In den letzten Jahren hat sich Berlin zu einem Anziehungspunkt für viele queere Menschen entwickelt, die hier die Möglichkeit suchen, sich frei zu entfalten und ihre Identität zu leben. Doch während die Stadt für viele als Ort der Freiheit gilt, stehen die queere Community und ihre Mitglieder immer wieder vor Herausforderungen. Die Zunahme queerfeindlicher Gewalt, Polizeigewalt und antifeministischer Vorfälle sorgt für ein besorgniserregendes Klima. Die Angst vor Gewalt innerhalb der queeren Community ist gestiegen, was besonders junge Menschen aus der FLINTA-Community betrifft.

Ein Beispiel hierfür ist die „Marzahn Pride“-Demo 2022, die aufgrund von Bedrohungen durch rechte Gruppen nur mit Polizeieskorte stattfinden konnte. Parallel dazu gab es in Marzahn eine rechte Demonstration, die die Situation weiter anheizte. Constanze Körner, die Geschäftsführerin von Lesben Leben Familie e. V. (LesLeFam), beschreibt, wie besonders Jugendliche ab 12 Jahren in der Marzahner Jugendgruppe unter Druck stehen. Jugendzentren werden von rechten Gruppen belagert, was ein Coming-out in normalen Jugendklubs zu einer Herausforderung macht.

Einblicke in die queere Realität

Die Alice Salomon Schule in Hellersdorf hat sich als Anlaufstelle etabliert, die viele queere Themen behandelt und kreative Projekte unterstützt. Ein wichtiges Vorhaben ist das Projekt LEmpowerment, das darauf abzielt, Lesben in Marzahn sichtbarer zu machen. Dabei wird Lesbischsein nicht nur auf cisgeschlechtliche Frauen beschränkt, sondern schließt auch non-binäre Lesben, Interlesben und Translesben mit ein. Der Tag der Lesbischen* Sichtbarkeit am 26. April wird in Berlin durch eine Vielzahl von Veranstaltungen gefeiert, darunter Comedy, Buchvorstellungen, Stadtspaziergänge, Talks und Kinoabende.

LesLeFam organisiert seit 2018 Veranstaltungen zur lesbischen Sichtbarkeit in Marzahn-Hellersdorf. Die Zusammenarbeit mit dem queeren Antigewaltprojekt „L-Support“ ist ein weiterer Schritt, um die Sichtbarkeit und positive Erfahrungen für queere Menschen zu fördern. Trotz dieser Bemühungen gibt es einen Mangel an finanziellen Mitteln und physischen Räumen für queere Angebote in Marzahn, was die Situation zusätzlich erschwert. Der Bezirk hat zwar eine Queer-Beauftragte, doch die Unsicherheit über die langfristige Erhaltung dieser Stelle bleibt bestehen.

Die Dunkelziffer der Gewalt

Das Problem der queerfeindlichen Gewalt ist kein Einzelfall und zeigt sich nicht nur in Berlin, sondern auch bundesweit. Hasskriminalität ist eine massive Ausdrucksform von Queerfeindlichkeit und zielt darauf ab, ganze Bevölkerungsgruppen einzuschüchtern. LSBTIQ-Personen sind im öffentlichen Raum oft gefährdet, Gewalt zu erfahren. Der Anblick von Drag Queens, trans Personen oder homosexuellen Paaren kann Gewaltpotenzial in einigen Menschen hervorrufen.

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Die Erfassung von Hasskriminalität ist unzureichend; Schätzungen zufolge liegt die Dunkelziffer bei 80-90%, da viele Taten nicht angezeigt werden. Gründe für das Schweigen sind oft Scham, Angst und Misstrauen gegenüber der Polizei. Im Jahr 2023 wurden in Deutschland insgesamt 1.785 Straftaten gegen LSBTIQ-Personen registriert – ein alarmierender Anstieg im Vergleich zu 2022, als es noch 1.188 Taten gab. Beleidigungen, Gewalttaten und Bedrohungen gehören zu den häufigsten Straftaten.

Schlussfolgerung

Die queere Community in Berlin und insbesondere in Marzahn-Hellersdorf steht vor großen Herausforderungen. Trotz der positiven Initiativen und Bemühungen um Sichtbarkeit und Akzeptanz ist die Realität häufig durch Angst und Unsicherheit geprägt. Der Austausch zwischen den Generationen, wie beim L*Empowerment, ist entscheidend, um queeres Leben in den Außenbezirken zur Normalität zu machen. Die fortdauernde Unterstützung und Sensibilisierung sind notwendig, um ein sicheres und freies Leben für alle queeren Menschen zu gewährleisten.