Häusliche Gewalt im Fokus: Ein Blick hinter die Kulissen der Polizeiarbeit in Berlin-Marzahn-Hellersdorf
Heute, am 3. November 2026, lohnt es sich, auf den Fernseher zu schielen, denn um 20:15 Uhr wird die Reportage „rbb24 Reportage: Häusliche Gewalt – Auf Streife mit der Polizei“ ausgestrahlt. Ein Thema, das uns alle betrifft, aber oft im Verborgenen bleibt. Die Kamera begleitet Polizisten in Berlin-Marzahn-Hellersdorf über mehrere Monate hinweg. Ein Funkwagenteam, bestehend aus den erfahrenen Beamten Aleksandra Sommer und Lars Krüger, nimmt uns mit auf ihre Einsätze, die durch Notrufe über die Berliner Polizeinummer 110 ausgelöst werden. Wer denkt, dass die Einsätze nur Routine sind, wird schnell eines Besseren belehrt.
Häusliche Gewalt ist kein Randphänomen; es ist eine Realität, die viele Menschen in Deutschland betrifft. Laut einer Erhebung der Berliner Staatsanwaltschaft wurden zwischen 2021 und 2025 über 70.000 Verfahren wegen häuslicher Gewalt registriert. Darunter fallen nicht nur körperliche Attacken, sondern auch Bedrohungen und Stalking – allesamt Delikte, die das Leben der Betroffenen zur Hölle machen können. Bei den Einsätzen erleben die Polizisten, wie sich die Situation vor Ort entfalten kann: Männer, die ihre Partnerinnen angreifen oder bedrohen, und Frauen, die unter Alkohol- oder Drogeneinfluss die Kontrolle verlieren. Das ist die harte Realität, die die Beamten täglich in ihrer Arbeit konfrontiert.
Die Herausforderungen der Polizeiarbeit
Die Reportage zeigt uns, dass die Aufgaben am Einsatzort weit über das Stoppen von Gewalt hinausgehen. Es geht darum, Spuren zu sichern, Verletzungen zu dokumentieren und den Betroffenen Hilfsangebote zu vermitteln. Ein akribisches Handwerk, das Fingerspitzengefühl erfordert. Oberkommissar Krüger wird sogar als Zeuge vor Gericht aufgerufen. Hier wird deutlich: Täter vor Gericht zu bringen, gestaltet sich oft als schwieriges Unterfangen. Aussage-gegen-Aussage-Situationen, Mangel an Beweisen und die Scham der Betroffenen machen es nicht einfach, Gerechtigkeit zu erlangen. Dabei sind die Zahlen alarmierend: Im Jahr 2025 gab es nahezu doppelt so viele Ermittlungsverfahren wegen Bedrohung im Vergleich zu 2021.
Die Komplexität des Themas häusliche Gewalt wird in der Reportage eindrucksvoll beleuchtet. Es sind nicht nur die physischen Verletzungen, die zählen. Häufig bringen sich psychische Belastungen in den Alltag der Betroffenen ein, die sich in einem Kreislauf aus Scham und Angst wiederfinden. Die Berliner Amtsanwaltschaft hat spezielle Abteilungen, die sich überwiegend mit diesen Fällen beschäftigen, doch weniger als drei Prozent der registrierten Fälle führen zu einer Anklage vor einem Strafgericht. Das wirft die Frage auf: Warum ist es so schwer, gegen diese Vergehen vorzugehen?
Die Dunkelziffer und ihre Bedeutung
Wissenschaftliche Studien sprechen von einer hohen Dunkelziffer. Das Bundeslagebild „Häusliche Gewalt“ zeigt, dass die registrierten Fälle nur einen Teil der tatsächlichen Gewalt abbilden. 265.942 Menschen waren 2024 betroffen, wobei über 80 Prozent der Opfer Frauen waren. Bei Partnerschaftsgewalt lag der Anteil noch höher. Das ist eine erschreckende Zahl, die uns alle angeht. Viele der Opfer sind Kinder oder Angehörige, die in einem Umfeld leben, in dem Gewalt Alltag ist.
Die Reportage und der anschließende Talk „Tatort Zuhause – wenn Männer Frauen schlagen“ um 20:45 Uhr bieten die Möglichkeit, über diese Themen zu sprechen und Bewusstsein zu schaffen. Häusliche Gewalt betrifft nicht nur die Opfer, sondern auch die gesamte Gesellschaft. Hilfsangebote wie das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ oder die Telefonseelsorge sind wichtige Anlaufstellen, um Betroffenen zu helfen. Doch nicht nur das – auch die Polizei und andere Hilfseinrichtungen müssen weiter professionalisiert werden, um die Bereitschaft zur Anzeige zu erhöhen.
Die Realität ist komplex und oft schmerzhaft. Doch es gibt Hoffnung: Durch mehr Aufklärung, Unterstützung und ein offenes Ohr können wir gemeinsam daran arbeiten, das Thema aus der Dunkelheit ins Licht zu rücken. Schalten Sie ein und seien Sie Teil dieser wichtigen Diskussion. Denn nur gemeinsam können wir etwas bewegen.
