berliner Ensemble LUX:NM das zweiteilige Werk, inspiriert von der Lyrik der Sappho, deren Gedichte nur fragmentarisch erhalten sind. Das ist nicht nur eine Hommage an die weibliche Stimme der Antike, sondern auch ein Zeichen dafür, dass die Klangwelt der Komponistinnen bis heute lebendig und relevant ist.

Ein lange überfälliger Schritt

Es ist kaum zu fassen, dass Frauen in der Musikgeschichte so oft übersehen wurden. Im 18. Jahrhundert galt das Komponieren als etwas, das für Frauen „intellektuell ungeeignet“ war. Selbst wenn Frauen wie Fanny Mendelssohn oder Clara Schumann bemerkenswerte Werke schufen, mussten sie oft unter männlichen oder geschlechtsneutralen Namen veröffentlichen, um Gehör zu finden. In den gängigen Musikgeschichtsbüchern sind Komponistinnen häufig nur am Rande erwähnt. Ein Umstand, der nicht nur die Sichtbarkeit von Frauen in der Musik beeinträchtigt hat, sondern auch ein verzerrtes Bild der Musikgeschichte vermittelt.

Das Atalanta-Komponistinnen-Festival ist eine wunderbare Gelegenheit, dieser Ungerechtigkeit entgegenzuwirken. Unter atalanta-festival.com können Interessierte das vollständige Programm einsehen und Tickets sichern. Die Zeit ist reif, um die Stimmen der Komponistinnen zu feiern und ihnen den Platz in der Musikszene zu geben, den sie verdienen.