Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Berlin hat eine Entscheidung getroffen, die nicht nur auf den ersten Blick wie ein bürokratischer Akt wirkt, sondern die medizinische Landschaft in den Randbezirken der Hauptstadt stark beeinflussen könnte. Ab 2024 wird die Förderung zur Niederlassung in schlecht versorgten Bezirken eingestellt. Ein Beschluss, der von der Vertreterversammlung der KV Berlin gefasst wurde und der auf die Auswirkungen des GKV-Beitragsstabilisierungsgesetzes zurückzuführen ist. Das klingt zunächst wie ein trockener Paragraf, aber die Folgen könnten weitreichend sein. Bezirke wie Marzahn-Hellersdorf, die ohnehin schon strukturell unterversorgt sind, stehen vor ernsthaften Herausforderungen.

Bisher konnten Ärzte und Psychotherapeuten durch die Förderung bis zu 70.000 Euro für Neuniederlassungen, Praxisübernahmen oder die Gründung von Zweigpraxen erhalten. Das war ein echter Anreiz, um in die weniger beliebten, aber dringend benötigten Gebiete zu ziehen. Doch die geplante Ausweitung der eigenen KV-Praxen, die für 2027 angedacht war, wird nun nicht weiterverfolgt. Der Vorstand der KV Berlin sieht sich durch die Sparvorgaben in seiner Handlungsfähigkeit stark eingeschränkt. Und hier kommt die Warnung: Weniger Praxen bedeuten längere Wartezeiten und möglicherweise eine Infragestellung des Primärversorgungssystems. Ein Szenario, das man sich nur ungern ausmalen möchte.

Der Wegfall der Förderung und seine Folgen

Die Vorsitzenden der Vertreterversammlung schlagen Alarm – die Aufgabe der Förderung liege nun stärker in den Händen der Politik. Ein Appell an die Entscheidungsträger, um die negativen Auswirkungen auf Patienten zu verhindern. Es wird darauf hingewiesen, dass insbesondere die Bürokratie und Honorarkürzungen Hausärzte und Fachärzte belasten. Das ist nicht nur ein wirtschaftliches Problem, sondern hat auch menschliche Dimensionen. Patienten könnten in Zukunft noch schwieriger einen Arzt oder Psychotherapeuten finden, was Stress und Unsicherheit in die ohnehin schon belasteten Haushalte bringen könnte.

Die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) spielen eine zentrale Rolle in der ambulanten medizinischen Versorgung. Sie gewährleisten, dass Patienten wohnortnah von einem niedergelassenen Arzt oder Psychotherapeuten behandelt werden können, unabhängig von ihrer gesetzlichen Krankenkasse. Zudem vertreten sie die Rechte, Pflichten und wirtschaftlichen Interessen der Kassenärzte und -psychotherapeuten gegenüber den Krankenkassen. Die KVen organisieren die Bedarfsplanung für die ambulante Versorgung und stellen die Qualität der ärztlich erbrachten Leistungen sicher. Doch wie lange können sie das noch leisten, wenn die finanziellen Mittel gekürzt werden?

Ärztemangel und demografische Entwicklung

Die demografische Entwicklung zeigt, dass der Bedarf an Ärztinnen und Ärzten in den kommenden Jahrzehnten steigen wird. Die Altersverteilung innerhalb der Ärzteschaft verschiebt sich zunehmend in die höheren Altersgruppen – das sollte uns wirklich zu denken geben. Rund 50% der berufstätigen Ärztinnen und Ärzte sind über 50 Jahre alt, und 25% sind sogar 60 Jahre oder älter. Diese Zahlen sind alarmierend, wenn man bedenkt, dass der Anteil junger Ärztinnen und Ärzte stagniert. Das Durchschnittsalter der ambulant tätigen Ärztinnen und Ärzte ist von 53,3 Jahren im Jahr 2013 auf 54,1 Jahre im Jahr 2023 gestiegen. Ein weiterer Indikator dafür, dass wir dringend etwas unternehmen müssen.

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Die Arztdichte in Deutschland ist zwar gestiegen, doch regionale Unterschiede sind nicht zu übersehen. Während in Hamburg 127 Einwohner auf einen Arzt kommen, sind es in Brandenburg bereits 246. Ballungsgebiete zeigen tendenziell eine Überversorgung, während ländliche Gebiete, wie viele in Berlin, unterversorgt bleiben. Mit dem Rückgang der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte – um 1,7% seit 2018 – wird der Ärztemangel im Berliner Osten nicht nur ein theoretisches Problem, sondern könnte bald Realität werden.

Die medizinischen Fakultäten berichten zwar von einer leicht gestiegenen Ausbildungskapazität und erwarten in den kommenden Jahren steigende Absolventenzahlen, aber ob das ausreicht, um die Lücken zu füllen? Angesichts der aktuellen Entwicklungen bleibt die Frage offen, wie die Zukunft der medizinischen Versorgung in Bezirken wie Marzahn-Hellersdorf aussehen wird. Die nächsten Jahre werden entscheidend sein – sowohl für die Politik als auch für die Patienten.

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