Heute ist der 5.06.2026 und während die Sonne über Marzahn-Hellersdorf aufgeht, brodelt es in den Berliner Schulen. Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch von der CDU hat einen Plan auf den Tisch gelegt, der die Gemüter erhitzt: eine Vereinbarung zur Zusammenarbeit zwischen Berlins Schulen und der Bundeswehr. Klingt nach einem Abenteuer, oder? Aber die Realität sieht etwas anders aus. Die Idee ist, Jugendoffizierinnen und -offiziere in die Klassenzimmer zu bringen, um die politische Bildung zu bereichern. Was auf den ersten Blick vielleicht nach einem spannenden Zusatzprogramm klingt, sorgt bei vielen für Unbehagen.

Die Berliner Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) schlägt Alarm. Ihre Co-Vorsitzende Felicia Kompio bringt es auf den Punkt: Schulen sollten keine Rekrutierungszentren für die Bundeswehr sein. Der Vorwurf ist klar: Es droht eine gefährliche Vermischung von Information und Werbung. „Politische Bildung gehört in die Hände von ausgebildeten Lehrkräften“, sagt Kompio und trifft damit einen Nerv. Schließlich geht es hier nicht nur um Wissen, sondern auch um Werte – und die sollten nicht in militärische Bahnen gelenkt werden.

Protest und Bedenken

Die GEW sieht in der geplanten Vereinbarung einen systematischen Ausbau des Einflusses der Bundeswehr auf die schulische Bildung. Ein Punkt, der im Berliner Schulgesetz verankert ist, ist die friedensorientierte Erziehung. Wie passt das zusammen? Die Gewerkschaft befürchtet, dass die Einbeziehung von Jugendoffizieren die militärischen Perspektiven auf internationale Konflikte normalisiert. Man stelle sich vor, Kinder lernen über Kriege und Konflikte und plötzlich sitzen da Uniformierte, die den Dienst an der Waffe als Abenteuer darstellen. Eine Vorstellung, die vielen nicht geheuer ist.

Auf Personalversammlungen haben Schulbeschäftigte deutlich gemacht, dass sie die Präsenz der Bundeswehr ablehnen. Und so fordert die GEW von der Senatsverwaltung, die Meinungen und Haltungen der Kolleg*innen ernst zu nehmen. Denn letztlich sind es die Lehrkräfte, die tagtäglich mit den Schülern arbeiten und deren Erziehung in ihren Händen liegt.

Friedenserziehung versus Militärische Einflussnahme

„Wir wollen die Einbeziehung friedenspolitischer Akteure, die jedoch oft über deutlich weniger Ressourcen verfügen“, so Kompio. Es gibt also Alternativen, die möglicherweise besser geeignet wären, um Schüler für politische Themen zu sensibilisieren, ohne sie in die Arme des Militärs zu treiben. Der Auftrag zur Friedenserziehung ist nicht nur ein schöner Satz im Gesetz, sondern eine Verantwortung, die wir ernst nehmen sollten. Die GEW bekräftigt diesen Auftrag unermüdlich und macht klar, dass der Frieden in der Erziehung nicht verhandelbar ist.

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Die Diskussion ist also nicht nur eine Frage der Bildung, sondern auch eine der Werte. Und während die Politiker in ihren Büros Pläne schmieden, bleibt die Frage: Wo stehen wir als Gesellschaft? Gibt es einen Platz für militärische Einflüsse in unseren Schulen? Und vor allem: Wie wollen wir junge Menschen auf eine friedliche Zukunft vorbereiten? Die Antworten darauf sind noch lange nicht gefunden, doch die Debatte ist in vollem Gange.