In Lichtenberg wird das Überqueren der Hauptstraße am S-Bahnhof Rummelsburg zum echten Abenteuer. Man könnte fast meinen, die Straße sei ein kleiner Parcours, der Fußgänger:innen auf die Probe stellt. Unzählige Autos rasen vorbei, und Straßenbahnen nutzen ihre Klingeln wie ein ständiges Mahnmal der Gefahr. Die Verbindung vom Wohngebiet zum Bahnhof ist nicht nur für Pendler wichtig, sondern auch ein zentraler Schulweg. Und trotzdem – der Fußgängerüberweg, der immerhin mit Verkehrsschildern gekennzeichnet ist, bleibt ein unsicherer Ort. Es ist ein bisschen wie ein Spiel, bei dem man nicht weiß, ob man die nächste Runde überlebt.
Die vierspurige Hauptstraße, gespickt mit Straßenbahnschienen und einer Haltestelle, macht das Überqueren nicht gerade einfacher. Fußgänger:innen stehen oft auf den Gleisen und müssen darauf warten, dass die Straßenbahnen vorbeisausen. Wenn man dann auch noch bedenkt, dass kein Radstreifen vorhanden ist und Zweiräder die Situation zusätzlich gefährden, wird einem klar, dass hier Handlungsbedarf besteht. Die Senatsverwaltung für Mobilität hat bereits entschieden, keinen Zebrastreifen einzurichten, weil mehr als ein Fahrstreifen pro Richtung nicht zulässig ist. Eine Ampel? Die passt nicht in die Verkehrskoordination. Und so bleibt die Frage: Wie lange müssen die Anwohner:innen und Schulkinder noch auf eine Lösung warten?
Politische Einigkeit für mehr Sicherheit
Alle politischen Parteien in Lichtenberg – ob Grüne, Linke, CDU, SPD oder BSW – sind sich einig: Diese Situation ist unhaltbar. Bezirksstadträtin Filiz Keküllüoglu hat bereits eine fachliche Prüfung der Lage gefordert und eine Querungshilfe ins Spiel gebracht. Kristian Ronneburg von der Linken hat die Idee einer Gehwegvorstreckung als kleine Lösung vorgeschlagen, während Lilia Usik von der CDU mehr Willen seitens des Senats zur Veränderung fordert. Marlon Bünck, SPD, möchte die ablehnende Haltung des Senats zur Fußgängerampel überprüfen lassen. Es gibt viele Ideen, aber schnelle Lösungen scheinen in weiter Ferne.
Das Bezirksamt Lichtenberg hat sich jedoch auch auf die Fahnen geschrieben, den Fußverkehr zu fördern, die Schulwegsicherheit zu erhöhen und Barrierefreiheit zu gewährleisten. Fußgänger:innen gelten als die vulnerabelste Gruppe im Straßenverkehr, und seit 2023 wurden bereits zahlreiche Barrieren abgebaut. Unter anderem werden Bordsteine abgesenkt, sichere Überquerungen geschaffen und Gehwegvorstreckungen eingerichtet. In der Allee der Kosmonauten wurde ein Schulneubau mit zwei Querungen und Gehwegvorstreckungen realisiert. Spüren kann man diese Fortschritte, auch wenn die Herausforderungen – wie Sanierungsstau und begrenzte Mittel – nicht zu übersehen sind.
Ein Fußverkehrsplan für die Zukunft
Der neu vorgestellte Fußverkehrsplan von Berlin, Teil der umfassenden Mobilitätsstrategie, könnte das Licht am Ende des Tunnels sein. 2024 wurde der erste Entwurf nach intensiver Bürgerbeteiligung vorgestellt. Ziel ist es, die Sicherheit und den Komfort für Fußgänger:innen zu verbessern sowie die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum zu steigern. Der Plan definiert verbindliche Standards für Gehwege und Querungen und stellt sicher, dass die Bezirke Unterstützung erhalten, um ein Vorrangnetz für den Fußverkehr zu entwickeln. Die Vision Zero – also die Reduzierung von Verkehrsunfällen mit Fußgängerbeteiligung auf null – steht dabei im Zentrum.
Es wird breitere Gehwege geben, Stolperfallen sollen beseitigt und sichere, gut beleuchtete Querungen realisiert werden. Auch barrierefreier Ausbau für ältere Menschen und Familien mit Kinderwagen ist Teil des Plans. In einer Stadt, die über 7.000 Kilometer Fußwege bietet, ist es höchste Zeit, dass der Fußverkehr systematisch geplant und gefördert wird. Bei all den Herausforderungen und den vielen Ideen, die durch die politischen Diskussionen geistern, bleibt zu hoffen, dass die Anwohner:innen bald sicherer über die Hauptstraße gelangen können. Denn das ist es, was wir alle wollen – Sicherheit und Zuversicht in unserem Alltag.