Die Sicherheit im Berliner Nahverkehr hat in den letzten zwei Jahrzehnten eine bemerkenswerte Entwicklung durchlaufen. Anfang der 2000er Jahre befanden sich die BVG-Strukturen in einem besorgniserregenden Zustand. Die Abschaffung der Bahnhofsschaffner und Stationsaufsichten über viele Jahre hinweg führte zu einem spürbaren Rückgang der direkten menschlichen Präsenz, die für Sicherheit sorgt. Die seit den 1990er Jahren installierten Notrufsäulen an U-Bahnhöfen waren zwar ein Schritt in die richtige Richtung, jedoch wurde die Überwachung der Kamerabilder in der BVG-Sicherheitszentrale durch die schlechte Qualität der Aufnahmen und kurze Speicherfristen von 24 bis 48 Stunden stark eingeschränkt. Dies erschwerte nicht nur die spätere Strafverfolgung, sondern ließ auch die Diskussionen über die Sicherheit im Nahverkehr anheizen, insbesondere nach Gewalttaten von Jugendlichen, wie dem brutalen Angriff auf zwei Handwerker im Jahr 2011 in Lichtenberg, der zu einem Koma eines Opfers führte.
Die Überwachungskameras, die zwar in der Lage waren, bei der Identifizierung von Tätern zu helfen, hatten nur eine geringe präventive Wirkung. Der Fall von 2011, bei dem ein 29-Jähriger an der Friedrichstraße von einem 18-Jährigen angegriffen wurde, zeigt, dass auch die Veröffentlichung von Aufnahmen nicht immer zu einer sofortigen Lösung führt. Ab etwa 2008 wurde jedoch der Standard für neue U-Bahnen umgestellt, und ab 2013 auch in älteren Waggons wurden Kameras installiert. Politischer Widerstand gegen die Überwachung war minimal, was zur Installation von PTZ-Kameras (pan, tilt, zoom) in U-Bahnhöfen ab 2015 führte. Der Ausbau der Kameraüberwachung soll bis 2026 fortgesetzt werden, auch wenn trotz dieser Maßnahmen weiterhin Gewalttaten verübt wurden, wie beispielsweise 2016 an der Hermannstraße.
Die Rolle der künstlichen Intelligenz
Im Jahr 2025 registrierte die Berliner Polizei 4002 schwere Straftaten im Bereich der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), was einen Rückgang um drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr darstellt. Besonders auffällig ist der Anstieg der Sexualdelikte von 73 im Jahr 2015 auf 314 im Jahr 2025. Die Polizei vermutet, dass eine gestiegene Anzeigebereitschaft für diesen Anstieg verantwortlich ist. Im Gegensatz dazu sind leichtere Delikte wie Taschendiebstahl und Sachbeschädigung gesunken, was auf eine spürbare Verbesserung der Sicherheitslage hinweist.
Die BVG setzt verstärkt auf neue Technologien zur Verbesserung der Sicherheit. Ein Beispiel dafür ist das Projekt „Sicherheitsradar“, das künstliche Intelligenz zur automatischen Analyse von Kamerabildern nutzt. Derzeit werden bereits 20 von 175 U-Bahnhöfen mit dieser Technologie ausgestattet, die in der Lage ist, gefährliche Situationen wie Personen im Gleis oder herrenloses Gepäck zu erkennen. Diese technischen Fortschritte könnten in Zukunft auch dazu beitragen, das Sicherheitsgefühl der Fahrgäste zu steigern. So stieg das Sicherheitsgefühl am Kottbusser Tor innerhalb eines Jahres von 36 auf 58 Prozent.
Verstärkte Sicherheitsmaßnahmen und Ausblick
BVG-Chef Henrik Falk betont, dass die Sicherheitslage sich spürbar verbessert hat. Im vergangenen Jahr wurden über 105 Millionen Euro für Sicherheitsmaßnahmen ausgegeben, ein Rekordbetrag für die BVG. Knapp 250 Sicherheitsdienstmitarbeiter sind rund um die Uhr im Einsatz, und die Zahl der Streifen mit der Polizei ist im letzten Jahr von knapp 1600 auf über 1700 gestiegen. Außerdem begleitet das Projekt „Reinigungstreife“ Sicherheitspersonal Reinigungstrupps in U-Bahn-Linien, um zusätzliche Sicherheit zu gewährleisten.
In Straßenbahnen sind an jeder Tür Sprechstellen und Notbremsen vorhanden, die es Fahrgästen ermöglichen, in dringenden Fällen direkt mit dem Fahrpersonal Kontakt aufzunehmen. Diese Maßnahmen sind Teil der umfassenden Sicherheitsstrategie der BVG, die darauf abzielt, das Sicherheitsgefühl aller Fahrgäste zu erhöhen. Trotz der Herausforderungen, die die Integration neuer Technologien mit sich bringt, zeigt die BVG, dass sie die Sicherheit ihrer Fahrgäste ernst nimmt und kontinuierlich an der Verbesserung der Sicherheitsstandards arbeitet.