Lichtblicke der Hoffnung: Die Erbe der Seligen Leisner und Lichtenberg
Am 23. Juni 1996, einem denkwürdigen Tag, wurden im Berliner Olympiastadion zwei Männer in den Rang der Seligen erhoben: Karl Leisner und Bernhard Lichtenberg. Es war Papst Johannes-Paul II., der ihnen diesen ehrwürdigen Titel verlieh und damit nicht nur ihre Lebensgeschichte, sondern auch die Geschichte einer ganzen Epoche würdigte. 30 Jahre später, am 23. Juni 2026, ist die Erinnerung an diese beiden herausragenden Persönlichkeiten nach wie vor lebendig.
Vor wenigen Tagen fand in der St. Hedwigs-Kathedrale in Berlin ein feierliches Pontifikalamt statt, zelebriert von Erzbischof Dr. Heiner Koch. Die Atmosphäre war durchdrungen von einer tiefen Ehrfurcht, als Kantor, Orgelmusik und der Gesang der Gläubigen das Gedenken an Leisner und Lichtenberg begleiteten. Angehörige von Karl Leisner waren anwesend, während die Familie von Bernhard Lichtenberg leider nicht teilnehmen konnte. Es ist bemerkenswert, dass Leisner, der in Rees geboren wurde und in Kleve aufwuchs, durch eine Delegation seiner Familie vertreten war. Der Internationale Karl-Leisner-Kreis (IKLK) war ebenso präsent, mit Mitgliedern wie Monika Kaiser-Haas, Propst Stefan Notz, Pastor Oliver Paschke und Frank Maruhn. Dompropst Tobias Przytarski war einer der Konzelebranten des Pontifikalamtes.
Ein bewegendes Andenken
Das Andenken an Bernhard Lichtenberg, geboren 1875 und gestorben 1943, wurde von zwei Mitgliedern des Domkapitels geehrt. Lichtenberg war ein mutiger Mann, der 1941 verhaftet wurde, weil er öffentlich für Juden betete und gegen die „Euthanasie“-Morde protestierte. Sein Engagement für verfolgte Menschen ist ein Lichtblick in einer dunklen Zeit. Karl Leisner hingegen war der einzige Priester, der im Konzentrationslager Dachau von einem französischen Bischof im Geheimen zum Priester geweiht wurde, und auch er starb 1945 unter tragischen Umständen. Erzbischof Koch würdigte in seiner Predigt die Heldentaten dieser beiden Seligen und erinnerte an das Denkmal für Lichtenberg, das am 23. Juni in der Justizvollzugsanstalt Tegel eingeweiht wurde.
In Kleve, der Heimatstadt von Karl Leisner, wurde ebenfalls mit einem Dankamt in der Stifts- und Propsteikirche St. Mariä Himmelfahrt gedacht. Pastor Oliver Paschke zelebrierte die Messe, während der Männerchor Herz-Jesu die Dachau-Messe aufführte, unterstützt von den Chören Christus-König und St. Lambertus unter der Leitung von Johannes Feldmann. Diese Messe wurde 1944 von Pater Gregor Schwake, einem Häftling in Dachau, heimlich komponiert und uraufgeführt. Ein gewaltiger Akt der Hoffnung und des Glaubens inmitten von Verzweiflung.
Botschaften der Hoffnung und des Glaubens
Erzbischof Koch bezeichnete Lichtenberg und Leisner als „große Christen, Zeugen des Glaubens und Vorbilder“. In seiner Predigt am 23. Juni 1996 in Berlin erinnerte Johannes Paul II. an die zentrale Botschaft: „Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können“ (Mt 10, 28). Diese Worte sind nicht nur ein Aufruf zur Courage, sondern auch eine tiefgreifende Ermahnung, das eigene Gewissen und den Glauben zu bewahren, selbst in den dunkelsten Zeiten.
Die Seligsprechung war nicht nur eine Gnadenstunde für die Kirche von Berlin und Münster, sondern auch für das deutsche Volk, das mit diesen beiden Männern eine Verbindung zu einer Zeit der Verfolgung und des Widerstands hat. Ihre Geschichten sind ein Zeugnis für den Glauben, den sie unter extremen Bedingungen lebten und letztlich auch für diesen Glauben litten. Lichtenbergs Engagement, das auch die Förderung geistlicher Berufe einschloss, und Leisners unerschütterlicher Glaube sind bis heute inspirierend. Sie fordern uns auf, unseren Glauben aktiv in die Gesellschaft einzubringen und uns für Gerechtigkeit einzusetzen.
Inmitten all der Feierlichkeiten und Gedenkveranstaltungen bleibt die Frage, wie wir die Lehren aus dem Leben dieser Seligen in unsere heutige Zeit integrieren können. Es ist ein Aufruf zur Treue, zur Wahrung der eigenen Überzeugungen und zum Schutz der Religionsfreiheit. Die Erinnerung an Karl Leisner und Bernhard Lichtenberg soll uns nicht nur an die Vergangenheit erinnern, sondern uns auch dazu inspirieren, in der Gegenwart und Zukunft für das Gute einzutreten.
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