Inmitten des pulsierenden Lebens in Berlin, genauer gesagt im Stadtteil Lichtenberg, hat sich ein bemerkenswertes Wohnprojekt etabliert, das nicht nur durch seine Geschichte, sondern auch durch seine innovativen Mietmodelle besticht. Das Projekt „WilMa19“ in der Magdalenenstraße 19 ist in einem ehemaligen Bürogebäude des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR untergebracht und bietet etwa 65 Bewohnern eine einzigartige Gelegenheit, in einem familiären Kollektiv zu leben.
Hier zahlen die Mieter im Durchschnitt nur 4,70 Euro pro Quadratmeter, während die Mietpreise in Berlin aktuell bei durchschnittlich 15,84 Euro pro Quadratmeter liegen. Der Mietspiegel für Lichtenberg, der für 2026 prognostiziert wird, zeigt Preisspannen zwischen 12,21 und 17,41 Euro pro Quadratmeter auf. Das Projekt gehört zum Mietshäuser Syndikat, einem bundesweiten Netzwerk, das sich für die Sicherung von dauerhaft bezahlbarem Wohnraum einsetzt und die Privatisierung von Wohnraum verhindern möchte. Dies geschieht durch das Solidarprinzip, bei dem ältere Projekte neue Initiativen finanziell unterstützen.
Ein Modell für die Zukunft
Das Haus selbst verfügt über eine Wohnfläche von 2330 Quadratmetern und eine Grundstücksgröße von 1588 Quadratmetern. Der Kauf des Gebäudes fand am 29. November 2012 für 2,3 Millionen Euro statt. Das Besondere an diesem Modell ist, dass die Bewohner die Miete selbst festlegen können, was bei Privateigentümern nicht möglich wäre. Dies fördert nicht nur ein starkes Gemeinschaftsgefühl, sondern auch eine aktive Nachbarschaft, die durch ein Außengelände mit Grünflächen und einem Spielplatz unterstützt wird.
Der Mietshäuser Syndikat, dem „WilMa19“ angehört, ist ein Zusammenschluss von 210 Hausprojekten, die sich für den Erhalt von Wohnraum im Gemeineigentum einsetzen. In Berlin gibt es bereits 20 erfolgreiche Projekte, bei denen die Mietpreise zwischen 4 und 6 Euro pro Quadratmeter liegen. Diese Initiativen ermöglichen es finanzschwachen Gruppen, bezahlbare Räume zu sichern und eine lebendige Gemeinschaft zu schaffen.
Über die Grenzen hinaus
Zusätzlich gibt es zahlreiche weitere Initiativen, die sich für die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum in Berlin einsetzen. Der Netzwerk Berliner Mietshäuser-Syndikats-Initiativen (NBMHSI) ist ein Beispiel dafür, wie sich verschiedene Gruppen zusammenschließen, um ihre Kräfte zu bündeln. Auch der Verein „Wohnraum für alle e.V.“ engagiert sich, indem er Wohnungen kauft und in unverkäufliche Strukturen überführt, um geflüchteten und migrantischen Mietern Unterstützung zu bieten.
Die Stadtbodenstiftung verfolgt das Ziel, städtischen Boden in Berlin vom Markt zu nehmen, um ihn gemeinwohlorientiert zu nutzen. Diese inspirierende Idee orientiert sich am Modell des „Community Land Trust“. Ebenso bietet die GIMA Berlin-Brandenburg als genossenschaftliche Immobilienagentur Beratung für Eigentümer und Mieter an, um gemeinsam Lösungen zu finden.
In Zeiten, in denen Wohnraum immer teurer wird, zeigt das Projekt „WilMa19“ in Lichtenberg, dass es auch andere Wege gibt. Mit einem engagierten Kollektiv, das sich aktiv für die Nachbarschaft einsetzt, und einem soliden finanziellen Grundgerüst durch das Mietshäuser Syndikat, wird hier ein Zeichen für ein bezahlbares und gemeinschaftliches Wohnen gesetzt. So können die Bewohner nicht nur in ihren eigenen vier Wänden, sondern auch in einer lebendigen Gemeinschaft leben.
Für interessierte Gruppen bietet das Mietshäuser Syndikat regelmäßig Einführungsberatungen an, die etwa alle zwei Monate stattfinden. Bei Fragen oder zur Klärung von Details können Interessierte Kontakt unter berlin-brandenburg(at)syndikat.org aufnehmen.