In den letzten Jahren hat die Gewalt gegen Mitarbeitende im öffentlichen Verkehr ein beunruhigendes Ausmaß angenommen. Immer mehr Übergriffe, sei es verbal oder physisch, sorgen für Unruhe und Besorgnis, nicht nur bei den Betroffenen selbst, sondern auch in der gesamten Gesellschaft. Der tödliche Angriff auf den Zugbegleiter Serkan Çalar im Februar hat die Alarmglocken läuten lassen und die Notwendigkeit einer umfassenden Sicherheitskampagne deutlich gemacht. Aus diesem Grund wurde die Initiative #mehrAchtung ins Leben gerufen, eine gemeinsame Anstrengung des Bundesverkehrsministeriums, der Deutschen Bahn und des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV).
Diese Kampagne soll für mehr Respekt gegenüber den Mitarbeitenden in Bussen und Bahnen werben und Übergriffe eindämmen. Plakate mit aussagekräftigen Botschaften wie „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Auch für alle in Uniform“ werden in Zügen und an Bahnhöfen präsentiert. Evelyn Palla, die Bahnchefin, hebt hervor, dass Respekt und Rücksicht die Grundlage für Sicherheit im täglichen Miteinander sind. Auch Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder appelliert an die Verantwortung der Fahrgäste, ein friedliches Miteinander zu fördern.
Die alarmierenden Statistiken
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: 2025 wurden rund 2.690 Angriffe auf Bahnmitarbeitende registriert – ein Anstieg von etwa 11% im Vergleich zum Vorjahr. Körperverletzungen haben sich in den letzten Jahren sogar verdreifacht, mit 3.200 Fällen im letzten Jahr allein. Und das ist noch nicht alles. Verbalattacken, einschließlich Bedrohungen und Bespucken, haben sich im Regionalverkehr der DB Regio im vergangenen Jahr auf schockierende 14.000 Fälle summiert. Schätzungsweise 70% dieser Vorfälle bleiben ungemeldet. Das ist einfach nur erschreckend!
Heike Moll, Vorsitzende des Konzernbetriebsrats, sieht einen Zusammenhang zwischen der aktuellen betrieblichen Lage und dem Anstieg der Übergriffe. Sie fordert nicht nur mehr Respekt, sondern auch pünktliche Züge, um Konflikte zu minimieren. Denn Unpünktlichkeit und Überlastung durch Corona-Maßnahmen haben zu einer steigenden Frustration bei den Fahrgästen geführt, was sich in aggressivem Verhalten äußert. Christina, eine Zugbegleiterin bei DB Regio, hat selbst die Schattenseiten dieses Jobs erlebt und berichtet von Übergriffen während Fahrkartenkontrollen.
Neue Sicherheitsmaßnahmen
Um die Sicherheit der Mitarbeitenden zu erhöhen, gibt es bereits einige konkrete Schritte. Freiwillige Bodycams für Beschäftigte im Kundenkontakt sind im Einsatz, und bis 2026 sollen alle Mitarbeitenden, die das wünschen, mit diesen Kameras ausgestattet werden. DB Regio hat bereits 1.700 Mitarbeitende mit Bodycams ausgestattet, und die Pläne für den DB Fernverkehr sehen vor, ab Juli 2026 schrittweise 2.000 Mitarbeitende zu schützen. Darüber hinaus wurde die Anzahl der Sicherheitskräfte von 4.500 auf 5.000 erhöht.
Ein Pilotprojekt zur Doppelbesetzung im Nahverkehr wurde gestartet, um die Sicherheit weiter zu erhöhen. Auch die Deeskalationstrainings werden erweitert, und ein neues E-Learning-Programm soll dazu beitragen, das Verhalten der Mitarbeitenden in kritischen Situationen zu schulen. Die Durchführung regionaler Sicherheitswerkstätten in Zusammenarbeit mit der Bundespolizei ist ein weiterer Schritt in die richtige Richtung.
Ein gesamtgesellschaftliches Problem
Die Gewalt im öffentlichen Verkehr ist nicht nur ein Problem der Bahn, sondern ein gesamtgesellschaftliches. Ingo Wortmann, Präsident des VDV, betont die Notwendigkeit gemeinsamer Anstrengungen, um die Situation zu verbessern. Die Unzufriedenheit der Kunden sollte nicht auf die Mitarbeitenden abgeladen werden. Verkehrsminister Wissing hat ebenfalls klargemacht, dass die Verantwortung für mehr Schutz bei allen Reisenden liegt – und das ist ein Punkt, den man nicht übersehen darf. Ein einfaches „Guten Tag“ von den Reisenden könnte oft schon einen großen Unterschied machen.
Die Kampagne #mehrAchtung ist also nicht nur eine Reaktion auf einen tragischen Vorfall, sondern ein notwendiger Schritt in eine respektvollere und sicherere Zukunft für alle, die im öffentlichen Verkehr arbeiten. Es ist an der Zeit, dass wir alle Verantwortung übernehmen – für ein respektvolles Miteinander.