In Marzahn-Hellersdorf, einem Bezirk im Osten Berlins, brodelt es. Hier leben fast 270.000 Menschen in einer spannenden Mischung aus Plattenbauten und Einfamilienhäusern. Doch der Schein trügt. Während die Gärten der Welt und der alte Dorfkern mit Windmühle Besucher anlocken, schleicht sich die dunkle Seite des Lebens in die Straßen und Hinterhöfe. Anne, 30 Jahre alt, hat sich dem entgegenstellt. Sie engagiert sich leidenschaftlich gegen rechte und rassistische Gewalt und beobachtet aufmerksam, wie die extrem rechte Szene ihren Einfluss ausdehnt. Aufkleber und Graffiti sind nur die Spitze des Eisbergs – hier wird mit Gewalt, Propaganda und Alltagsrassismus gearbeitet.
Anne erzählt von den Bedrohungen, die Menschen aufgrund ihres Aussehens oder ihrer Kleidung erleben müssen. Besonders in einem Bezirk, wo jedes vierte Kind als arm gilt, sind die sozialen Spannungen besonders spürbar. Der stellvertretende Bürgermeister Gordon Lemm hat ebenfalls die Zunahme von Gewalt und Hass, speziell gegen queere Menschen, festgestellt. Das ist eine beunruhigende Entwicklung, die vor allem junge Leute betrifft. Viele queere Jugendliche trauen sich nicht mehr, ihre Identität offen zu zeigen. Das ist traurig, oder? In einer Stadt wie Berlin, die für ihre Vielfalt bekannt ist, sollte es keinen Platz für solche Ängste geben.
Die Realität der rechten Gewalt
Marzahn-Hellersdorf ist nicht nur ein sozialer Brennpunkt, sondern auch ein Hotspot für rechtsextreme Aktivitäten. Im Jahr 2019 wurden allein 154 Vorfälle mit rechtsextremem Hintergrund registriert, darunter 15 Gewalttaten. Die Dunkelziffer ist hoch, denn viele Betroffene melden ihre Erlebnisse nicht. Zwischen 2013 und 2015 gab es eine massive migrationsfeindliche Mobilisierung, die die Stimmung im Bezirk nachhaltig beeinflusste. Rassismus ist hier das häufigste Motiv bei den erfassten Taten. Und die extreme Rechte kämpft um die Vormachtstellung – das lässt sich nicht leugnen.
Farzaneh, eine Afghanin, die im Iran geboren wurde, hat ihre eigene Geschichte zu erzählen. Sie erlebt täglich Beleidigungen und rassistische Blicke, weicht den Angriffen aber nicht aus. Stattdessen wehrt sie sich aktiv gegen Diskriminierung. Ihre Stärke ist beeindruckend, aber nicht jeder hat den Mut, so zu reagieren. In einem solchen Klima ist es ermutigend zu sehen, dass es Menschen wie Barbara Jungnickel gibt, die mit ihrem „Café auf Rädern“ einen Begegnungsort schaffen, um Gespräche zu fördern und den Worten der Hetze etwas entgegenzusetzen. Das Café entstand als direkte Reaktion auf den Widerstand gegen eine Unterkunft für Geflüchtete und hat sich zu einem Symbol des Zusammenhalts entwickelt.
Ein Bezirk im Aufbruch
Die Herausforderungen sind enorm, doch die Protagonisten wie Anne, Farzaneh und Gordon Lemm geben nicht auf. Sie kämpfen gegen einen besorgniserregenden Trend in Deutschland. Dabei ist Marzahn-Hellersdorf nicht nur ein Ort der Sorgen, sondern auch ein interessanter Kulturstandort mit viel Potenzial. Die größte Plattenbausiedlung Europas hat ihren eigenen Charme und viele Möglichkeiten, die Menschen zusammenzubringen. Es bleibt zu hoffen, dass der Zusammenhalt und das Engagement der Bürger die Oberhand gewinnen und der Hass, der sich in den letzten Jahren breitgemacht hat, zurückgedrängt wird. Denn eines ist klar: Die Menschen hier verdienen ein Leben in Sicherheit und Freiheit.