Zukunftsarchive: Kunst und Erinnerung im Dialog der Gegenwart
Inmitten der pulsierenden Metropole Berlin, genauer gesagt in Lichtenberg, lädt die Gruppenausstellung „Future Archives / Archive Futures“ in der rk – Galerie für zeitgenössische Kunst dazu ein, die Vergangenheit neu zu denken. Vom 8. Oktober bis zum 18. Dezember 2026 zeigt der Kunstverein Tiergarten spannende Dialoge zwischen Gegenwart, Zukunft und der Praxis des Sammelns. Die Eröffnung findet bereits am 7. Oktober um 18 Uhr statt – ein Termin, den man sich nicht entgehen lassen sollte!
Archive, diese oft unterschätzten Schatztruhen des Wissens, sammeln, bewahren und ordnen Dokumente, Bilder und sogar Stimmen. Sie sind die Hüter einer Geschichte, die von Generation zu Generation weitergetragen wird. So wird auch in dieser Ausstellung untersucht, wie Archive nicht nur die Vergangenheit, sondern auch die Möglichkeiten künftiger Geschichtserzählungen formen. Neun künstlerische Positionen widmen sich diesem Thema und lassen uns in die Welt der Erinnerungen und deren Bedeutungen eintauchen.
Einblicke in die künstlerischen Arbeiten
Besonders spannend ist die Tischvitrine am Eingang, die einen Teil der Korrespondenz von Ruth Wolf-Rehfeldt und Robert Rehfeldt aus den 1970er- und 1980er-Jahren zeigt. Dieses Paar war ein zentraler Bestandteil der Mail-Art-Bewegung in der DDR. Ihre Korrespondenzen, Collagen und Typewritings – alles Teil eines über Jahrzehnte gewachsenen Archivs – bieten einen faszinierenden Einblick in die Kunst- und Kulturpolitik ihrer Zeit und zeugen von über 1.800 weltweiten Kontakten.
Doch die Ausstellung hat noch mehr zu bieten. Nora Al-Badri präsentiert mit „The Post-Truth Museum“ (2021–2023) ein KI-Video, in dem Museumsleiterinnen und -leiter sich für koloniale Aneignungen entschuldigen und Restitutionsforderungen bestätigen. Hier wird die Rolle von Museen als Diskursräume kritisch hinterfragt, was in der heutigen Zeit von enormer Bedeutung ist.
Ein weiteres Highlight ist die Installation „All you can see“ (2025–2026) von Sarah Oh Mock und Bongjun Oh. Hier wird der Raum mit popkulturellen Elementen und hybriden Wesen aus Technik und Organismus gefüllt. Man kann sich die blinkenden Schaltstellen und schwangeren Smartphones wie ein technoides Korallenriff vorstellen – wirklich ein Erlebnis für die Sinne!
Technologie trifft Kunst
Die !Mediengruppe Bitnik geht in ihrer Arbeit „Random Darknet Shopper – The Bot’s Collection“ (2014–2016) noch einen Schritt weiter. Hier kauft eine KI zufällig Gegenstände aus dem Darknet und wirft damit spannende ethische und rechtliche Fragen auf. Wer trägt die Verantwortung für diese Käufe? Ist es die KI, die Entwickler oder der Ausstellungsort? Diese Fragen sind nicht nur theoretisch, sondern betreffen uns alle in einer Zeit, in der Digitalisierung und Künstliche Intelligenz omnipräsent sind.
Die Arbeiten von PPKK (Schönfeld & Scoufaras) thematisieren die Verdichtung und Wiederverwertung digitaler Daten. In ihren silbrig-goldenen Partikeln wird die Menge an Daten komprimiert – ein eindringliches Bild unserer Informationsgesellschaft, die immer schneller und komplexer wird.
Erinnerung und Archivierung
In den letzten Jahren hat sich die Diskussion über Archive und deren Rolle in der Erinnerungskultur intensiviert. Sie sind nicht nur Orte der Aufbewahrung, sondern auch aktive Akteure in der Geschichtsschreibung. In einem Fachmagazin des Bundesarchivs wird in diesem Zusammenhang auf die Bedeutung von Erinnerungspolitik eingegangen. Die Ausstellung „Future Archives / Archive Futures“ greift diese Thematik mit Bravour auf und lädt dazu ein, sich aktiv mit diesen Fragen auseinanderzusetzen.
Die teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler, darunter neben den bereits genannten auch Sim Chi Yin, Wie-yi T. Lauw, und Klara Källström & Thobias Fäldt, bringen einen bunten Strauß an Perspektiven und Ideen mit. So wird die Ausstellung zu einem spannenden Ort der Reflexion über das, was wir bewahren und was wir hinterlassen wollen.
Lasst euch von der Vielfalt und Kreativität in der rk – Galerie für zeitgenössische Kunst inspirieren. Und denkt daran: Jedes Stück, das ins Archiv wandert, erzählt eine Geschichte – und vielleicht wird eure Geschichte die nächste sein, die die Zukunft prägt.
