Heute ist der 16.05.2026, und Berlin ist einmal mehr Schauplatz einer bedeutenden Demonstration. Rund 2.000 Menschen versammelten sich in Kreuzberg, um den Nakba-Tag zu gedenken – ein Tag, der an die Flucht und Vertreibung von Palästinensern nach der Gründung Israels im Jahr 1948 erinnert. Der Protestzug führte vom Oranienplatz bis zum Südstern in Neukölln, begleitet von einem massiven Polizeieinsatz mit etwa 700 Einsatzkräften.
Der Nakba-Tag, was übersetzt „Katastrophe“ bedeutet, ruft in Deutschland – und nicht nur hier – gemischte Gefühle hervor. Einige Teilnehmer skandierten Parolen wie „Schluss mit der Besatzung Palästinas – 78 Jahre Al Nakba“, während andere in Gegenprotesten, wie dem des Zionistischen Bündnisses Berlin, versucht haben, ihre eigene Sichtweise zu vertreten. Der Gegenprotest war mit 50 angemeldeten Teilnehmern zwar kleiner, aber dennoch ein Zeichen für die gespaltene Meinung zu diesem Thema.
Spannungen und Festnahmen
Wie so oft, wenn sich die Massen versammeln, blieb auch dieser Tag nicht ohne Vorfälle. Laut Polizei kam es zu 15 Festnahmen, die auf versammlungstypische Straftaten, Angriffe auf Einsatzkräfte sowie die Verwendung von Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen zurückzuführen sind. Das Echo der vergangenen Jahre hallt nach: Bei früheren Nakba-Gedenktagen gab es heftige Tumulte, Flaschenwürfe und auch Verletzte – sowohl bei Demonstranten als auch bei Polizisten. Ein Vorfall im Jahr 2025, bei dem rund 1.000 Teilnehmer auf die Straße gingen, endete mit 56 Festnahmen und mehreren verletzten Polizisten. Es ist ein leidenschaftliches Thema, das viele Gemüter erhitzt.
Die Berliner Polizei hatte in den Jahren 2022 und 2023 Nakba-Demonstrationen sogar verboten, was als rechtmäßig erachtet wurde. Doch für 2023 wurde die Demonstration „wie geplant stattfinden“ – und das tat sie auch. Die Behörden scheinen die Teilnehmerzahlen realistisch einzuschätzen, was sich auch bei der diesjährigen Veranstaltung bestätigte.
Ein Blick in die Vergangenheit
Die Nakba ist nicht nur ein historisches Ereignis, sondern auch ein emotional aufgeladenes Thema, das die Gemüter bewegt. Am 14. Mai 1948 rief Israel seine Unabhängigkeit aus, was zu einem massiven Exodus von Palästinensern führte. Die Erzählung dieser „Katastrophe“ wird von manchen als antisemitisch kritisiert, weil sie oft zur Delegitimierung Israels genutzt wird. Dennoch bleibt der Schmerz und das Gedenken an die Vertreibung für viele Palästinenser ein zentrales und unverrückbares Element ihrer Identität.
Der Aufruf zur Demonstration wurde von verschiedenen linken Gruppen wie dem „Internationalistischen Bündnis“ und „Falastin Resists“ verbreitet, und man kann wohl sagen, dass die Wellen dieses Themas auch in anderen Städten wie Hamburg und Leipzig zu spüren sind. In Berlin bleibt das Gedenken an die Nakba ein wichtiger Bestandteil der politischen Landschaft, ein Ausdruck von Solidarität, aber auch ein Zeichen für die Spannungen, die in unserer Gesellschaft bestehen. Die Geschichte ist nicht vergessen, und die Stimmen, die sie lautstark vertreten, werden auch in Zukunft gehört werden.