Heute ist der 8.05.2026 und die Luft in Lichtenberg hängt voller Spannung. An den Ufern der Lausitz brodelt es, und das nicht nur wegen des bevorstehenden Kohleausstiegs. Am Kraftwerkstandort Schwarze Pumpe haben sich etwa 200 Beschäftigte des Energiekonzerns Leag versammelt, um gegen die Pläne des Bundeswirtschaftsministeriums zu protestieren. Die Transparente mit der Aufschrift „Kein Blackout Ost“ wehen im Wind, ein klares Zeichen der Besorgnis und des Unmuts. Die Stimmung ist gemischt – zwischen Hoffnung auf neue Jobs und der Furcht vor einer ungewissen Zukunft.
Der Konzernbetriebsrat der Leag ist besorgt. Man befürchtet eine Benachteiligung ostdeutscher Reviere bei den Ausschreibungen für neue Gaskraftwerke. Ein Geplänkel mit schwerwiegenden Folgen für die Region! Der geplante Gesetzentwurf sieht vor, dass rund zwei Drittel der neuen Kraftwerkskapazitäten in den sogenannten „netztechnischen Süden“ gelenkt werden – also nach Baden-Württemberg, Bayern und Co. Adi Roesch, der Vorstandschef von Leag, geht in die Offensive: Er fordert, dass mindestens ein Drittel der ausgeschriebenen Kapazitäten für den Norden und Osten reserviert wird. Schließlich geht es hier um Arbeitsplätze, die für viele Menschen in der Lausitz lebenswichtig sind.
Ein Aufstand der Gaskraftwerker
Die Kraftwerker in Schwarze Pumpe kämpfen nicht nur für ihre Jobs, sondern auch für die Hoffnung auf einen Wandel. Sie verlangen ein Versprechen aus Berlin – konkret für den Bau eines Gaskraftwerks, das auch wasserstofffähig ist. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hatte ihnen im August 2025 Besuch abgestattet und versichert, dass die Lausitz beim Bau neuer Gaskraftwerke berücksichtigt wird. Doch das entscheidende Gesetz des Bundes kann dieses Versprechen bislang nicht einhalten. Eine bittere Pille für die, die sich mit vollem Einsatz für die Zukunft der Region einsetzen.
Bei der Protestkundgebung waren auch wichtige politische Vertreter anwesend, darunter Cottbuser Oberbürgermeister Tobias Schick (SPD) und die parteilose Bürgermeisterin von Spremberg, Christine Herntier. Letztere ist Sprecherin der Lausitz-Runde, die sich mit dem Strukturwandel aufgrund des Kohleausstiegs beschäftigt. Man könnte fast meinen, hier wird ein großes Rad gedreht – aber die Zeit drängt. Das gesetzlich beschlossene Ende der Kohleverstromung in der Lausitz steht bis spätestens 2038 fest. Was dann? Die Leag hat bereits Pläne in der Schublade: Investitionen in große Solar- und Windparks. Aber die Frage bleibt, ob das ausreicht, um die Menschen in der Region aufzufangen.
Ein Aufruf zur Chancengleichheit
Silke Rudolf, die Vorsitzende des Leag-Konzernbetriebsrats, bringt es auf den Punkt: Chancengleichheit und Fairness sind entscheidend für die Zukunft der Industriearbeitsplätze. Ein Schreiben an die Bundesregierung ist bereits auf dem Weg – man lässt nicht locker. Die Sorgen und Hoffnungen der Beschäftigten sind greifbar, und die Luft ist elektrisiert von den Fragen, die in den Köpfen der Arbeiter und ihrer Familien schwirren. Was kommt nach der Kohle? Wird die Lausitz als Standort für erneuerbare Energien wirklich ernst genommen? Wird man den Menschen hier die Perspektive bieten, die sie verdienen?
Hier, im Herzen der Lausitz, wird gekämpft – nicht nur um Arbeitsplätze, sondern um eine ganze Region. Die Proteste sind nicht nur ein Zeichen der Verzweiflung, sondern auch der Entschlossenheit. Denn die Menschen hier haben eine Stimme, und die wird gehört. Wenn sich die Wogen glätten und die Planungen konkret werden, bleibt zu hoffen, dass die Lausitz nicht nur ein Schatten ihrer selbst bleibt, sondern im neuen Licht erstrahlt.