Marzahn Pride 2026: Sichtbarkeit als Akt des Widerstands
Am 20. Juni 2026 ist es wieder so weit: Die Marzahn Pride lädt ein, und das in einem ganz besonderen Rahmen. Zum siebten Mal organisiert der Quarteera e.V. dieses bunte Fest, das unter dem Motto „Sichtbarkeit ist Widerstand“ stattfindet. Ein Motto, das in Zeiten wie diesen mehr als nur ein Lippenbekenntnis ist. In Berlin, wo die queere Community eigentlich einen sicheren Hafen gefunden hat, steigt die queerfeindliche Gewalt. Besonders betroffen sind queere Geflüchtete und Migrantinnen, die aus Ländern fliehen, in denen sie wegen ihrer Identität verfolgt werden. Berlin wird zum Zufluchtsort, doch die Bedrohung durch rechte Gruppierungen nimmt zu.
Schaut man auf die letzten Jahre, wird die Dringlichkeit der Marzahn Pride deutlich. Im Jahr 2025 meldete die rechtsextreme Gruppierung „Deutsche Jugend Voran“ eine Gegendemonstration an und begleitete die Pride-Route mit provokanten Videos, um Teilnehmende einzuschüchtern. Trotz der aggressiven Atmosphäre ist die Veranstaltung ein Zeichen gegen diese Entwicklungen. Adam Baas, Projektkoordinator von Quarteera e.V., hebt hervor, wie wichtig die Marzahn Pride als politische Handlung und Akt der Sichtbarkeit für die queere Community ist. „Wir sind verschieden, wir stehen zusammen“ lautet das diesjährige Motto, und es könnte nicht passender sein.
Ein Raum für alle
Die Marzahn Pride am 20. Juni beginnt um 11:30 Uhr am S-Bahnhof Springpfuhl, Allee der Kosmonauten, und der Zug startet um 12:00 Uhr. Ab 13:30 Uhr erwartet die Besucher ein Straßenfest auf dem Victor-Klemperer-Platz, mit Programmstart um 14:00 Uhr. Es ist ein Raum für Queers, Verbündete, Vereine, Initiativen und Menschen aus Politik, Gesellschaft und Kultur. Ein Ort, an dem man nicht nur feiern, sondern auch wichtige Themen ansprechen kann – von der Sichtbarkeit der russischsprachigen Community bis hin zu den Auswirkungen des Krieges in der Ukraine, der in diesem Jahr ebenfalls thematisiert wird.
Quarteera e.V. engagiert sich seit 2011 für die Rechte von LSBTIQ Geflüchteten und Migrant*innen und hat Community-Zentren in Berlin-Mitte sowie in Marzahn-Hellersdorf. Die Beratungsangebote sind unerlässlich, denn viele der Menschen, die Hilfe suchen, kommen aus instabilen Verhältnissen und benötigen Unterstützung in asyl- und aufenthaltsrechtlichen sowie sozialen Angelegenheiten. Dennoch gibt es eine große Herausforderung: die instabile Projektförderung und das Fehlen langfristiger Strategien für queere Treffpunkte im Bezirk. Das macht es schwer, eine nachhaltige Unterstützung für die Community zu gewährleisten.
Ein Blick auf die gesellschaftlichen Herausforderungen
In den letzten Jahren hat Deutschland zwar bedeutende Fortschritte beim Schutz von LGBTQ-Personen gemacht – man denke an die Ehe für alle oder das Selbstbestimmungsgesetz – doch die Realität sieht oft anders aus. Über 40 % der queeren Menschen berichten von Diskriminierung, und die Dunkelziffer queerfeindlicher Straftaten ist vermutlich noch höher. In Marzahn-Hellersdorf, wo die AfD bei der letzten Bundestagswahl zur stärksten Kraft wurde, wird die Situation besonders angespannt wahrgenommen. Die Marzahn Pride wird somit nicht nur zum Fest der Farben und der Vielfalt, sondern auch zur Bühne für den Protest gegen diese Entwicklungen.
Der Bezirk hat eine große russischstämmige und asiatische Community, die ebenfalls von den aktuellen politischen und sozialen Herausforderungen betroffen ist. Quarteera plant daher nicht nur die Pride, sondern auch weitere Veranstaltungen zum kulturellen Austausch, um die Sichtbarkeit und den Dialog innerhalb der Community zu fördern. Diese Initiativen sind wichtig, um ein starkes Netzwerk zu schaffen und um zu zeigen, dass man zusammensteht – auch in schwierigen Zeiten.
Die Marzahn Pride ist mehr als nur ein Event. Sie ist ein Zeichen der Hoffnung, ein Aufruf zur Solidarität und ein unüberhörbarer Ausdruck des Widersstands. In einer Welt, die oft von Spaltung geprägt ist, stehen hier Menschen zusammen, um Vielfalt zu feiern und für ihre Rechte einzutreten. Und das ist etwas, das man nicht missen möchte – also, auf zur Marzahn Pride!
