In den letzten Jahren hat Berlin mit einer besorgniserregenden Zunahme an rechtsmotivierten Vorfällen zu kämpfen. Die Jahresstatistik für 2023 weist erschreckende 8.286 Fälle rechter und rassistischer Vorkommnisse auf, was einem Anstieg von 566 Fällen im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Das sind im Schnitt fast zwei rassistische Übergriffe pro Tag! Oft sind es Frauen und Kinder, die in diesen Situationen leiden müssen. Vorfälle, die sich nicht nur in dunklen Gassen abspielen, sondern auch an Orten, wo man eigentlich Sicherheit erwarten würde, wie beim Bahnhof Ostkreuz, wo zwei Journalistinnen von jungen Neonazis bedrängt und attackiert wurden. Irgendwie unvorstellbar, oder?

Das schwule Anti-Gewalt-Projekt „Maneo“ ist mehrfach Ziel von Angriffen geworden. Auch Besucherinnen eines Konzerts in einem Jugendclub in Köpenick wurden auf dem Heimweg attackiert. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Rassismus bleibt das häufigste Motiv mit rund 2.300 Fällen, gefolgt von Antisemitismus und Bedrohungen gegen politische Gegner. Wenn man sich das alles durch den Kopf gehen lässt, fragt man sich unweigerlich, wo die Gesellschaft eigentlich steht – und welchen Raum wir diesen extremistischen Ansichten lassen.

Eine Stadt im Aufruhr

Was die Situation noch alarmierender macht, ist der hohe Anteil an Propaganda-Aktionen – über 5.000 Fälle, in denen Neonazi-Gruppen Sticker und Plakate anbringen, um ihre verqueren Ideologien zu verbreiten. In den östlichen Bezirken wie Treptow-Köpenick und Marzahn-Hellersdorf ist die Zunahme solcher Aktionen besonders spürbar. Hier versuchen junge Neonazis, öffentliche Räume für sich zu beanspruchen und schüchtern nichtrechte Menschen ein. Wenn man sich die Geschichte anschaut, erkennt man eine Kontinuität rechtsextremer Aktivitäten, die seit den 1990er Jahren in Köpenick und Schöneweide besteht. Irgendwie macht einem das Angst – und doch ist es eine Realität, die viele ignorieren.

Die Berliner Register leisten hier eine wichtige Arbeit, indem sie Vorfälle von Diskriminierung und Ausgrenzung dokumentieren. Ihr Ziel ist es, gegen rassistische, antisemitische und LGBTIQ*-feindliche Vorfälle vorzugehen. Auf ihrer Webseite können Betroffene Vorfälle melden und sich über Anlaufstellen und Beratungsangebote informieren. Es ist beruhigend zu wissen, dass es Organisationen gibt, die sich für eine inklusive und gerechte Gesellschaft einsetzen.

Ein Blick in die Zukunft

Die Politik hat die Situation ebenfalls erkannt. Die Grünen im Abgeordnetenhaus sprechen von einem „massiven Rechtsextremismusproblem“ und üben Kritik an den Kürzungen von Mitteln für Präventionsprojekte. Ein jährlicher Rückgang um eine Million Euro könnte fatale Auswirkungen auf Programme wie „Demokratie leben!“ haben. Wie kann es sein, dass wir in einer Zeit leben, wo das Budget für den Kampf gegen Extremismus gekürzt wird, während die Fallzahlen steigen? Das ist ein echtes Dilemma für unsere Gesellschaft. Man fragt sich, ob die Zunahme der gemeldeten Vorfälle auf eine höhere Meldebereitschaft zurückzuführen ist oder ob es tatsächlich mehr Angriffe gibt. Die Unsicherheit bleibt.

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Insgesamt ist klar: Berlin hat ein Problem, und es ist an der Zeit, dass wir alle gemeinsam anpacken. Wir müssen nicht nur die Stimmen der Betroffenen hören, sondern auch aktiv gegen diese Missstände angehen. Die Zukunft unserer Stadt hängt davon ab, wie wir jetzt handeln.