Heute ist der 5.05.2026 und während Berlin erwacht, gibt es in den hintersten Ecken des Landes ganz andere Geschichten zu erzählen. Eine Durchsuchung in Markt Indersdorf, im Landkreis Dachau, hat die Ermittler auf eine dunkle Spur geführt. Bayerische Polizisten durchsuchten am Dienstagmorgen das Lager eines Händlers für historische Militärgegenstände. Und was sie fanden, ist alles andere als harmlos: Waffen und Nazi-Devotionalien kamen ans Licht. Die Waffen stehen jetzt im Verdacht, möglicherweise gegen das Waffenrecht und das Kriegswaffenkontrollgesetz verstoßen zu haben. Ein Teil des Grundstücks, auf dem die Durchsuchung stattfand, war als Lager angemietet. Doch das war nur der Anfang.
In einem separaten Raum einer Wohnung des Vermieters stießen die Ermittler auf eine erschreckende Sammlung von Nazi-Devotionalien. Darunter eine Dose mit der Aufschrift „Zyklon B“, KZ-Häftlingskleidung und diverse Nazi-Abzeichen. An dieser Stelle ist es wichtig zu betonen, dass die Gegenstände nicht öffentlich ausgestellt wurden. Der Fokus liegt momentan auf der waffenrechtlichen Situation des Händlers sowie des Vermieters. Die Ermittlungen basieren auf Informationen der Polizei in Brandenburg und der Staatsanwaltschaft Potsdam.
Rechtsextreme Strukturen im Visier
Der Fall wirft ein grelles Licht auf die gegenwärtige Lage in Deutschland. Während sich die Ermittlungen um den Händler weiter vertiefen, erinnert eine andere Geschichte an die Schattenseiten des Landes. Udo W., ein 53-jähriger Geschäftsmann aus Boitzenburg, wurde zu zwei Jahren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Auch er hatte sich dem Verbreiten von Propagandamitteln verfassungsfeindlicher Organisationen verschrieben. Sein Online-Handel, „Reichsversand“, war voll von Artikeln, die man besser nicht in den Händen halten möchte – von „SS-Kuscheldecken“ bis hin zu Rotweinflaschen mit Hitlerbildern. Die Tatsache, dass solche Artikel überhaupt angeboten werden, lässt einen schaudern. Die Revision gegen sein Urteil wurde vom Oberlandesgericht Brandenburg zurückgewiesen, und er sitzt seit 2024 in Untersuchungshaft.
Seine kriminellen Aktivitäten reichen bis ins Jahr 2005 zurück. Damals begann er mit dem Verwenden von verfassungswidrigen Kennzeichen und fand schnell Gefallen daran, diese über eBay und später über seine eigene Website zu verkaufen. Mit einem Haufen an Kunden, sogar im russischen Raum, hat er sich ein krummes Geschäft aufgebaut. Er führte seine Geschäfte sogar über internationale Konten, um den Ermittlern die Arbeit zu erschweren. Das Impressum seiner Website gab eine Adresse in Großbritannien an, während die Server in den USA liefen. Irgendwie hat man das Gefühl, dass er sich nicht nur die Finger, sondern auch die Gedanken danach gerichtet hat, wie er immer einen Schritt voraus sein kann.
Ein besorgniserregendes Phänomen
Diese beiden Fälle sind Teil eines größeren Problems: Das Personenpotenzial der gewaltorientierten Rechtsextremisten beträgt mittlerweile rund 15.300 Personen – ein besorgniserregender Anstieg. Im Jahr 2024 wurden insgesamt 37.835 rechtsextremistische Straftaten registriert, was einem Anstieg von 47,4 % im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Die Zahl der rechtsextremistischen Gewalttaten stieg ebenfalls. Körperverletzungen mit einem fremdenfeindlichen Hintergrund sind auf 916 gestiegen. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache – der Rechtsextremismus in Deutschland ist lebendig und gefährlich.
Die durchschnittliche Besucherzahl bei rechtsextremistischen Musikveranstaltungen ist stark rückläufig, doch die Szene bleibt aktiv, auch wenn sich die Art der Veranstaltungen verändert hat. Kleinere Liederabende und Szenefeiern haben an Bedeutung gewonnen. Diese Entwicklungen zeigen, dass Extremisten weiterhin versuchen, gesellschaftliche Themen, wie etwa den Nahostkonflikt, für ihre Zwecke zu nutzen – migrationsfeindliche und antisemitische Positionen werden propagiert, als wäre es das Normalste der Welt. In Berlin und darüber hinaus bleibt die Frage: Wie kann man dem entgegenwirken?