Karlshorst: Ein Stadtteil zwischen Tradition und queerer Hoffnung
Willkommen in Karlshorst, einem Stadtteil, der auf den ersten Blick wie die Ruhe selbst wirkt. Historische Jugendstil-Villen prägen das Bild – ein paar Schritte weiter, und man spürt die gesellige Atmosphäre, die hier herrscht. In der ehemaligen DDR war das Leben hier privilegiert, und heute zieht Karlshorst immer mehr junge Familien an. Doch wie das manchmal so ist, gibt es auch Schattenseiten. Queere Orte sind rar gesät, und das macht das Leben für einige Bewohner*innen nicht gerade einfacher.
Das Regenbogenfamilienzentrum Lichtenberg hat in den letzten Monaten eine herausfordernde Zeit durchlebt. Ein verheerender Brand in einem Hochhaus in Friedrichsfelde, ganz in der Nähe, hat nicht nur tragische Folgen gefordert – drei Menschen starben, viele weitere wurden verletzt – sondern auch die Arbeit des Zentrums stark beeinträchtigt. Constanze Körner, die Leiterin von LesLeFam, erfuhr von dem Vorfall durch eine Freundin und musste in den folgenden Tagen mit ansehen, wie die Folgen den Verein belasteten. Der Schaden beläuft sich auf mindestens 20.000 Euro. Ein harter Schlag, zumal die queeren Projekte im Osten Berlins auf finanzielle Unterstützung angewiesen sind.
Die Hoffnung nach dem Brand
Im Regenbogenfamilienzentrum, das glücklicherweise unbeschädigt blieb, wird aber trotzdem weitergearbeitet. Der Verein hat bereits begonnen, die zerstörten Arbeitsmittel zu ersetzen, ist jedoch auf Spenden angewiesen. Karlshorst hat eine wachsende Zahl von Familien, die das Zentrum besuchen – es ist ein Ort der Begegnung, des Austausches und des Miteinanders. Queere Menschen finden hier Raum, um ihre Erfahrungen zu teilen und Unterstützung zu erhalten. Aktuelle Informationen sind auf der Website des Zentrums und auf Instagram zu finden.
Die Lebensweise in Karlshorst ist im Vergleich zu anderen Berliner Kiezen wie Kreuzberg oder Mitte eher gemächlich. Man könnte sagen, das Leben hier fließt, nicht hastet. Aber genau das macht den Stadtteil für viele attraktiv. Zu den Herausforderungen gehören jedoch fehlende Jugendeinrichtungen, Schulplätze und Supermärkte – Dinge, die in der sozialen Infrastruktur dringend benötigt werden. Trotz dieser Defizite hat man in den letzten Jahren zahlreiche neue Wohnungen geschaffen, besonders in den Neubaugebieten „Gartenstadt“ und „Parkstadt Karlshorst“, wo insgesamt 1.000 neue Wohneinheiten entstanden sind.
Ein Raum für Vielfalt
Das Unabhängige Jugendzentrum Karlshorst (UJZ) ist eines der kleinen, autonomen Kollektive, die sich für die queere Community starkmachen. Hier gibt es eine offene Bibliothek und verschiedene Veranstaltungen, die nicht nur für Jugendliche, sondern für alle Altersgruppen gedacht sind. Die Idee, queere Infrastruktur in weniger etablierten Kiezen aufzubauen, findet immer mehr Anklang. Constanze Körner sieht hierin eine Chance für einen Neuanfang, und der Brand hat tatsächlich die Aufmerksamkeit auf stadtpolitischer Ebene erhöht.
Das Queere Regenbogenfamilienzentrum bietet eine Vielzahl von kostenfreien Angeboten für queere Menschen mit Kinderwunsch und queere Familien. Hier finden sich verschiedene Familienkonstellationen und geschlechtliche Identitäten unter einem Dach. Vom queeren Familiennachmittag über die Krabbelgruppe bis hin zum Austausch für werdende Eltern – die Vielfalt der Angebote ist beeindruckend. Auch Themenvorschläge sind willkommen, sodass das Zentrum sich stets weiterentwickeln kann.
In einer Stadt wie Berlin, die für ihre Offenheit und Vielfalt bekannt ist, ist es wichtig, dass auch in Stadtteilen wie Karlshorst ein Raum für queere Menschen geschaffen wird. Es ist nicht nur eine Frage der Sichtbarkeit, sondern auch der Unterstützung und des Zusammenhalts. Das Regenbogenfamilienzentrum hat sich als ein Lichtblick in dieser Hinsicht etabliert, und die Menschen, die dort zusammenkommen, tragen dazu bei, dass Karlshorst ein Stückchen bunter und offener wird.
