Am Spreeufer in Berlin, genauer gesagt im East-Side-Park, hat sich in letzter Zeit einiges getan. Hier haben sich obdachlose Menschen niedergelassen, die mit ihren Zelten einen neuen, wenn auch umstrittenen Lebensraum geschaffen haben. Seit einigen Wochen stehen die Zelte, und das tut sie nicht nur temporär – sie sind da, um zu bleiben. Schilder, die das Wildcampen untersagen, sind in unmittelbarer Nähe gut sichtbar angebracht. Doch das scheint die meisten nicht abzuschrecken.

Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg steht vor einer Herausforderung. Wildcampen ist in Deutschland grundsätzlich verboten, und besonders an einer so ikonischen Stätte wie der East Side Gallery ist das Campen ausdrücklich untersagt. Man könnte meinen, das wäre genug, um die Situation zu beenden. Doch das Bezirksamt zeigt eine gewisse Nachsicht. Schließlich steht seit fünf Jahren ein von Obdachlosen bewohnter Anhänger kostenlos auf einem gebührenpflichtigen Parkplatz. Komisch, oder? Ein bisschen Resignation schwingt da mit, wenn das Bezirksamt erklärt, dass sie zwar die Einhaltung der Regelungen kontrollieren, aber nicht alle Camps sofort auflösen können.

Die Realität vor Ort

Bei einem Rundgang am 19. Mai dieses Jahres traf man eine Person an, die angab, dort zu zelten. Dies ist kein Einzelfall. Die meisten der temporären Bewohner sind obdachlos und haben keine andere Unterkunft. Es wird klar, dass die Hilfsangebote, die durch Straßensozialarbeiter bereitgestellt werden, bisher nicht den gewünschten Erfolg gebracht haben. Informationen über Unterbringungsmöglichkeiten und Beratungsangebote sind vorhanden, doch anscheinend erreicht das nichts. Man fragt sich, was passiert, wenn die Polizei und der Allgemeine Ordnungsdienst die Einhaltung der Vorschriften überprüfen. Bußgelder zwischen 10 und 80 Euro drohen, in besonders sensiblen Bereichen sogar bis zu 10.000 Euro. Da könnte man fast meinen, die Stadt hat ein lukratives Geschäft mit den Hilflosen – aber das wäre zu einfach gedacht.

Die East Side Gallery, wo Kunst und Geschichte aufeinandertreffen, wird nicht als „besonders belasteter Ort“ eingestuft. Wieso also der Aufwand? Die Gründe für die Schilder sind nicht abschließend geklärt, und vielleicht ist das gerade die Krux dieser ganzen Situation: Das Bezirksamt ist in einem Dilemma gefangen. Einerseits sollen öffentliche Grünanlagen und Straßen für alle zugänglich bleiben, andererseits stehen die Rechte und Bedürfnisse der Obdachlosen auf der anderen Seite der Waagschale.

Ein Blick auf die Zahlen

Die Wohnungslosigkeit in Berlin ist ein Thema, das viele Gesichter hat. Laut aktuellen Zahlen sind am 31. Januar 2024 insgesamt 55.656 Menschen in Berlin wohnungslos, wobei 47.260 von ihnen untergebracht sind. Die anderen, etwa 6.032 Menschen, haben keine Unterkunft – sie leben auf der Straße, in Behelfsunterkünften oder sind als verdeckt wohnungslos zu betrachten. Diese Statistik zeigt, dass das Problem nicht nur in Friedrichshain-Kreuzberg besteht, sondern ein stadtweites Thema ist, das längst nicht gelöst ist.

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Die Verantwortung für die Unterbringung wohnungsloser Menschen liegt bei den Bezirksämtern, ausgenommen sind Asylbewerber. Das ist gesetzlich verankert, und die Zahlen zeigen, dass die Situation nicht besser, sondern eher schlechter wird. Mit der Integration geflüchteter Menschen aus der Ukraine seit 2023 hat die Problematik eine neue Dimension erreicht. Die Erhebung von Daten über wohnungslose Menschen ohne Unterkunft und verdeckt wohnungslose Menschen wird erst 2026 veröffentlicht. Ein langer Weg, um wirklich zu verstehen, wie viele Menschen in Berlin auf der Straße leben müssen.

Die Herausforderung bleibt bestehen. Der East-Side-Park ist nur eine Facette in einem viel größeren Puzzle. Es tut gut, sich daran zu erinnern, dass hinter den Zahlen echte Menschen stehen – jeder mit seiner eigenen Geschichte, seinen eigenen Kämpfen. Und so stehen die Zelte, die aus dem East-Side-Park ein Stück weit zu ihrem Zuhause gemacht haben, weiterhin als stumme Zeugen einer Realität, die viel zu oft übersehen wird.