Heute ist der 28.05.2026, und in Berlin-Mitte gibt es wieder einmal bewegende Nachrichten aus der Hotellerie. Das Circus-Hotel am Rosenthaler Platz, ein über 30 Jahre alter Anlaufpunkt, wird Ende Oktober seine Türen schließen. Das hat nicht nur die rund 200 Mitarbeiter getroffen, die bereits informiert wurden, sondern wirft auch ein Schlaglicht auf die Herausforderungen, mit denen die Branche konfrontiert ist. Betreiber Andreas Becker hat den Wandel in Berlin zwar wahrgenommen, aber seine Sicht darauf ist alles andere als positiv. Ein Sanierungsstau und gestiegene Kosten für Personal sowie Energie, Wasser und Wärme haben die Entscheidung herbeigeführt. Zudem nehmen Online-Reiseplattformen bis zu 18 Prozent des Umsatzes, während die City Tax von 7,5 Prozent zusätzlich auf dem Budget lastet.
Becker weist darauf hin, dass offener Drogenkonsum und Obdachlosigkeit in der Umgebung massive Probleme für den Tourismus darstellen. Besonders asiatische Gäste, die auf Sauberkeit und eine strenge Drogenpolitik Wert legen, werden abgeschreckt. Komischerweise bleibt das benachbarte Hostel vorerst geöffnet, während das Circus-Hotel in den Rückzug geht. Es ist eine bittere Realität, die zeigt, wie sehr sich die Stadt verändert hat. Die Betreibergruppe sucht nun nach einer neuen Immobilie in Berlin für zukünftige Hotel- und Hostel-Betriebe – ein mutiger Schritt in unsicheren Zeiten.
Ein Blick auf die aktuellen Herausforderungen
Und während das Circus-Hotel schließt, gibt es in Berlin-Schöneberg ebenfalls besorgniserregende Entwicklungen. Das BB Hotel wird vorerst nicht mehr für die Unterbringung von Obdachlosen genutzt, da mehrere Bezirksämter entschieden haben, das Hotel aufgrund von Hygienemängeln und dem Verdacht auf Ungezieferbefall zu sperren. In den letzten Jahren diente es als Unterkunft für Roma-Familien aus Südosteuropa, doch Anwohner berichten von Müll, Lärm und aggressiven Szenen vor dem Gebäude. Die Polizei zählte zwischen Juli 2024 und Juni 2025 insgesamt 102 Einsätze an dieser Adresse – das sind Zahlen, die das Ausmaß des Problems verdeutlichen.
Der stellvertretende Bürgermeister von Tempelhof-Schöneberg, Matthias Steuckardt (CDU), hat bestätigt, dass die Unterkunft nun leergezogen wurde, wobei nur noch 28 Selbstzahler dort wohnen. Die FDP im Bezirk plant, 1000 Unterschriften zu sammeln, um einen Antrag auf vollständige Schließung des Hotels einzubringen. Holger Krestel, der FDP-Bezirksvorsitzende, äußert Bedenken über mögliche Missbräuche von Sozialleistungen durch frühere Bewohner. Die Zukunft des BB Hotels ist damit ungewiss.
Die Lage der Wohnungslosen in Berlin
Die Situation für wohnungslose Menschen in Berlin ist besorgniserregend. Laut den aktuellen Statistiken lebten am 31. Januar 2024 bereits 47.260 untergebrachte wohnungslose Menschen in der Stadt. Dazu kommen 6.032 wohnungslose Menschen ohne Unterkunft und 2.364 verdeckt wohnungslose Menschen. Zusammen ergibt das eine erschreckende Gesamtzahl von 55.656 wohnungslosen Menschen. Die Datenbank wird regelmäßig aktualisiert, aber die nächste Veröffentlichung über die Situation der wohnungslosen Menschen ohne Unterkunft und verdeckt wohnungslosen Menschen steht erst im Dezember 2026 an.
Die Bezirksämter sind für die Unterbringung wohnungsloser Menschen verantwortlich, es gibt jedoch oft nicht genügend Kapazitäten. So sind viele auf Notunterkünfte angewiesen, häufig in Behelfsunterkünften oder gar auf der Straße. Das Wohnungslosenberichterstattungsgesetz (WoBerichtsG) sorgt zwar für eine Erhebung der Zahlen, aber nicht alle wohnungslosen Menschen werden erfasst, vor allem nicht die, die verdeckt leben. In der ersten Februarwoche 2024 sollen die neuesten Zahlen zu den untergebrachten Wohnungslosen veröffentlicht werden – vielleicht wird dann auch klarer, wie die Stadt mit diesen Herausforderungen umgeht.
